Klimaneutrale Produkte verursachen hohe Kosten, die der Markt nicht tragen will. IG BCE und VCI drängen auf schnelle Maßnahmen zur Entlastung.
Chemie-Industrie fordert Reform des Emissionshandels

Die deutsche Chemie-Industrie und die Branchengewerkschaft IG BCE fordern in einem Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine zügige Reform des Emissionshandels.
Das bisherige System habe zwar zur deutlichen Senkung von Treibhausgasen geführt, sei aber nicht mehr zukunftstauglich, schreiben der Präsident des Chemieverbands VCI, Markus Steilemann, und IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis. «Die CO2-Bepreisung bleibt global asymmetrisch und verursacht dadurch erhebliche Wettbewerbsnachteile für europäische Produzenten.»
Laut dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sind klimaneutrale Produkte oft mit erheblich höheren Kosten verbunden, die der Markt nicht bereit ist zu tragen. Es fehlen auch zentrale Voraussetzungen, wie ausreichend günstiger Strom und Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen sowie die notwendigen Netze und Infrastruktur.
Der Emissionshandel ist das Hauptinstrument der EU für den Klimaschutz. Firmen müssen Nachweise für den Ausstoß von Treibhausgasen erbringen. Sie können diese bei Bedarf miteinander handeln. Dadurch entsteht ein Preis für jede ausgestoßene Tonne CO2. Im Laufe der Zeit nimmt die Anzahl verfügbarer Zertifikate ab – dies soll auf effiziente Weise zu mehr Klimaschutz führen.
Mehrkosten von über 200 Millionen Euro befürchtet
IG BCE und VCI fordern, die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten auf dem Niveau von 2025 beizubehalten und das Absinken der Anzahl der Rechte bis 2050 zu verlangsamen. Die Verschärfung im System seit Jahresbeginn wird voraussichtlich Mehrkosten von über 200 Millionen Euro pro Jahr allein für die deutsche chemische Industrie verursachen.
Steilemann und Vassiliadis fordern, die Verknappung von CO2-Zertifikaten zu reduzieren und die Aussetzung des kostenlosen Ausstoßrechts für bestimmte emissionsintensive Güter wie Eisen, Stahl, Aluminium und Düngemittel.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollten in einem Schnellverfahren greifen, denn die Lage der Chemiebranche sei «dramatisch». Die durchschnittliche Auslastung in Deutschland liege bei nur 70 Prozent, was viele Anlagen unrentabel mache und zur Schließung von Anlagen sowie Personalabbau führe.
Die Chemie-Industrie, die viel Strom und Gas verbraucht, fordert schon seit geraumer Zeit Entlastung aus Brüssel. Erst im Oktober hatte der Chef des Essener Chemiekonzerns Evonik, Christian Kullmann, eine Abschaffung oder eine drastische Reform des EU-Emissionshandels gefordert.








