Neue Vorschriften und Bürokratie nach dem Brexit führen zu dramatischem Rückgang der Exporte um 18 Prozent.
Export von Bekleidung und Schuhen aus Großbritannien in die EU stark gesunken

Eine Studie besagt, dass die Bürokratie und neuen Vorschriften seit dem Brexit den Export von Bekleidung und Schuhen aus Großbritannien in die EU stark beeinträchtigen.
Die Ausfuhren seien von 7,4 Milliarden Pfund (8,7 Mrd Euro) im Jahr 2019, also vor dem EU-Austritt, auf 2,7 Milliarden Pfund 2023 gefallen, zitierte die Zeitung «Guardian» eine Studie des Beratungsunternehmens Retail Economics und der Online-Plattform Tradebyte. Das habe zu einem Einbruch beim Export sogenannter Non-Food-Waren in Länder des EU-Binnenmarkts um knapp ein Fünftel (18 Prozent) beigetragen.
Großbritannien hat Ende Januar 2020 die EU verlassen und ist seit 2021 nach einer Übergangsphase auch nicht mehr Teil des EU-Binnenmarkts und der Zollunion. Trotz eines in letzter Minute vereinbarten Freihandelsabkommens fallen seitdem in einigen Bereichen neue Zölle an, und bürokratische Vorschriften erschweren die Geschäfte. Der bilaterale Handel ist deutlich zurückgegangen. Oppositionsführer Keir Starmer, dessen sozialdemokratische Labour-Partei Umfragen zufolge die Parlamentswahl am 4. Juli gewinnen könnte, hat angekündigt, die britischen Regeln für Lebensmittel und Agrarprodukte an die EU anzupassen. Eine Rückkehr in den Binnenmarkt oder die Wiedereinführung der EU-Freizügigkeit schließt er jedoch aus.
Einige Bereiche legen aber auch zu
Aufgrund des Rückgangs sind die Verkäufe britischer Marken und Einzelhändler in die EU seit dem Brexit eingebrochen, obwohl der europäische E-Commerce-Markt floriere, hieß es in dem Bericht weiter. Betroffen seien vor allem kleine und mittlere Unternehmen, für die es aufwendiger sei, die neuen bürokratischen Vorschriften zu erfüllen. Nicht alle Non-Food-Güter waren betroffen. In den Bereichen Health and Beauty, also Gesundheits- und Schönheitsprodukte, sowie Heimwerken und Gartenbedarf stiegen die Exportumsätze. Dadurch seien die Rückgänge in der Bekleidungs- und Schuhbranche teilweise ausgeglichen worden.
Manchmal wird der Einbruch damit erklärt, dass britische Unternehmen aufgrund des Brexits ein Büro in der EU eröffnet haben, um die neuen Regelungen zu umgehen, sagte Richard Lim von Retail Economics, Co-Autor der Studie. Allerdings haben viele britische Bekleidungshersteller aufgrund bürokratischer Hürden auch ihre Produktion in ein EU-Land verlagert – auf Kosten von Fachkräften und Arbeitsplätzen in Großbritannien.
Dienstleistungen legen zu
Laut einer Studie der Denkfabrik UK in a Changing Europe, die am Dienstag veröffentlicht worden war, sind britische Warenexporte in die EU seit dem Brexit zurückgegangen. Allerdings seien die Dienstleistungsexporte im Vergleich zum Februar 2020 um fast 30 Prozent gestiegen. «Diese Branche, zu der auch juristische Dienstleistungen und Beratungen gehören, hat mittlerweile die Fertigungs- und Transportausrüstung (einschließlich Autos) überholt und ist Großbritanniens größter Exportsektor», hieß es.








