Geschützt unter Folie sind die ersten Erdbeeren der Saison gereift. Bisher zeichnet sich eine gute Ernte ab – doch die Erzeuger kämpfen mit hohen Kosten und müssen hart kalkulieren.
Das Pflücken beginnt – hartes Geschäft mit süßen Früchten

Süß, aromatisch, saftig – frische Erdbeeren aus heimischem Anbau sind bei den Verbrauchern beliebt. Die Ernte der frühen Früchte aus Folientunneln läuft derzeit in verschiedenen deutschen Anbaugebieten an, so dass im Direktverkauf und in Supermärkten wieder Erdbeeren aus deutschen Regionen erhältlich sind.
«Wenn es ein paar Tage Sonne gibt, kann es schnell gehen», sagte Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer in Bruchsal bei Karlsruhe der Deutschen Presse-Agentur. Maßgeblich für die frühe Ernte seien die Tunnel. Sie sicherten den Ertrag und seien auch ein guter Schutz vor Pilzerkrankungen.
Auch auf dem Hof von Maximilian Reuhl in der hessischen Wetterau helfen jetzt und in den nächsten Monaten viele Hände bei der Ernte und der Pflege der Erdbeerpflanzen. Nach einem feuchten und recht milden Jahresbeginn hofft auch Reuhl auf viel Sonne in den kommenden Tagen, damit die Pflanzen kräftig wachsen, die Beeren gut reifen und leuchtend rot und zuckersüß werden.
Geschützter Anbau nimmt zu
Die Fläche des sogenannten geschützten Anbaus in den Folientunneln ist in Deutschland im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2022 laut Angaben des Statistischen Bundesamts um fast sechs Prozent auf etwa 2043 Hektar gewachsen. Im Vergleich zu 2015 betrug das Plus sogar fast 180 Prozent.
Die ertragreiche Anbaufläche im Freiland ist innerhalb eines Jahres um fast 6,5 Prozent geschrumpft und langfristig sogar um ein Drittel (33,3 Prozent) auf etwa 9325 Hektar. Ein Grund dafür ist, dass der Ertrag pro Hektar im geschützten Anbau fast doppelt so hoch ist wie im Freiland. Allerdings ist der Anbau in Folientunneln laut Schumacher auch sehr kostspielig. Ein gutes Management, wie regelmäßiges und rechtzeitiges Lüften, ist ebenfalls wichtig.
Auch Reuhl baut mittlerweile wie viele andere Anbieter Erdbeeren in Folientunneln an, was mehrere Gründe hat: Die Pflanzen können darin besser vor Witterungseinflüssen geschützt werden, und die Tunnel bieten neben dem höheren Ertrag auch bessere Arbeitsbedingungen für die Erntehelfer.
Des Weiteren ist es möglich, darin Nützlinge wie bestimmte Raubmilben einzusetzen, mit denen wiederum Spinnmilben an den Erdbeerpflanzen bekämpft werden. Umweltschützer betrachten Folientunnel kritisch – nicht nur aufgrund der großen Menge an Plastikfolie, sondern auch, da dadurch Tieren und anderen Pflanzenarten Anbauflächen entzogen werden. Zudem wird der Wasserverbrauch und der Einsatz von Dünger für die Erdbeeren kritisiert.
Erste Erdbeeren in den Hofläden
Schumacher geht davon aus, dass die ersten Erdbeeren der Saison in den Hofläden zu finden sind. In Nordrhein-Westfalen entlang des Rheins und in Bayern beginnt die Ernte etwa eine Woche nach Baden und der Pfalz.
Laut der Angaben sei Niedersachsen und Ostdeutschland in der Regel zwei Wochen später dran, der Norden sogar noch eine Woche mehr. Abhängig vom Wetter könne die Saison bis in den Juli hinein dauern. Ab Mai könne man mit Freilandware rechnen, daher planen die Erzeuger, am 24. Mai erstmals den Tag der deutschen Erdbeere zu feiern.
Der Geschmack ist Schumacher zufolge extrem vom Wetter abhängig. Wenn es lange trüb sei, fehle die Süße, erklärte der VSSE-Vorstandssprecher. Sonne sei das Allerwichtigste: «Die bringt die Süße und das Aroma in die Frucht.» Gut sei es auch, wenn die Nächte kalt seien – denn dann werde weniger Zucker abgebaut, erklärte der Fachmann. Nur Frost sei nicht gut.
«Dankbar für den Lebensmittelhandel»
Entsprechend variierten die Preise. Gerade wenn es sonnig sei, hätten die Menschen oft mehr Lust auf Erdbeertorte oder Eis mit Erdbeeren. Hingegen sinken die Preise laut Schumacher oft nach den Feiertagen, wenn die Kühlregale voll seien. «Da sind wir dankbar für den Lebensmittelhandel.» Der helfe dabei, die Ware schnell zu verteilen.
Sonst wird kein Obst so viel über Direktvermarktung verkauft wie Erdbeeren. Die Lohnkosten machen 50 bis 60 Prozent des Preises aus. Sie steigen tendenziell, können aber nicht eins zu eins an die Kundschaft weitergegeben werden. Auch deshalb geht die Anbaufläche zurück, erklärte Schumacher.








