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Das Autoland Deutschland in Zahlen

«Leitindustrie», «heilig’s Blechle» und «ich geb‘ Gas, ich will Spaß»: Die Beziehung der Deutschen zum Auto und dessen Bedeutung für die Wirtschaft ist legendär. Eine Annäherung in Zahlen.

Der Stammsitz von Volkswagen in Wolfsburg hat die größte Autoproduktion Deutschlands. (Archivbild)
Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Das Auto wird 140 und ist seit langem das wohl wichtigste Produkt der deutschen Industrie. Hunderttausende Menschen arbeiten in der Branche. Doch sie hat schon bessere Tage gesehen. Ein Überblick in Zahlen.

Wie groß ist die deutsche Autoindustrie?

Es hängt davon ab, wie man es betrachtet. Im Jahr 2024 erzielten die drei großen Konzerne Mercedes-Benz, Volkswagen und BMW gemeinsam einen Umsatz von 613 Milliarden Euro, Daimler Truck weitere 54 Milliarden. Insgesamt beschäftigen sie über eine Million Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gibt auch Tausende von Zulieferern. Allerdings findet nur ein Teil der Wertschöpfung tatsächlich in Deutschland statt – besonders bei großen international tätigen Konzernen. Das erklärt, warum die Zahlen, die der Verband der Automobilindustrie (VDA) für die deutsche Autoindustrie insgesamt angibt, niedriger ausfallen. Er verzeichnet für die gesamte Branche in Deutschland Umsätze von 542 Milliarden Euro. Das Statistische Bundesamt zählte zuletzt 721.400 Beschäftigte.

Der Unterschied zeigt sich deutlich in der Autoproduktion. Laut VDA wurden 2025 etwa 4,1 Millionen Autos in Deutschland hergestellt. Trotz der Werke von Tesla, Opel oder Ford entspricht dies nur etwa einem Drittel der Fahrzeuge, die von den drei großen Konzernen auf den Markt gebracht wurden. Deutschland ist jedoch eindeutig ein Auto-Export-Land, da im vergangenen Jahr weniger als 2,9 Millionen Autos neu zugelassen wurden.

Wo werden Autos gebaut?

Zählt man die Teile mit, ist die Antwort fast überall. Doch auch wenn man nur betrachtet, wo fertige Pkw – ohne Nutzfahrzeuge – vom Band rollen, ist die Liste lang und umfasst mehr als die Hälfte der Bundesländer. Das nach Stückzahl größte Werk steht mit mehr als einer halben Million in der VW-Heimat Wolfsburg. Dennoch hat Bayern mit knapp 1,2 Millionen Autos im Jahr 2024 die Nase vorne. Dafür sorgen die drei großen BMW-Werke in München, Regensburg und Dingolfing sowie Audis Stammwerk in Ingolstadt. Dahinter folgen Niedersachsen dank VW mit mehr als 800.000 Pkw und Baden-Württemberg als Heimat von Porsche und Mercedes mit mehr als 640.000.

Sachsen folgt nur knapp dahinter mit mehr als 560.000 Autos im Jahr 2024: In Zwickau und Leipzig werden Fahrzeuge von BMW, Mini, VW, Audi, Cupra und Porsche hergestellt. Die höchste Autoproduktion pro Kopf kann jedoch Bremen auf Rang fünf verzeichnen, das kleine Bundesland produziert dank des großen Mercedes-Werks mehr als 300.000 Autos. Danach folgt voraussichtlich Brandenburg. Für seine Fabrik in Grünheide nennt Tesla zwar keine Produktionszahlen für 2024, aber basierend auf verschiedenen Äußerungen kann man schätzen, dass die Zahl wahrscheinlich zwischen 200.000 und 250.000 lag.

In Nordrhein-Westfalen werden auch Autos von Ford produziert, in Hessen und Thüringen von Opel, jedoch in geringeren Mengen. Die Produktion von Ford im Saarland ist mittlerweile eingestellt.

Hat die Bedeutung der Autoindustrie zu- oder abgenommen?

Die Zahlen sind zuletzt rückläufig. Insbesondere die Anzahl der Arbeitsplätze ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Zuvor gab es jedoch eine lange Wachstumsphase. In Bezug auf die Beschäftigungszahlen befindet man sich mit den neuesten Zahlen wieder auf dem Niveau von 2011. Der Umsatz der Branche liegt weit darüber – auch wenn die Inflation seitdem berücksichtigt wird. In Bezug auf die Gewinne trifft dies für diesen Zeitraum jedoch nicht unbedingt zu.

Wie viele Autos gibt es in Deutschland – und wo?

Zum 1. Oktober 2025 waren in Deutschland fast 49,6 Millionen Pkw zugelassen. Das entspricht mehr als 0,7 pro Volljährigem. Die Anzahl steigt nahezu jedes Jahr: Vor 7 Jahren waren es 47,1 Millionen. 2008 waren es erst 41,2 Millionen. Über die Hälfte davon ist mindestens 10 Jahre alt, 1,5 Millionen sogar mindestens 30 Jahre.

In Wolfsburg gibt es die höchste Pkw-Dichte mit 973 Pkw pro 1.000 Einwohner. Dies liegt größtenteils an Dienstwagen und Eigenzulassungen des VW-Konzerns. Wenn man nur Privat-Pkw betrachtet, sieht die Statistik anders aus: Die höchste Dichte findet sich dann mit 686 Autos pro 1.000 Einwohnern im Zulassungsbezirk Südwestpfalz, gefolgt von Sankt Wendel im Saarland mit 673. Schlusslichter sind Berlin mit 277, Heidelberg mit 307 und Frankfurt am Main mit 318. Es ist kaum überraschend, dass die Fahrzeugdichte auf dem Land viel höher ist als in größeren Städten.

Welche Autos sind das?

Das Lieblingsauto der Deutschen hängt davon ab, wie man die Frage betrachtet: Wenn man sich die neu gekauften Autos ansieht, ist es eindeutig ein SUV. Dieses Segment führt mit einem Drittel aller Neuzulassungen im Jahr 2025 deutlich vor der zweitplatzierten Kompaktklasse. Obwohl die Kompaktklasse in der Vergangenheit lange Zeit der Favorit der Deutschen war, hat sie immer noch mit 11,1 Millionen zu 7,1 Millionen die Nase vorn im Bestand vom 1. Oktober 2025.

Beim Antrieb dominiert Benzin mit knapp 60 Prozent im Bestand, gefolgt von Diesel mit 27 Prozent und Hybriden mit 8 Prozent. Elektroautos haben einen Anteil von etwa 4 Prozent an den deutschen Straßenautos. Jedoch steigt der Anteil von Hybriden und Elektroautos kontinuierlich, da sie in den Neuzulassungen mit deutlich höheren Zahlen vertreten sind.

Mehr als 20 Prozent aller Autos in Deutschland sind von VW, von denen über 10,3 Millionen zugelassen sind. Mercedes hat knapp 4,8 Millionen Fahrzeuge, was fast einem Zehntel entspricht. Opel liegt mit 3,8 Millionen auf dem dritten Platz, knapp vor BMW, Audi und Ford.

Und wie viel fahren die Deutschen mit ihren Autos? 

Im Jahr 2024 wurden insgesamt etwa 594 Milliarden Kilometer zurückgelegt – das entspricht rein rechnerisch etwa 2.000 Mal der Entfernung zur Sonne und zurück. Ein durchschnittlicher Benziner fuhr dabei 9.555 Kilometer, ein durchschnittlicher Diesel 16.984 Kilometer.

dpa