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Benzinpreise könnten ab Januar steigen: SPD macht Druck auf Wirtschaftsministerin Reiche

Autofahrern in Deutschland drohen ab Januar 2027 wieder höhere Spritpreise. Ende Dezember läuft der bisherige Tankrabatt aus. Eigentlich soll ein neuer Spritpreisdeckel für Entlastung sorgen, doch konkrete Pläne fehlen bislang. Die SPD fordert Wirtschaftsministerin Katherina Reiche deshalb zum schnellen Handeln auf. Während die Koalition über eine Preisobergrenze diskutiert, warnen Experten vor möglichen Folgen für Tankstellen und Raffinerien.

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Foto: depositphotos

Spritpreisdeckel ab 2027: SPD fordert schnelle Entscheidung

Millionen Autofahrer in Deutschland könnten zum Jahreswechsel erneut mit steigenden Benzin- und Dieselpreisen konfrontiert werden. Der Grund: Der derzeit geltende Tankrabatt läuft Ende Dezember 2026 aus. Damit entfällt eine Maßnahme, die Verbraucher angesichts der hohen Energiepreise finanziell entlasten soll.

Die Bundesregierung hatte deshalb bereits Mitte September beschlossen, einen zeitlich begrenzten Spritpreisdeckel vorzubereiten. Dieser soll spätestens am 1. Januar 2027 in Kraft treten und verhindern, dass die Kraftstoffpreise an den Tankstellen übermäßig stark steigen.

Doch nur wenige Wochen vor dem geplanten Start ist weiterhin unklar, wie die Regelung konkret aussehen soll. Die SPD erhöht deshalb den politischen Druck auf Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU.

SPD-Fraktionsvize Armand Zorn fordert, dass das Wirtschaftsministerium endlich ein geeignetes Modell vorlegt. Die notwendigen Eckpunkte müssten schnell ausgearbeitet werden, damit die geplante Entlastung rechtzeitig zum Jahreswechsel umgesetzt werden könne.

Die Sozialdemokraten sehen den Preisdeckel als wichtige Maßnahme, um Autofahrer und Unternehmen vor überhöhten Kraftstoffpreisen zu schützen. Besonders Menschen, die täglich auf ihr Auto angewiesen sind, könnten von einer wirksamen Begrenzung profitieren.

Ob und in welchem Umfang die Preise tatsächlich sinken würden, hängt allerdings von der konkreten Ausgestaltung des geplanten Modells ab.

Tankrabatt endet im Dezember: Was Autofahrern jetzt droht

Die Situation auf dem Kraftstoffmarkt bleibt angespannt. Der Konflikt im Nahen Osten hat die internationalen Energiemärkte erheblich beeinflusst und zeitweise deutliche Preissteigerungen ausgelöst.

Besonders der Iran-Konflikt sorgt weiterhin für Unsicherheit. Veränderungen bei der Ölversorgung, politische Spannungen und mögliche Störungen wichtiger Transportwege können sich unmittelbar auf die internationalen Rohölpreise auswirken.

Diese Entwicklung trifft auch Deutschland. Steigen die Beschaffungskosten für Rohöl und Kraftstoffe, können die Preise an den Tankstellen entsprechend zulegen.

Bis Ende Dezember soll der Tankrabatt einen Teil dieser Belastungen abfedern. Danach könnte die finanzielle Entlastung jedoch wegfallen, sofern keine neue Regelung greift.

Die schwarz-rote Koalition aus CDU, CSU und SPD hatte sich deshalb im September darauf verständigt, Gespräche mit der Mineralölwirtschaft aufzunehmen. Ziel ist ein Preisdeckel nach dem Vorbild von Belgien oder Luxemburg.

Die Maßnahme soll ausdrücklich nicht dauerhaft gelten. Vielmehr ist sie als zeitlich begrenzte Reaktion auf die außergewöhnliche Situation an den Energiemärkten vorgesehen.

Dabei betont die Bundesregierung zwei zentrale Ziele: Einerseits sollen überhöhte Preisaufschläge verhindert werden. Andererseits muss die Versorgung mit Benzin und Diesel jederzeit gesichert bleiben.

Katherina Reiche hält Spritpreisdeckel für den falschen Weg

Innerhalb der Bundesregierung gibt es allerdings unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie stark der Staat in die Preisgestaltung eingreifen sollte.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche steht einem staatlichen Spritpreisdeckel kritisch gegenüber. Schon vor der Einigung im Koalitionsausschuss hatte sie deutlich gemacht, dass sie eine solche Maßnahme nicht für den richtigen Weg hält.

Ihre Sorge gilt insbesondere den deutschen Raffinerien. Diese verarbeiten Rohöl zu Kraftstoffen wie Benzin und Diesel sowie zu Heizöl und Kerosin.

Reiche befürchtet, dass eine staatliche Preisobergrenze die wirtschaftliche Lage der Raffinerieunternehmen verschlechtern könnte. Besonders mittelständische Betriebe könnten unter Druck geraten, wenn ihre Kosten steigen, sie diese aber nicht ausreichend über ihre Verkaufspreise weitergeben können.

Deutschland verfügt nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums über elf Raffineriestandorte. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer eigenen Raffineriestrategie, mit der diese Produktionskapazitäten langfristig erhalten werden sollen.

Die Ministerin warnt davor, Deutschland bei der Kraftstoffversorgung zu stark von Importen abhängig zu machen. Eine leistungsfähige heimische Raffineriewirtschaft sei deshalb von großer Bedeutung.

Trotz ihrer grundsätzlichen Bedenken ist Reiches Ministerium für die Ausarbeitung des geplanten Spritpreisdeckels zuständig.

Nach Angaben einer Ministeriumssprecherin hat bereits ein erstes Treffen mit Vertretern verschiedener Ressorts und der Branche stattgefunden. Auch Gespräche mit den Bundesländern laufen, da diese bei der späteren Umsetzung eine wichtige Rolle spielen könnten.

Wie die Preisobergrenze genau berechnet werden soll, ist weiterhin Gegenstand der Verhandlungen.

So könnte der Spritpreisdeckel nach belgischem Vorbild funktionieren

Als Vorbild für die geplante deutsche Regelung gelten Belgien und Luxemburg. Beide Länder verwenden bereits seit vielen Jahren Systeme, mit denen staatlich festgelegte Höchstpreise für Kraftstoffe berechnet werden.

In Belgien existiert seit 1974 eine Vereinbarung zwischen dem Staat und der Mineralölwirtschaft. Die maximal zulässigen Verkaufspreise werden anhand einer festgelegten Berechnungsformel bestimmt.

Dabei fließen verschiedene Faktoren ein. Dazu gehören die internationalen Kraftstoffpreise, Transport- und Versicherungskosten, Steuern sowie die Kosten und Gewinnmargen des Vertriebs.

Die Höchstpreise werden regelmäßig neu berechnet. Eine tatsächliche Anpassung erfolgt jedoch erst dann, wenn die Abweichung einen bestimmten Schwellenwert überschreitet. Dadurch sollen ständige kleinere Preisänderungen vermieden werden.

Nach den Vorstellungen von SPD-Politiker Armand Zorn könnte ein vergleichbares Modell auch in Deutschland eingeführt werden.

Der entscheidende Unterschied zu einer starren Preisfestsetzung: Tankstellen dürften ihre Kraftstoffe weiterhin günstiger anbieten. Lediglich ein festgelegter Höchstpreis dürfte nicht überschritten werden.

Damit soll der Wettbewerb zwischen den Anbietern erhalten bleiben. Gleichzeitig möchte die SPD verhindern, dass Mineralölunternehmen außergewöhnliche Marktsituationen für überhöhte Preisaufschläge nutzen.

Ein konkreter maximaler Literpreis für Benzin oder Diesel wurde für Deutschland bislang allerdings nicht festgelegt. Auch die genaue Berechnungsformel steht noch aus.

ADAC warnt: Autofahrer sollten keine Wunder erwarten

Der ADAC beurteilt die Einführung eines Spritpreisdeckels differenziert. Nach Einschätzung des Automobilclubs könnte eine Preisobergrenze zwar helfen, außergewöhnliche Preisspitzen abzufedern. Eine deutliche und dauerhafte Senkung der durchschnittlichen Kraftstoffpreise sei dadurch jedoch nicht automatisch zu erwarten.

Der Grund liegt in der Berechnung des Höchstpreises. Wenn dieser oberhalb des üblichen Marktpreises liegt, hat er zunächst keine unmittelbare Auswirkung auf die Kosten an der Tankstelle.

Erst wenn einzelne Anbieter besonders hohe Preise verlangen, könnte die staatliche Obergrenze tatsächlich greifen.

Der ADAC geht deshalb davon aus, dass die durchschnittlichen Tagespreise durch einen solchen Mechanismus höchstens geringfügig sinken könnten.

Zugleich fordert der Automobilclub weitere Maßnahmen, um Verbraucher gezielt zu entlasten. Gerade Menschen, die aufgrund ihres Wohnortes oder ihrer beruflichen Situation auf ein Auto angewiesen sind, seien von hohen Kraftstoffpreisen besonders betroffen.

Die Erfahrungen aus früheren Energiekrisen zeigten nach Einschätzung des ADAC, dass ein wirksames Instrument zur direkten Unterstützung besonders belasteter Haushalte notwendig sei.

Ein entsprechender Mechanismus ist nach Angaben des Bundesfinanzministeriums derzeit allerdings noch nicht einsatzbereit.

Wirtschaftsexperten warnen vor Problemen für Tankstellen

Auch aus der Wissenschaft kommen kritische Stimmen. Der Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap, früherer Vorsitzender der Monopolkommission, hat gemeinsam mit weiteren Forschern die möglichen Auswirkungen staatlicher Kraftstoffpreisobergrenzen untersucht.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass ein solcher Eingriff zwar kurzfristig Verbraucher entlasten kann. Gleichzeitig bestehen jedoch Risiken, wenn die erlaubten Höchstpreise zu niedrig angesetzt werden.

Besonders kleinere Tankstellen könnten wirtschaftlich unter Druck geraten. Müssen sie hohe Beschaffungskosten tragen, dürfen aber nur begrenzte Verkaufspreise verlangen, kann sich ihr Geschäft unter Umständen nicht mehr rechnen.

Langfristig könnte dies dazu führen, dass einzelne Tankstellen schließen oder Investitionen zurückgestellt werden. Vor allem in ländlichen Regionen wäre eine solche Entwicklung problematisch, weil dort häufig weniger Ausweichmöglichkeiten bestehen.

Auch der Wirtschaftsverband Fuels und Energie lehnt staatliche Preisobergrenzen weitgehend ab. Der Verband argumentiert, dass Eingriffe in den Markt nicht zwangsläufig zu niedrigeren Nettopreisen führen.

Eine Untersuchung der Wirtschaftsberatung Frontier Economics im Auftrag des Verbandes verweist darauf, dass die deutschen Kraftstoffpreise erheblich durch Steuern, Abgaben und regulatorische Vorgaben beeinflusst werden.

Dass Benzin und Diesel in Luxemburg häufig günstiger sind als in Deutschland, lässt sich deshalb nicht allein mit dem dortigen Preisdeckel erklären. Auch Unterschiede bei der Besteuerung und den Logistikkosten spielen eine wichtige Rolle.

Greenpeace kritisiert den geplanten Spritpreisdeckel ebenfalls

Überraschend kommt Kritik auch von der Umweltorganisation Greenpeace. Der Verband hält einen staatlichen Spritpreisdeckel aus klima- und energiepolitischer Sicht für problematisch.

Greenpeace sieht dabei zwei mögliche Entwicklungen. Wird die Preisobergrenze niedrig genug angesetzt, könnten Kraftstoffe tatsächlich günstiger werden. Dies würde aus Sicht der Organisation jedoch den Verbrauch fossiler Energieträger begünstigen und die Abhängigkeit von Öl verlängern.

Wird der Höchstpreis dagegen zu hoch festgelegt, könnte die Maßnahme weitgehend wirkungslos bleiben. Dann würden Autofahrer kaum entlastet, während die Mineralölunternehmen ihre bisherigen Margen behalten könnten.

Damit unterscheidet sich die Kritik von Greenpeace deutlich von den Bedenken der Mineralölwirtschaft. Während die Branche vor wirtschaftlichen Risiken durch staatliche Eingriffe warnt, befürchtet die Umweltorganisation vor allem unerwünschte Auswirkungen auf den Ölverbrauch und den Klimaschutz.

Weitere Entlastungen für Bürger und Unternehmen geplant

Neben dem Spritpreisdeckel hat die Bundesregierung zusätzliche Hilfen für besonders betroffene Haushalte und Unternehmen in Aussicht gestellt.

Nach dem Beschluss der Koalitionsspitzen sollen zu Beginn des Jahres 2027 weitere Maßnahmen geprüft und bei Bedarf umgesetzt werden.

Im Mittelpunkt stehen dabei Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen sowie Unternehmen, die besonders stark unter den hohen Energiepreisen leiden.

Welche konkreten Hilfen eingeführt werden könnten, ist bislang offen. Auch zu möglichen Voraussetzungen, zur Höhe der Unterstützung und zur Finanzierung liegen noch keine abschließenden Entscheidungen vor.

Für Autofahrer ist deshalb weiterhin unklar, wie hoch die Belastung ab Januar tatsächlich ausfallen wird. Der aktuelle Tankrabatt senkt die Kraftstoffpreise seit Oktober rechnerisch um rund 17 Cent pro Liter, sofern die Steuerentlastung vollständig an die Verbraucher weitergegeben wird.

Läuft diese Regelung Ende Dezember aus, entfällt die entsprechende steuerliche Entlastung. Ob ein neuer Spritpreisdeckel diesen Effekt ausgleichen kann, hängt von der Entwicklung der internationalen Kraftstoffpreise und der noch ausstehenden politischen Entscheidung ab.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche muss nun gemeinsam mit den beteiligten Ressorts, den Bundesländern und der Mineralölwirtschaft eine konkrete Regelung ausarbeiten. Nach dem bisherigen Zeitplan soll diese spätestens am 1. Januar 2027 gelten.

TS
Quellen: n-tv.de