Bundesbauministerin Verena Hubertz stellt einen Aktionsplan vor, um die Baukosten zu senken und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. 13 Maßnahmen, darunter die Digitalisierung des Bauantragsprozesses und eine neue Förderkulisse, sollen den Wohnungsbau ankurbeln.
Bundesbauministerin Hubertz stellt neuen Plan zur Reduzierung der Baukosten vor

Die hohen Baukosten in Deutschland stellen eine große Herausforderung dar, die es zu bewältigen gilt. Bundesbauministerin Verena Hubertz betonte nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr die Notwendigkeit, die Bauaktivitäten wieder zu beleben. Um diesem anhaltenden Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegenzuwirken, hat sie einen neuen Schritt angekündigt, der im Rahmen einer Investorenkonferenz in Frankfurt am Main präsentiert wird.
Der „Aktionsplan zur Senkung der Baukosten“ besteht aus 13 Maßnahmen, die darauf abzielen, Planungsprozesse zu optimieren, Förderungen zu bündeln und die digitale Antragstellung zum Standard im Bauwesen zu machen. Hubertz hebt hervor, dass die Digitalisierung ein entscheidender Faktor ist, um die Effizienz zu steigern und Abläufe zu beschleunigen.
Eines der Kernelemente des Plans ist die vollständige Digitalisierung des Bauantragsprozesses. Bis 2028 soll die digitale Antragstellung verbindlich eingeführt werden, wobei Papieranträge nur in Ausnahmefällen akzeptiert werden. Diese Maßnahme zielt darauf ab, den Genehmigungsprozess zu beschleunigen und bürokratische Hürden abzubauen.
Darüber hinaus plant die Ministerin eine Verlängerung der degressiven Abschreibung (AfA), die insbesondere für den Neubau von Mietwohnungen von Bedeutung ist. Die derzeitigen steuerlichen Abschreibungsbedingungen gelten bis September 2029 und bieten laut dem Aktionsplan nicht ausreichend Anreize für langfristige Investitionen im Wohnungsbau. Hierbei benötigt Hubertz die Unterstützung von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, der ebenfalls an der Konferenz teilnehmen wird.
Ein weiterer Aspekt des Aktionsplans ist die Einführung eines „Zentralen Förderprogramms Neubau“. Aktuell wird der Wohnungsbau durch zahlreiche Einzelprogramme gefördert, was für Investoren häufig unübersichtlich ist. Ab 2027 soll die Neubauförderung gebündelt werden, wobei die Schaffung von Wohneigentum für Familien als zentrales Kriterium hervorgehoben wird. Hubertz betont, dass die Kostentreiber an der Wurzel angegangen werden müssen, um sicherzustellen, dass vielversprechende Projekte nicht an hohen Kosten scheitern.
Ein akuter Mangel an Wohnraum ist in Deutschland zu verzeichnen, mit einem geschätzten Bedarf von etwa 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Eine unveröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) deutet jedoch auf einen positiven Trend bei den Baufertigstellungen hin. Bis zum Jahresende könnten rund 225.000 Wohnungen fertiggestellt werden, was einem Anstieg von fast neun Prozent im Vergleich zu 2025 entspricht. Bei stabiler wirtschaftlicher Entwicklung könnte diese Zahl bis 2027 auf etwa 240.000 steigen.
Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Bauindustrie, fordert klare und verlässliche Rahmenbedingungen zur Beschleunigung des Bauprozesses. Der Aktivitätsplan von Hubertz thematisiert einige der drängendsten Anliegen der Branche, einschließlich der Vereinfachung von Förderstrukturen und der Verbesserung steuerlicher Abschreibungsinstrumente.
Die Bauindustrie äußert zudem Erwartungen an die finanziellen Mittel. Ein Monitoring des Bundes zum Sondervermögen zeigt, dass im letzten Jahr von insgesamt 327 Millionen Euro für den Wohnungsbau lediglich rund 37 Millionen Euro verwendet wurden. Müller fordert, dass nicht verausgabte Mittel im Bundeshaushalt 2027 speziell für den Wohnungsbau eingesetzt werden, um diesen wieder anzukurbeln.
Um den Wohnungsbau zu fördern, hatte Ministerin Hubertz bereits im Oktober einen „Bau-Turbo“ eingeführt, der es Gemeinden erlaubt, zusätzliche Wohnungen nach einer dreimonatigen Prüfung zu genehmigen. Im Mai wurde zudem das „Baugesetzbuch-Upgrade“ verabschiedet, das dem Wohnungsbau ein überragendes öffentliches Interesse einräumt und damit rechtliche Priorität vor anderen Interessen wie dem Denkmal- oder Naturschutz gewährt.
Christian Gaebler, Berlins Senator und Vorsitzender der Bauministerkonferenz der Länder, appelliert an den Bund, unnötige Vorgaben abzubauen und steuerliche Anreize zu schaffen. Die Digitalisierung von Bauanträgen und Planungsverfahren wird als wesentlicher Bestandteil für die Beschleunigung des Bauprozesses betrachtet. Der Aktionsplan von Verena Hubertz soll einen weiteren Schritt in Richtung bezahlbares Bauen darstellen, wobei die Anzahl neu errichteter Wohnungen als entscheidendes Kriterium zählt.
Quellen: tagesschau, Neubau: So will die Bundesregierung Bauen günstiger machen








