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Northvolt baut Batteriefabrik in Schleswig-Holstein auf – Milliardeninvestition und 3000 Jobs

Ein Leuchtturmprojekt der Energie- und Verkehrswende entsteht nahe der Nordseeküste. Grüne Batterie soll mit Windstrom und Recycling punkten.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor Baubeginn der Northvolt-Fabrik in Schleswig-Holstein.
Foto: Marcus Brandt/dpa

Northvolt plant, in einer großen Fabrik bei Heide in Schleswig-Holstein, bis zu eine Million Batteriezellen für Elektroautos pro Jahr zu produzieren. Das schwedische Unternehmen plant, 4,5 Milliarden Euro in die Nähe der Nordseeküste zu investieren und 3000 Arbeitsplätze zu schaffen.

Neben dem CEO von Northvolt, Peter Carlsson, werden zum offiziellen Baustart nicht nur Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), sondern auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sowie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erwartet. In Regierungskreisen wird von einem Leuchtturmprojekt der Energie- und Verkehrswende gesprochen. Der Standort in einer Region mit einem Überschuss an Windkraft bietet optimale Bedingungen für eine Produktion mit grünem Strom.

Das Unternehmen will nach eigenen Angaben nicht weniger als die «grünste Batterie der Welt in Serie» produzieren. Das Werk soll geklärtes Abwasser aus der Region für Kühlzwecke nutzen. Wärme aus der Produktion könnte an ein mögliches Fernwärmenetz der Stadt Heide abgegeben werden. Angedacht ist auch eine Anlage zum Recycling von Altbatterien ausrangierter E-Autos.

«Die Fabrik wird einen Schub für das ganze Land Schleswig-Holstein und insbesondere für die Westküste bringen», sagte Landeswirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Gemeinsam mit dem Bund wolle das Land die logistischen Voraussetzungen für den Betrieb schaffen. Die Region Dithmarschen könne mit der Fabrik und bereits existierender Forschungseinrichtungen sowie der reichlich vorhandenen grünen Energie zur Energiewende-Kompetenzregion werden.

Northvolt errichtet seine Fabrik auf einem Areal von 110 Hektar in den Gemeinden Lohe-Rickelshof und Norderwöhrden. Im Jahr 2026 ist der Produktionsstart geplant. Die Relevanz des Werkes erstreckt sich weit über den Norden hinaus. Die deutsche Autoindustrie strebt insgesamt nach einer größeren Unabhängigkeit von führenden Zulieferern aus Asien.

Gespräche seit 2021

Der Northvolt-Chef Carlsson hatte vorübergehend angedeutet, dass sich der Bau in Heide verzögern könnte. Er nannte als Gründe die vergleichsweise hohen Strompreise in Deutschland und höhere Subventionen in den USA. Das Unternehmen hatte immer die Standortvorteile der Westküste Schleswig-Holsteins betont. Dort wird sowohl an Land als auch auf dem Meer viel Windstrom erzeugt, den die Fabrik in großen Mengen benötigt.

Seit 2021 wurden vor Ort Gespräche über die Ansiedlung geführt. Anfang des Jahres bewilligte die EU-Kommission schließlich Fördermittel und Garantien für das Projekt von Bund und Land in Höhe von 902 Millionen Euro. Sie unterstützen den Bau der Batteriefabrik mit rund 700 Millionen Euro. Hinzu kommen mögliche Garantien über weitere 202 Millionen Euro. Von den Fördermitteln entfallen etwa 564 Millionen auf den Bund und bis zu 137 Millionen Euro auf Schleswig-Holstein.

Nach eigenen Angaben hat das schwedische Unternehmen einen Auftragsbestand von mehr als 50 Milliarden Dollar. Zu den Kunden gehören die Volkswagen-Gruppe, BMW, Scania und Volvo Cars. In Västerås, Schweden, gibt es einen Forschungs- und Entwicklungscampus für Batteriezellen. Seit 2022 produziert das Unternehmen auch in einem Werk in Skellefteå, Schweden.

dpa