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Evonik plant Stellenabbau und Kostenreduzierung

Der Chemiekonzern Evonik plant bis 2026 den Abbau von bis zu 2000 Stellen, um die jährlichen Kosten um 400 Millionen Euro zu senken.

Der Chemiekonzern Evonik will Kosten senken.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Der Chemiekonzern Evonik plant im Rahmen einer Umstrukturierung der Verwaltung viele Arbeitsplätze abzubauen. Bis zu 2000 Stellen sollen gestrichen werden, davon rund 1500 in Deutschland, wie das Unternehmen aus Essen bekannt gab.

Der Stellenabbau soll hauptsächlich durch natürliche Fluktuation, aber auch durch Abfindungsprogramme erfolgen. Die jährlichen Kosten sollen nach Abschluss des Programms Ende 2026 um etwa 400 Millionen Euro niedriger liegen als bisher, erste Auswirkungen wird es bereits 2024 geben. Dank solcher und anderer Einsparungen wollen die Essener den operativen Gewinn 2024 in einem weiterhin schwierigen Umfeld zumindest leicht steigern.

Bis 2032 keine betriebsbedingten Kündigungen

Evonik hatte Ende 2023 weltweit etwa 33.400 Vollzeitstellen, davon rund 20.000 in Deutschland. Am Montag wurde der Verkauf des Geschäfts mit saugfähigen Materialien, wie beispielsweise für Windeln, bekannt gegeben. In diesem Bereich sind etwa 1000 Mitarbeiter tätig, davon 750 in Deutschland. Diese Stellen werden jedoch nicht in den geplanten Stellenabbau einbezogen. Der Konzern bestätigte am Montag sein Versprechen aus dem Jahr 2022, bis 2032 keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.

Das Unternehmen hatte bereits im September angekündigt, die Verwaltung spürbar straffen zu wollen. «Die erste Phase ist jetzt abgeschlossen», hieß es nun am Montag im Zuge der Vorlage der Geschäftszahlen für 2023. Die neue Organisation solle bis Ende 2026 etabliert werden. Die Anzahl der Hierarchieebenen unterhalb des Vorstands werde von zehn auf maximal sechs reduziert, Prüf- und Freigabeverfahren sollen erheblich beschleunigt werden.

Das Vorgehen bei Evonik ähnelt dem des Pharma- und Agrarchemiekonzerns Bayer, der aktuell ebenfalls die Verwaltung verschlankt, um Bürokratie abzubauen. Wie bei Bayer werden auch bei Evonik überproportional viele Führungspositionen von den Streichungen betroffen sein. «Wie der geplante Stellenabbau im Detail sozialverträglich gestaltet wird, werden Vorstand und Mitbestimmung in den kommenden Wochen verhandeln», erklärte Evonik.

IGBCE: Stellenabbau sozialverträglich gestalten

Die angekündigten Strukturveränderungen müssen nach Ansicht der Chemie-Gewerkschaft IGBCE die Leistungsfähigkeit des Konzerns nachhaltig verbessern. «Ein reines Kosteneinsparprogramm würde den Herausforderungen, vor denen das Unternehmen steht, nicht gerecht», erklärte IGBCE-Vorstand Alexander Bercht, der auch stellvertretender Evonik-Aufsichtsratschef ist. 

Es müsse schnell Klarheit für die Beschäftigten geschaffen werden, wie ohne die in Deutschland wegfallenden 1500 Stellen die zuvor geleistete Arbeit weiterhin erledigt werde. «Die Stellenreduzierungen dürfen nicht zu einer Mehrbelastung führen.» Auch müsse der geplante Jobabbau in Deutschland sozialverträglich erfolgen, «vorrangig über natürliche Fluktuation und Angebote an Beschäftigte, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen», so Bercht weiter.

Im Jahr 2023 verzeichnete Evonik einen Umsatzrückgang von 17 Prozent auf knapp 15,3 Milliarden Euro und einen Rückgang des operativen Ergebnisses um ein Drittel auf 1,66 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat nun laut Angaben bereits sieben Quartale ohne spürbare Absatzbelebung hinter sich. Nach einem Überschuss von 540 Millionen Euro im Vorjahr verzeichnet das Unternehmen nun einen Verlust von 465 Millionen Euro. Dieses Minus ist auch auf Wertminderungen für Geschäftsteile zurückzuführen.

Evonik-Chef Christian Kullmann rechnet angesichts des Tagesgeschäfts derzeit nicht mit einer schnellen Erholung. Im Geschäftsbericht heißt es, dass das globale Wachstum erneut hinter den Vorjahren zurückbleiben werde, da hohe Inflation und restriktive Geldpolitik belasten. Daher werde die Nachfrage schwach bleiben.

Kullmann: Europa braucht keinen «braunen Mob»

Bei einem erwarteten Umsatz von 15 bis 17 Milliarden Euro strebt Evonik im Jahr 2024 einen bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro an. Das Konzernergebnis wird laut Finanzchefin Maike Schuh positiv sein.

Die Dividende für 2023 soll bei 1,17 Euro je Aktie stabil bleiben. Die größte Einzelaktionärin mit etwa 53 Prozent der Anteile ist die RAG-Stiftung, die dauerhaft für die Folgekosten aus dem deutschen Steinkohlebergbau verantwortlich ist. Die restlichen Anteile befinden sich im Streubesitz.

Mit Blick auf die Europawahlen bezog Kullmann Stellung gegen Rechtsextremismus. «Ein wirtschaftlich prosperierendes Europa braucht eines nicht: einen braunen Mob in den europäischen Parlamenten und einen braunen Mob, der hier zusätzlich versucht, sich Einfluss zu verschaffen.»

dpa