Der Lokführerstreik der GDL trifft auch den Güterverkehr auf der Schiene. Manche Branche stellt das bei der Logistik vor große Probleme. Ob Verbraucher davon etwas spüren werden, bleibt abzuwarten.
Bahnstreik stellt auch Industrie vor Probleme

Nicht nur Fahrgäste, auch die deutsche Industrie muss sich aufgrund des Lokführerstreiks der Gewerkschaft GDL ab heute Abend auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Insbesondere Branchen mit hohem Schienengüter-Anteil müssen umdisponieren. «Der angekündigte sechstägige Bahnstreik belastet die Transportlogistik in Deutschland und Europa und damit auch Unternehmen der deutschen Automobilindustrie», teilte etwa der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf Anfrage mit.
Zwar reagierten die Unternehmen und stellten, wo möglich, Liefer- und Logistikketten um. «Allerdings ist eine kurzfristige Verlagerung von der Schiene auf die Straße außerordentlich schwierig», hieß es. Schon in den vergangenen Jahren hätten viele Unternehmen in der Branche ihre Transporte auf die Straße verlagert. «Dadurch sind dies bezügliche Potenziale weitestgehend ausgeschöpft.» Mit der Bahn würden vor allem Fertigfahrzeuge transportiert, teilte der VDA weiter mit.
Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sowohl der eine als auch der andere Käufer länger auf sein Neufahrzeug warten muss. Es ist fraglich, ob ein Streik von sechs Tagen bereits lange genug dauert.
Herausforderung für Chemieindustrie
Auch für die Chemieindustrie bedeutet der Ausstand gleichwohl eine große Herausforderung, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) auf Anfrage mitteilte. «Mit ihren Kunden und Logistikdienstleistern haben die Unternehmen umgehend flexible Lösungen entwickelt», hieß es. «Diese können die Einschränkungen und Verzögerungen in der Bahnlogistik aber nur teilweise kompensieren.»
Die GDL hat angekündigt, den mehrtägigen Streik in der Tarifauseinandersetzung mit der Deutschen Bahn in der Nacht zum Montag zu beginnen. Ab Mittwoch um 2.00 Uhr wird der Personenverkehr bestreikt, während der Güterverkehr heute um 18.00 Uhr betroffen sein wird. Der Arbeitskampf soll erst am Montagabend enden.
«144 Stunden Streik wirken sich unmittelbar auf Industrie-Lieferketten aus und stören sie nachhaltig», teilte die Güterverkehrstochter der Bahn, DB Cargo, mit. Der Verband Die Güterbahnen, in dem vor allem die Cargo-Wettbewerber organisiert sind, verwies indes darauf, dass die Bahn im Güterverkehr auf der Schiene nur noch einen Marktanteil von rund 40 Prozent habe.
«60 Prozent des Schienengüterverkehrs rollen wie üblich und kommen wegen eines entleerten Netzes sogar häufig besser ans Ziel», teilte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger mit. Die privaten Unternehmen nähmen vereinzelt auch Waren auf, die DB Cargo aufgrund des Streiks nicht transportieren könne.
Bahn: GDL-Streik vor allem Streik gegen deutsche Wirtschaft
Die Bahn selbst verwies hingegen auf die eigene Bedeutung für den europäischen Güterverkehr. «Denn DB Cargo ist eine europäische Netzwerkbahn, anders als viele Mitbewerber, die vor allem einfache Shuttleverkehre anbieten», teilte das Unternehmen mit. Der GDL-Streik sei deshalb vor allem ein Streik gegen die deutsche Wirtschaft.
Besonders betroffen ist der Einzelwagenverkehr, bei dem Waren direkt beim Kunden per Zug abgeholt werden. Die Waggons werden dann in Rangierbahnhöfen zu langen Güterzügen zusammengestellt und am anderen Ende der Strecke wieder auseinander genommen.








