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Anstieg der Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2024

Die Fallzahlen bei Betrug und Abrechnungsbetrug stiegen drastisch. Die Aufklärungsquote lag bei 89 Prozent, höher als bei Gesamtkriminalität.

Wirtschaftskriminalität nimmt laut BKA zu.
Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Die Zahlen der Wirtschaftskriminalität in Deutschland sind im Jahr 2024 deutlich angestiegen. Laut Bundeskriminalamt (BKA) gab es allein beim Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen einen Anstieg um 847,6 Prozent. Dies sei auf ein umfangreiches Ermittlungsverfahren in Schleswig-Holstein zurückzuführen, bei dem es um Betrug und Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ging.

Laut dem BKA in Wiesbaden wurden im vergangenen Jahr insgesamt 61.358 Wirtschaftsdelikte von der Polizei registriert, was fast 58 Prozent mehr sind als im Vorjahr. Unter den aktenkundigen Delikten wurden allein in 39.207 Fällen Betrug und in 20.553 Fällen Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ermittelt.

Höhere Aufklärungsquote

Im Jahr 2024 lag die Aufklärungsquote insgesamt bei etwa 89 Prozent (2023: 85,2 Prozent). Bei Wirtschaftskriminalität werden die Ermittler laut BKA den Tatverdächtigen deutlich öfter auf die Spur kommen als bei der Gesamtkriminalität. Die Aufklärungsquote für alle Straftaten, die in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst sind, beträgt 58 Prozent.

Laut dem BKA ist der Anstieg der Fallzahlen in der Wirtschaftskriminalität hauptsächlich auf eine deutliche Zunahme von erfassten Betrugsfällen (plus 116,7 Prozent) und Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen zurückzuführen, wie es in einem großen Ermittlungskomplex in Schleswig-Holstein festgestellt wurde.

Betrug mit Abrechnungen für Blutuntersuchungen

Nach Auskunft des Landeskriminalamtes in Kiel handelt es sich um ein Verfahren mit 18.595 Fällen. «Die Geschädigten hatten spezielle Blutuntersuchungen als Privatleistung bei einem Labor in Nordfriesland in Auftrag gegeben», erläuterte eine Sprecherin. «Sie erhielten Ergebnisse und Rechnungen, obwohl tatsächlich keine der vereinbarten Blutuntersuchungen durchgeführt worden ist.» Es sei ein Schaden von mehr als sieben Millionen Euro entstanden. «Zu diesen Fällen konnte ein Tatverdächtiger ermittelt werden, der allerdings während des laufenden Verfahrens verstorben ist», ergänzte die LKA-Sprecherin.

Massive finanzielle Schäden und Bandenstrukturen

«Insbesondere der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen stellt ein Kriminalitätsphänomen mit gesamtgesellschaftlicher Relevanz sowie hoher Sozialschädlichkeit dar und verursacht massive finanzielle Schäden», erläuterte das BKA. «Zudem zeigen sich vermehrt Bandenstrukturen bis hin zu organisierter Kriminalität, begleitet von Geldwäsche und Steuerdelikten.» 

Wirtschaftskriminalität verursacht in Deutschland enorme finanzielle Schäden. Im Jahr 2024 belief sich die Schadenssumme laut BKA auf 2,76 Milliarden Euro (2023: 2,68 Milliarden Euro). Obwohl Wirtschaftsdelikte nur etwa ein Prozent der erfassten Straftaten ausmachen, sind sie für mehr als ein Drittel des Gesamtschadens in der Kriminalstatistik verantwortlich, erklärten die Ermittler.

dpa