Bayer-Chef Bill Anderson baut Hierarchien ab, setzt auf effizientere Arbeitsabläufe und plant Kostensenkungen von zwei Milliarden Euro bis 2026.
Strukturumbau bei Bayer schreitet voran

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer kommt bei seinem Strukturumbau voran. «Wir haben 3.200 weniger Stellen im Konzern als Anfang des Jahres», sagte Bayer-Chef Bill Anderson in Leverkusen. «Und wir haben 900 Teams zusammengestellt, die an unseren wichtigsten Aufgaben arbeiten.» Die Stellenzahl von Bayer sank zur Jahresmitte auf weltweit 96.600, zwischen einem Viertel und einem Fünftel davon sind im Inland. Den Deutschland-Anteil am bereits getätigten Stellenabbau kommuniziert das Unternehmen nicht.
Seit etwa einem Jahr hat der Manager das Ruder bei der Traditionsfirma übernommen, die aufgrund von Glyphosat-Klagen in den USA, ausgelaufenen Patenten für Medikamente und anderen Entwicklungen unter Druck steht. Der Aktienkurs ist im Keller, im ersten Halbjahr sank der Umsatz um 2,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Euro. Ohne Wechselkurseffekte ergibt sich ein Plus von einem Prozent.
Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank in der ersten Hälfte des Jahres um 6,8 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, im zweiten Quartal gab es sogar ein Minus von 16,5 Prozent.
Im zweiten Quartal ergibt sich ein Minus von 34 Millionen Euro, im Vergleich zu einem Verlust von knapp 1,9 Milliarden vor einem Jahr. Damals war aufgrund eines schwachen Glyphosat-Geschäfts eine Abschreibung in Milliardenhöhe erforderlich. Im letzten Quartal war dies nicht der Fall, jedoch waren die Restrukturierungskosten ziemlich hoch.
Die Geschäfte hatten Höhen und Tiefen: Während es in der Agrarsparte schwierig war, brachten neue Medikamente im Pharmabereich Schwung – dadurch konnten die Umsatzeinbußen beim Verkauf des Kassenschlagers Xarelto, eines Blutgerinnungshemmers, ausgeglichen werden.
Die zuvor gegebene Konzernprognose für das Gesamtjahr 2024 bestätigte das Management. «Wir sind auf einem guten Weg, unsere Ziele zu erreichen», sagte der Vorstandsvorsitzende.
Mehr Eigenverantwortung für Beschäftigte
Anderson, ein US-Amerikaner, ist der Nachfolger von Werner Baumann als Vorstandsvorsitzender von Bayer. Er plant, das Unternehmen durch eine umfassende Umstrukturierung wieder auf Kurs zu bringen. Anderson ist der Meinung, dass Bayer bei seinem Amtsantritt zu hierarchisch aufgestellt war und die Arbeitsabläufe teilweise ineffizient waren.
Er kritisierte damals, dass zwischen ihm als CEO und dem Kunden bis zu zwölf Ebenen liegen. Anschließend stellte er eine neue Arbeitsstruktur vor, bei der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unternehmerischer denken und eigenverantwortlicher handeln sollen. Sie sollen weniger ihren Vorgesetzten Rechenschaft ablegen müssen und stattdessen selbst Entscheidungen treffen, um die Arbeitsabläufe im Konzern zu beschleunigen. Dadurch werden weniger Manager als Vorgesetzte benötigt – insbesondere solche Positionen werden reduziert, im ersten Halbjahr waren es etwa 2500 von insgesamt 3200 Stellen, die gestrichen wurden.
Weniger Chefs und mehr Macher
«Im alten System hatten wir Manager, die manchmal drei oder fünf oder sieben Leute gemanagt haben», erläutert Anderson sein bislang wichtigstes Projekt in seiner noch kurzen Amtszeit. «Jetzt haben wir normalerweise Manager, die 12, 15 oder sogar 20 Leute managen.» Ihre Management-Funktion sei sehr begrenzt, es gehe mehr um Verwaltung und Karriere-Coaching.
Die eigentliche Arbeit werde nun hingegen von den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erledigt, die sich in wechselnden Teams zusammentun und nah am Kunden sind. «Im alten System hatten wir Marketing-Leute und Produktionsleute, die alle in ihrem jeweiligen Silo steckten», sagt Anderson. «Im neuen System sind diese Leute alle zusammen und sie finden sich in Teams zusammen rund um den Kunden.»
Kostensenkung im Blick
Neben der Verbesserung der Arbeitsabläufe geht es bei der neuen Firmenstruktur auch um Kostensenkungen des hoch verschuldeten Konzerns. Im Jahr 2026 sollen die Kosten vor allem wegen der Personalreduzierung um zwei Milliarden Euro gesenkt sein, in diesem Jahr sollen es bereits 500 Millionen sein. «Bei beiden Zielen sind wir auf Kurs», sagt Anderson und fügt hinzu, der Umbau komme schneller voran als er gedacht habe.
Es ist noch unklar, wie viele weitere Stellen abgebaut werden, es gibt kein konkretes Zahlenziel dafür. Dennoch betont Firmenchef Anderson, dass der Umbau schnell voranschreiten wird.








