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Baywa-Sanierung dauert länger als geplant

Die Gesundung des Münchner Mischkonzerns verzögert sich bis Ende 2028. Hauptversammlung und Jahresbilanz 2024 werden verschoben, Stellenabbau angekündigt.

Ein Solarpark der BayWa r.e. in Mecklenburg-Vorpommern am Ostseeflughafen Barth. Die Baywa-Muttergesellschaft verkauft notgedrungen ihre Beteiligung an dem Ökostromunternehmen an den Schweizer Partner E.I.P.
Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Die Sanierung der Baywa, die unter Milliardenschulden leidet, wird voraussichtlich ein Jahr länger dauern als geplant. Statt bis Ende 2027 soll die Gesundung des über 100 Jahre alten Münchner Mischkonzerns erst Ende 2028 abgeschlossen sein, wie das Unternehmen mitteilte. In diesem Frühjahr werden sowohl die Veröffentlichung der Jahresbilanz 2024 als auch die Hauptversammlung verschoben. Die positive Prognose für die Fortführung des Konzerns leidet darunter laut Baywa-Chefetage nicht.

Problemtochter Baywa r.e. 

Die Ursache für die hohen Schulden bei der Ökostromtochter Baywa r.e., die gemeinsam mit dem Schweizer Investor Energy Infrastructure Partners (EIP) betrieben wird, liegt laut Halbjahresbilanz 2024 bei über 4 Milliarden Euro. Um die finanzielle Situation von Baywa r.e. zu verbessern, wird EIP hauptsächlich eine Kapitalerhöhung durchführen. Dadurch wird der Anteil der Muttergesellschaft Baywa AG von 51 auf 35 Prozent sinken. Zudem erlässt die Baywa AG 350 Millionen Euro Gesellschafterdarlehen, die sie ihrer Tochter gewährt hatte.

Entschuldung macht Fortschritte, aber Fahrplan verzögert sich

Der positive Effekt für die Baywa AG besteht darin, dass die Entschuldung voranschreitet: Die Baywa r.e. – und somit auch ihre Verbindlichkeiten – werden zukünftig nicht mehr in der Bilanz der Muttergesellschaft ausgewiesen. Allerdings schrumpft auch das Eigenkapital der Baywa-Mutter so stark, dass gemäß der Mitteilung eine Hauptversammlung aufgrund des Verlusts der Hälfte des Grundkapitals einberufen werden muss.

Das bringt wiederum den ursprünglichen Sanierungsfahrplan durcheinander. Da im Wesentlichen ein großer Gläubiger des Konzerns dem Sanierungsplan nicht zustimmen will, plant die Baywa die Einleitung eines Verfahrens nach dem Restrukturierungsgesetz. Das unter dem Kürzel «StaRUG» bekannte Gesetz soll Krisenunternehmen helfen, sich ohne Insolvenzverfahren zu sanieren. Es gibt Unternehmen aber auch die Möglichkeit, den Widerstand einzelner Gläubiger auszuhebeln. Da der Sanierungsplan angepasst werden muss, wird sich laut Baywa auch die Einleitung des StaRUG-Verfahrens verzögern.

Hohe Verluste im vergangenen Jahr

Im Verlauf der ersten neun Monate 2024 verzeichnete der Baywa-Konzern einen Nettoverlust von fast 641 Millionen Euro. Die Krise wurde durch eine gescheiterte Expansion auf Kredit im vergangenen Jahrzehnt verursacht. Diese soll nun rückgängig gemacht werden, indem die auf Pump erworbenen ausländischen Beteiligungen verkauft werden. Dies hat auch Auswirkungen auf die Belegschaft: Anfang Dezember kündigte die Baywa einen umfangreichen Stellenabbau an. Von den 8.000 Vollzeitstellen der Muttergesellschaft Baywa AG sollen 1.300 gestrichen werden, was 16 Prozent der Vollzeit-Arbeitsplätze des Konzerns in Deutschland entspricht. Die Baywa, die aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangen ist, ist der größte Agrarhändler in Deutschland und spielt eine bedeutende Rolle für die Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung im Süden und Osten des Landes.

dpa