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BioNTech schließt drei Standorte in Deutschland – bis zu 1.800 Arbeitsplätze betroffen

Harter Einschnitt beim Mainzer Biotech-Konzern BioNTech: Die Produktionsstandorte in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen sollen bis Ende 2027 geschlossen werden. Die Suche nach Käufern hat offenbar nicht den erhofften Erfolg gebracht. Insgesamt könnten im Zuge der weltweiten Neuaufstellung bis zu 1.860 Stellen betroffen sein. Gleichzeitig verändert BioNTech seine Strategie und setzt verstärkt auf die Entwicklung neuer Krebsmedikamente.

Foto: depositphotos

Drei deutsche BioNTech-Standorte stehen vor dem Aus

BioNTech treibt seinen tiefgreifenden Konzernumbau voran. Die Produktionsstandorte in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen sollen nach den bisherigen Plänen bis Ende 2027 aufgegeben werden. Bereits im Mai hatte das Unternehmen die Schließungen angekündigt, gleichzeitig aber noch nach möglichen Käufern für die betroffenen Standorte gesucht.

Damit verband sich für viele Beschäftigte die Hoffnung, dass zumindest Teile der Werke unter einem neuen Eigentümer weitergeführt werden könnten. BioNTech prüfte sowohl vollständige Verkäufe als auch Teilverkäufe. Die Suche sollte bis Ende September laufen.

Zumindest für das traditionsreiche Werk in Marburg haben sich diese Hoffnungen offenbar zerschlagen. Nach Informationen des Hessischen Rundfunks wurde kein Investor gefunden. Ein Mitglied des Betriebsrats bestätigte, dass der Standort voraussichtlich endgültig geschlossen wird. Rund 540 Beschäftigte sind dort betroffen.

Besonders symbolträchtig ist das Aus in Marburg, weil das Werk während der Corona-Pandemie zu einem der wichtigsten Produktionsstandorte für den gemeinsam mit Pfizer vermarkteten Covid-19-Impfstoff gehörte. BioNTech hatte die Anlage 2020 vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen und anschließend für die mRNA-Produktion umgebaut.

Bis zu 1.860 Stellen könnten wegfallen

Die Einschnitte reichen weit über Marburg hinaus. Auch der Produktionsstandort in Idar-Oberstein soll aufgegeben werden. Dort sind rund 440 Arbeitsplätze betroffen. Hinzu kommen die Standorte des übernommenen Biotech-Unternehmens CureVac, insbesondere in Tübingen.

Insgesamt könnten durch die internationale Konsolidierung des Produktionsnetzes bis zu rund 1.860 Stellen betroffen sein. Dazu zählt auch ein Standort in Singapur, dessen Betrieb voraussichtlich bereits im ersten Quartal 2027 beendet werden soll.

BioNTech begründet den Umbau unter anderem mit Überkapazitäten und veränderten Produktionsanforderungen. Nach dem Ende der akuten Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen deutlich zurückgegangen. Produktionskapazitäten, die während der Pandemie dringend benötigt wurden, sind deshalb heute teilweise nicht mehr ausgelastet.

Gleichzeitig spielen auch Produktionskapazitäten von Partnerunternehmen sowie Veränderungen durch Übernahmen eine Rolle. BioNTech geht davon aus, dass die betroffenen Werke in den kommenden Monaten zunehmend nicht ausgelastet beziehungsweise redundant sein werden.

Corona-Impfstoffproduktion in Deutschland endet

Mit dem Umbau endet gleichzeitig ein bedeutendes Kapitel der deutschen Corona-Impfstoffproduktion. Die Herstellung des Covid-19-Impfstoffs soll vollständig vom US-Partner Pfizer übernommen werden.

Für BioNTech bedeutet dies eine deutliche Verschiebung der eigenen Prioritäten. Das Mainzer Unternehmen will sich langfristig von seiner starken Abhängigkeit vom Corona-Geschäft lösen. Während der Pandemie hatte der Impfstoff dem Unternehmen Milliardenumsätze und -gewinne beschert. Mit dem starken Rückgang der Nachfrage veränderte sich die wirtschaftliche Situation jedoch grundlegend.

Die geplante Neuordnung soll deshalb erhebliche Kosten einsparen. Nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen erwartet BioNTech ab 2029 wiederkehrende jährliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro.

Dieses Geld soll unter anderem in die umfangreiche Onkologie-Pipeline fließen. BioNTech entwickelt verschiedene neue Krebstherapien, darunter Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, Immunmodulatoren und mRNA-basierte Krebsimmuntherapien. Bis 2030 will sich das Unternehmen zu einem Biopharma-Konzern mit mehreren zugelassenen Produkten entwickeln.

Kritik von Betriebsrat und Gewerkschaft

Für die Beschäftigten an den betroffenen Standorten bedeutet der Strategiewechsel dagegen große Unsicherheit. Besonders in Marburg hatte sich der Betriebsrat für einen Verkauf und damit für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze eingesetzt.

Nach dem offenbar gescheiterten Verkaufsversuch äußerte ein Betriebsratsmitglied gegenüber dem Hessischen Rundfunk deutliche Kritik am Vorgehen des Unternehmens. Innerhalb der Belegschaft sei „massiv Vertrauen verloren“ gegangen. Der Verkaufsprozess sei aus Sicht der Arbeitnehmervertreter nicht transparent genug gewesen.

Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hatte bereits zuvor mehr Klarheit verlangt. Sabine Süpke, Leiterin des IG-BCE-Landesbezirks Hessen-Thüringen, forderte BioNTech auf, alle Möglichkeiten für eine Weiterführung der betroffenen Standorte auszuschöpfen.

Das Unternehmen selbst hatte noch Ende August erklärt, verschiedene Verkaufsoptionen für Marburg, Idar-Oberstein und weitere betroffene Standorte zu prüfen. Für die Berliner Tochter JPT Peptide Technologies konnte dagegen bereits eine Lösung gefunden werden: Ein von der DUBAG Group beratener Fonds soll sämtliche Anteile übernehmen, sodass das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit als eigenständiger Anbieter fortsetzen kann.

TS
Quellen: Bild.de