Banken, angeführt von der Deutschen Bank, lobbyieren gegen den digitalen Euro, um ihre Einnahmen zu schützen. Ihre Vorschläge, wie Guthabenlimits und Gebührenobergrenzen, werfen Fragen zur Transparenz auf.
Banken beeinflussen Debatte über digitalen Euro hinter den Kulissen

Widerstand der Banken gegen den digitalen Euro
Am 10. Juli 2026 wurde die aktive Lobbyarbeit von Banken, insbesondere der Deutschen Bank, gegen die Einführung des digitalen Euros öffentlich. Diese Bemühungen zielen darauf ab, die eigenen finanziellen Interessen zu schützen, die durch das potenzielle Aufkommen des neuen digitalen Zahlungsmittels gefährdet sein könnten. In diesem Kontext hat die Deutsche Bank ein Dokument mit 44 Seiten an die deutsche Vertretung in Brüssel übermittelt, in dem sie unter anderem ein Guthabenlimit für den digitalen Euro vorschlägt, das im „niedrigen 3-stelligen Bereich“ angesiedelt sein sollte, um den Betrag zu reflektieren, den Bürger normalerweise in bar mit sich führen.
Darüber hinaus äußerte die Deutsche Bank Bedenken hinsichtlich möglicher strenger Gebührenobergrenzen, da diese ihrer Ansicht nach Zahlungsdienstleister davon abhalten könnten, elektronisches Bargeld anzubieten. Auch andere Finanzinstitute wie Unicredit, ING und die DZ Bank haben entsprechende Schreiben an die Bundesregierung gerichtet, um ihre Bedenken deutlich zu machen.
Ursachen der Lobbyaktivitäten
Die Einführung des digitalen Euros wird von vielen deutschen Abgeordneten im EU-Parlament als wichtiger Schritt zur finanziellen Unabhängigkeit von US-Zahlungsanbietern betrachtet. Die Banken hingegen befürchten, dass der digitale Euro zu einem Verlust an Einnahmen führen könnte, insbesondere aufgrund der wegfallenden Gebühren, die derzeit bei Kartenzahlungen anfallen. Laut dem Verein Bürgerbewegung Finanzwende haben die Banken „aus Profitinteressen massiv gegen dieses Vorhaben mobilisiert“.
Die Belege für die Lobbyaktivitäten der Banken wurden erst nach ihrer Fertigstellung übermittelt und sind nicht im Lobbyregister verzeichnet, was Fragen zur Einhaltung der Transparenzrichtlinien aufwirft. Finanzwende hat bereits eine Beschwerde an die zuständige Stelle im Bundestag eingereicht.
Öffentliche Reaktionen und Wahrnehmung
Kevin Kühnert, ehemaliger Generalsekretär der SPD und aktuell Leiter des Bereichs Steuern, Verteilung und Lobbyismus bei Finanzwende, kommentierte die Lobbyarbeit der Banken. Er betonte, dass es rechtmäßig sei, gegen den digitalen Euro zu lobbyieren, jedoch müsse dies transparent und nicht in Form geheimer Dokumente geschehen. Kühnert forderte eine höhere Transparenz in den Lobbyaktivitäten der Banken.
Auf Nachfrage bestätigte die Deutsche Bank, dass sie den Anforderungen des Lobbyregisters nachkomme und ihre Position zum digitalen Euro dort dokumentiert sei. Die ING erklärte, dass sie sich im Einklang mit den geltenden Vorschriften des deutschen Lobbyregisters befinde. Auch die DZ Bank prüft, ob eine Eintragung bezüglich ihrer Aktivitäten im Zusammenhang mit dem digitalen Euro notwendig ist. Unicredit plant ebenfalls eine Überprüfung, um mögliche Verstöße gegen das Lobbyregistergesetz aufzuklären.
Zusammenfassung
Die Auseinandersetzung um den digitalen Euro und die Lobbyaktivitäten der Banken verdeutlichen die Spannungen zwischen dem Streben nach finanzieller Unabhängigkeit in Europa und den Interessen etablierter Finanzinstitute. Die nächsten Monate werden entscheidend dafür sein, wie sich diese Konflikte auf die Gesetzgebung und die zukünftige Ausgestaltung des europäischen Finanzsystems auswirken werden.
Quellen: n-tv, Der Spiegel
Bildquelle: Bildquelle: Paul Fiedler auf Unsplash








