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Preisrutsch am Kühlregal – Butter unter einem Euro

Für die Weihnachtsbäckerei ist eine Zutat jetzt günstiger zu haben: Butter ist so günstig wie lange nicht. Denn es ist ungewöhnlich viel Milch auf dem Markt. Das löst auch Sorgen aus.

Billig, billiger, Butter - der Preis hat sich mehr als halbiert. (Symbolbild)
Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Butter wird erneut günstiger. Ein 250-Gramm-Stück Deutscher Markenbutter der Eigenmarken kostet jetzt nur noch 99 Cent, wie aus Ankündigungen von Supermärkten und Discountern hervorgeht. Innerhalb eines Jahres hat sich der Butterpreis mehr als halbiert. Auch andere Butterprodukte werden laut Händlern günstiger. Doch während sich Supermarktkunden darüber freuen, bereitet es Milchbauern Sorgen.

Der Preisrutsch hat seinen Ursprung darin, dass Milch auf dem Weltmarkt günstiger geworden ist. Laut Daten der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) sind die Preise Anfang Dezember weiter gesunken, da das Angebot weltweit wächst. Auch bei deutschen Molkereien wurde im zweiten Halbjahr demnach mehr Milch angeliefert als im Vorjahreszeitraum.

Butter bringt Kundschaft in die Läden 

Lidl hat angekündigt, dass die sinkenden Rohstoffpreise als Preisvorteil an die Kunden weitergegeben werden. Edeka, Netto, Rewe, Penny sowie Aldi Süd und Aldi Nord haben ebenfalls entsprechende Preissenkungen angekündigt.

Butter wird von Händlern als sogenanntes Eckprodukt genutzt, um Kunden in die Läden zu locken. Dadurch landen nicht nur Butter, sondern auch viele andere Produkte im Einkaufswagen. Bei Aktionen verwenden Händler Mischkalkulationen: Einige Produkte werden besonders günstig angeboten, während andere Produkte mit höheren Margen dies ausgleichen.

Bauern fürchten um Existenz

Für die Milchbauern bringt der Butter-Preisrutsch aus Sicht von Lidl keine Nachteile, weil diese bei niedrigen Preisen mehr verkaufen würden. Bauernvertreter warnen aber seit einiger Zeit vor einer Senkung der Erzeugerpreise. Von «gefährlichem Preisdumping» im Kampf um die Kunden sprach kürzlich der Deutsche Bauernverband.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter schlug einen Lieferverzicht gegen Ausgleichszahlung für die Bauern vor. Molkereien hätten daran aber kein Interesse und nähmen so in Kauf, dass die Erzeugerpreise deutlich einbrechen. «Letztlich setzt man dabei auf eine Marktbereinigung durch Betriebsaufgaben und eine Schwächung des ländlichen Raums.»

Der hohe Milchfluss in die Molkereien hat verschiedene Ursachen. Aufgrund der Blauzungenkrankheit haben sich die Kalbungen bei Kühen verzögert, was zu einer erhöhten Milchproduktion führt. Laut den Experten der AMI gibt es dieses Jahr auch reichlich gutes Futter für die Tiere. Gute Preise und weniger Schlachtungen von Kühen tragen ebenfalls dazu bei, dass mehr Milch produziert wird.

Einkaufen ist deutlich teurer geworden 

Es dürfte Kunden im Supermarkt erfreuen, dass Butter so günstig ist wie schon lange nicht mehr. In den vergangenen Jahren mussten sie insgesamt immer tiefer in die Taschen greifen, um ihren Lebensmitteleinkauf zu bezahlen. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im Oktober in Deutschland um 37 Prozent im Vergleich zu 2020.

Die Landwirte profitierten jedoch kaum davon, eher die Lebensmittelhändler und -hersteller, wie kürzlich von der Monopolkommission kritisiert, einem Beratungsgremium der Bundesregierung. Etwa 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels werden von Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi kontrolliert, was für die Gutachter eine besorgniserregende Marktkonzentration darstellt.

Sorge über Macht des Handels

Laut dem Gutachten sind die Preise für Milchprodukte im Supermarkt in den letzten Jahren deutlich stärker gestiegen als die Erzeugerpreise. Handelsverbände haben die Kritik zurückgewiesen, dass sie Kostensenkungen nicht an die Kunden weitergegeben haben. Sie wiesen auf gestiegene Kosten für Energie, Personal und Warenbeschaffung hin. Mit der aktuellen Senkung der Butterpreise betonte Lidl, bewusst auf Marge zugunsten der Bauern zu verzichten.

In den vergangenen Jahren gab es bei Butter große Preisschwankungen. Im Sommer 2023 zahlten Kunden für das billigste Päckchen Eigenmarken-Butter in den meisten Geschäften zwischenzeitlich 1,39 Euro. Im Oktober 2024 stieg der Preis auf den Rekordpreis von 2,39 Euro. Seit Februar sinken die Preise wieder.

dpa