Nach einem Beinahe-Unglück muss Boeing die Produktion der 737-Max-Reihe einstellen, während die Untersuchungen des Vorfalls laufen.
Boeing in der Krise: Produktion der 737-Max-Reihe vorerst gestoppt

Das Beinahe-Unglück einer Boeing 737 Max verschärft die Dauerkrise des zweitgrößten Flugzeugherstellers der Welt. Nach fünf Verlustjahren in Folge will sich Konzernchef Dave Calhoun derzeit gar nicht zu den Geschäftsaussichten äußern. «Wir werden uns einfach auf jedes nächste Flugzeug konzentrieren», betonte Calhoun bei der Vorlage von Quartalszahlen am Mittwoch.
Boeing hat vorerst keine Erlaubnis mehr, die Produktion der 737-Max-Reihe gemäß der Anordnung der US-Luftfahrtbehörde FAA auszuweiten. Dies liegt daran, dass die Aufseher die Produktion der gesamten Modellreihe überprüfen, nachdem es Anfang Januar beinahe zu einem Unglück mit einer 737-9 Max gekommen ist. Ursprünglich plante das Management, die Produktion der 737-Max-Jets bis spätestens 2026 auf 50 Maschinen pro Monat zu erhöhen. Nun bleibt es jedoch bei 38 Jets pro Monat.
Die FAA hat Maßnahmen ergriffen, nachdem sich bei der Boeing 737-9 Max von Alaska Airlines während des Fluges ein Rumpfteil gelöst hatte. Zuerst mussten alle Flugzeuge der betroffenen Variante am Boden bleiben und untersucht werden. Anschließend hat die Aufsichtsbehörde Ermittlungen gegen den Hersteller eingeleitet. Zusätzlich untersucht die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB derzeit den Vorfall.
Calhoun: Der Verantwortung stellen
Noch offen ist, ob die vorgesehenen Befestigungsbolzen des Bauteils überhaupt montiert waren oder sich lösten – und ob der Fehler bei Boeing oder einem Zulieferer passierte. Calhoun bekräftigte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, dass Boeing sich unabhängig vom Ausgang der Untersuchung der letztlichen Verantwortung stelle: «Wir haben das Problem verursacht – und wir verstehen das.»
Im Jahr 2023 verzeichnete Boeing aufgrund der Probleme mit dem Mittelstreckenjet 737 Max und anderen Modellen einen Verlust von über 2,2 Milliarden Dollar (ca. 2 Milliarden Euro). Das Minus war im Vorjahr mehr als doppelt so hoch.
Zwar lieferte Boeing im vergangenen Jahr 528 Passagier- und Frachtjets aus und damit zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg sogar um 17 Prozent auf 77,8 Milliarden Dollar. Doch die Produktionsmängel und Nacharbeiten an Mittelstreckenjets aus der 737-Max-Reihe und an Langstreckenmaschinen vom Typ 787 «Dreamliner» zogen das Ergebnis ebenso ins Minus wie hohe Mehrkosten für das künftige US-Präsidentenflugzeug Air Force One, die Tankjets für die US-Luftwaffe, ein Schulungsflugzeug und eine Tarnkappendrohne.
Boeing verzeichnete nicht nur Verluste im Geschäft mit Passagier- und Frachtflugzeugen. Der operative Verlust der Rüstungs- und Raumfahrtsparte betrug sogar knapp 1,8 Milliarden Dollar. Nur das Servicegeschäft trug zu einem Milliardengewinn bei.
Boeing befindet sich seit fast fünf Jahren in der schwersten Krise seiner Geschichte. Innerhalb weniger Monate stürzten zwei Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max ab, wobei 346 Menschen ums Leben kamen. Im März 2019 wurden daher Startverbote von Luftfahrtbehörden verhängt. Erst nach technischen Verbesserungen wurden die Jets wieder zugelassen.








