Die Güterbahn DB Cargo schreibt seit Jahren rote Zahlen. Der Vorstand will nun per Umstrukturierung die Wende schaffen – doch es gibt Streit.
Betriebsräte bei DB Cargo gegen Umstrukturierungspläne

Die geplante Umstrukturierung der Güterbahn DB Cargo wird zu einem Machtkampf zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern. Die Betriebsräte der DB Cargo und ihrer Tochterunternehmen haben sich in großem Maße gegen die Umstrukturierungspläne des Vorstands ausgesprochen. Diese Pläne sehen vor, dass Teile des Güterverkehrs von den Tochterfirmen übernommen werden sollen. Lokführer erhalten dabei tendenziell mehr Geld, müssen jedoch teils deutlich länger fernab von zu Hause arbeiten. Dadurch können mit weniger Lokführern mehr Kilometer zurückgelegt werden.
Die Lokführer bei DB Cargo haben die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob sie bis zu zehn Tage hintereinander arbeiten möchten. Es besteht keine Verpflichtung. Nur wenige Mitarbeiter haben sich zuletzt für den mehrtägigen Arbeitszyklus entschieden, für den eine Zulage gezahlt wird.
Die Gewerkschaft EVG zweifelt daran, dass die geplante Verlagerung von Teilen des Güterverkehrs in Tochtergesellschaften einen signifikanten Beitrag zur Bewältigung der Krise bei DB Cargo leisten kann. Das Unternehmen verzeichnet seit Jahren Verluste. Im Jahr 2022 schätzte die Bahn den Verlust auf 665 Millionen Euro. Berichten zufolge verzeichnete das Unternehmen auch im Jahr 2023 erneut ein Minus von etwa einer halben Milliarde Euro. Die detaillierten Geschäftszahlen sollen im März veröffentlicht werden.
Die Betriebsräte werfen dem Vorstand vor, keine überzeugende Gesamtstrategie zu haben. Vorstandschefin Sigrid Nikutta wolle mit ihren Umstrukturierungsplänen DB Cargo «weiter kaputtschrumpfen», schrieben sie in einer Information an die Beschäftigten. Das Schreiben liegt der dpa vor.
Teurer Einzelwagenverkehr
Der Güterverkehr auf der Schiene wird in drei Bereiche unterteilt: Einzelwagenverkehr, kombinierter Verkehr und Ganzzugverkehr. Insbesondere der Einzelwagenverkehr wird als teuer und wenig rentabel angesehen, da dabei viele Waggons mit verschiedenen Gütern kombiniert und an verschiedene Ziele gebracht werden müssen. Dieser soll zukünftig staatlich unterstützt werden. Im Gegensatz dazu wird der kombinierte Verkehr, bei dem Container beispielsweise am Hafen abgeholt und dann per Bahn weitertransportiert werden, als Wachstumsgeschäft angesehen. Dieser Verkehr soll von DB Cargo auf die Tochtergesellschaften verlagert werden.
Die Bahn plant, die Umstrukturierung notfalls auch vor Gericht durchzusetzen, falls keine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern erzielt wird. Dies wurde der dpa aus Bahn-Kreisen bekannt. Bei den Tochterunternehmen steht der Kunde im Fokus, nicht der optimale Dienstplan. Es wird zu Zeiten gefahren, die für den Kunden passend sind. Im Gegensatz dazu ist die DB Cargo seit mehr als 15 Jahren nicht wettbewerbsfähig.
Die Zahlen von DB Cargo haben auch die EU-Kommission alarmiert. Die Verluste wurden in den letzten Jahren von der Deutschen Bahn ausgeglichen, die dem Bund gehört. Es stellt sich die Frage, ob DB Cargo durch eine versteckte Form staatlicher Beihilfe am Leben gehalten wird. Derzeit läuft ein Beihilfeverfahren der EU-Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland.








