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BYD auf Überholspur: China-Automarke mischt die Branche auf

Auf dem chinesischen E-Automarkt gehörte Tesla bislang zu den Platzhirschen. Doch jüngst zog die Marke BYD aus Südchina an den US-Amerikanern vorbei. Warum ist die Marke so erfolgreich?

Ein BYD-Fahrzeug bei der Auto- und Verkehrsmesse IAA in der Messe München im September vergangenen Jahres.
Foto: Uwe Lein/dpa

Als Wang Chuanfu seine kleine Batterie-Firma in Shenzhen gründet, fahren auf Chinas Straßen noch umweltschädliche CO2-Ausstoßer. Fast 30 Jahre später sind immer mehr Elektro-Autos in den Städten unterwegs. Viele von ihnen tragen ein Logo mit drei Buchstaben: BYD.

Die Firma begann zunächst mit der Produktion von Handy-Akkus und hat sich seit 2003 im Autogeschäft etabliert, und ist mittlerweile der größte E-Autohersteller auf dem wichtigsten Fahrzeugmarkt der Welt. Im vierten Quartal 2023 verkaufte Wangs Konzern sogar mehr als 520.000 E-Autos und überholte damit den US-Primus Tesla weltweit. Auf Jahresbasis hatten die US-Amerikaner jedoch immer noch die Nase vorn.

Die Branche war erstaunt über die Nachricht. Im selben Zeitraum verkaufte der US-E-Autopionier unter Elon Musk 484.507 Fahrzeuge an Endkunden. Tesla bleibt weiterhin die Nummer eins bei Elektroautos auf dem heimischen Markt USA, wo BYD nicht vertreten ist und auf hohe Einfuhrzölle stoßen würde.

BYD kommt über Preis

Doch was ist das Geheimnis hinter dem Erfolg von BYD? Die Marke produziert viele Komponenten intern und verkauft ihre Modelle zu günstigen Preisen in verschiedenen Marktsegmenten, wodurch sie eine große Anzahl von Kunden anspricht. Im Gegensatz dazu versuchen Tesla und andere Elektroautohersteller, Kunden im teuren Premium-Segment zu gewinnen. Diese Marken möchten nicht in den mittleren und unteren Marktsegmenten Fuß fassen, da dort ein hoher Preiswettbewerb herrscht, erklärt Branchenexperte Zhong Shi. BYD hingegen hat genau dort begonnen und ist laut dem Analysten die einzige Marke, die diese Segmente vollständig abdecken kann. In China bietet BYD beispielsweise Neuwagen ab etwa 10.000 Euro an.

Ein wichtiger Vorteil sind die Batterien – das teuerste Einzelbauteil in einem E-Auto. Weil die Shenzhener diese selbst herstellen, behalten sie die Kostenkontrolle, denn andere Firmen müssen dafür auf Zulieferer zurückgreifen, wie Zhong erklärt. «BYDs eigene Batterien sind besser als die aller Wettbewerber, die Kosten sind niedriger und die Qualität ist nicht schlecht», sagt er.

Neue Konkurrenz im E-Automarkt

Es gibt auch andere, die versuchen, Batterien selbst herzustellen, aber BYD hat dort einen Wissensvorsprung. Zu den Kunden von BYD-Batterien gehören beispielsweise Tesla und Toyota. Auch die Subventionen von Peking für die Branche haben BYD geholfen, Steuern zu sparen, günstiges Land zu kaufen und billige Arbeitskräfte einzustellen.

Neue Konkurrenten sind Tech-Konzerne. Xiaomi und Huawei bauten über Kooperationen mit anderen Firmen eigene E-Automodelle beziehungsweise im Fall von Huawei eine Marke auf. Laut Branchen-Experte Ferdinand Dudenhöffer könnten heutige Autokonzerne damit zu reinen Autobauern werden, die Fahrzeuge nur noch montieren, während die für das Auto wichtige Software von den Tech-Konzernen kommt. «Es sieht so aus, als würden wir Zeuge der größten Transformation der Branche», erklärte Dudenhöffer.

Deutsche Autobauer fahren hinterher

Europas größter Autobauer Volkswagen spürt auch die Auswirkungen von BYD, der den chinesischen Markt mit günstigen Preisen aufmischt. In China waren die Wolfsburger jahrzehntelang führend. Doch dieses Jahr hat BYD mit seinem schnellen Wachstum die Deutschen überholt, auch weil ihre Elektroautos wie der ID.3 anfangs in China nicht gut ankamen. Als Folge davon musste VW zwischenzeitlich die Preise des ID.3 deutlich senken, um den Verkauf anzukurbeln.

Ursprünglich hatte Konzernchef Oliver Blume geplant, auf große Rabatte zu verzichten, um die Rendite zu fördern. Jedoch entschieden sich die anspruchsvollen chinesischen Käufer vor den Preissenkungen lieber für einheimische Marken, auch weil diese ihnen in Bezug auf die Internetverbindung im Auto mehr boten. Derzeit wird der ID.3 in China für etwa 163.000 Renminbi angeboten, was etwa 20.800 Euro entspricht. In Deutschland beträgt der Preis für das Fahrzeug in der Grundausstattung etwa 40.000 Euro.

Die Chinesen blicken nach Europa

BYD, was übrigens für Build Your Dreams (Erbaue deine Träume) steht, reicht China allein nicht aus. Die Chinesen versuchen schon länger, im Ausland Fuß zu fassen – auch in Deutschland. Das gestaltet sich jedoch nicht einfach. Im zweitgrößten Automarkt Nordamerikas hindern hohe Zölle von 25 Prozent und die Regelungen des Inflation Reduction Acts der US-Regierung die Chinesen daran, den US-Marken Konkurrenz zu machen.

Doch sie machen sich auf den Weg: Vergangene Woche stach die «BYD Explorer No. 1» in See. Das von BYD gecharterte Frachtschiff sollte in Shenzhen Halt machen, um 7000 Autos zu laden und nach Europa zu bringen.

In Deutschland fahren bislang kaum BYD-Autos. Laut Kraftfahrtbundesamt wurden 2023 von Januar bis November 3438 Fahrzeuge von BYD neu zugelassen – bei fast 470.000 reinen Elektroautos insgesamt in diesem Zeitraum. «Ich glaube, Deutschland ist noch kein Hauptmarkt für BYD», sagt Zeng Zhiling von der Shanghaier Beratungsfirma LMC Automotive Market Consulting. Der Fokus liege eher auf Südostasien und Südamerika.

BYD will lokalisieren

Die Anti-Subventionsuntersuchung Brüssels könnte den chinesischen E-Autobauern in der EU das Geschäft verderben. Die Lösung lautet: Lokalisierung. Laut Experte Zhong sollte BYD wie Volkswagen seine Produktion von China nach Europa verlagern. Derzeit errichten die Chinesen eine Fabrik in Ungarn, was den Zugang zum EU-Markt ermöglichen könnte.

Mit BYD könnte also möglicherweise bald auf dem deutschen Markt zu rechnen sein. Laut Zhong haben die Chinesen jedoch noch einige Aufgaben zu erledigen: BYDs Produkte mögen gut sein, aber das Unternehmen besitzt nicht das erforderliche Know-how, um Autos für den internationalen Markt herzustellen. Zhong behauptet, dass der Umgang mit der Marke und die Fähigkeit, eine Verbindung mit einer ausländischen Kultur aufzubauen, schon immer mangelhaft waren.

dpa