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Datenanalyse: Wirtschaftskrise erfasst zunehmend Mittelstand

Dem Mittelstand macht die Konjunkturschwäche zu schaffen. Der Chef des IT-Dienstleisters Datev sieht gerade bei verarbeitenden Firmen und Kleinstunternehmen Warnsignale. Es gibt aber auch Lichtblicke.

Robert Mayr, Chef des IT-Dienstleisters Datev, sieht Warnsignale im Mittelstand (Archivbild)
Foto: Daniel Karmann/dpa

Die Konjunkturflaute erfasst nach Einschätzung des Nürnberger IT-Dienstleisters Datev zunehmend den deutschen Mittelstand. «Die Wirtschaftskrise trifft insbesondere das verarbeitende Gewerbe», sagte Robert Mayr, Vorstandschef von Datev, das für seinen Mittelstandindex monatlich Millionen von Umsatzsteuerdaten, Lohn- und Gehaltsabrechnungen auswertet. «Im verarbeitenden Gewerbe sind die Umsätze zu Jahresbeginn deutlich gefallen. Preisbereinigt sinken die Umsätze dort schon seit drei Jahren.»

Die Krise belaste besonders Kleinstunternehmen. Während die Beschäftigung im Mittelstand insgesamt stabil sei, habe bei Firmen mit maximal zehn Beschäftigten der Personalabbau begonnen, sagte Mayr der Deutschen Presse-Agentur. «Kleinstunternehmen, die oft stark mit der Region verbunden sind und teils seit Generationen am Standort, halten so lange, wie es geht an ihren Mitarbeitern fest. Wenn sie Beschäftigung abbauen, ist das ein Warnsignal.»

Im Datev-Mittelstandsindex sind Umsatzsteuervoranmeldungen von etwa einer Million Unternehmen sowie Lohn- und Gehaltsabrechnungen von über acht Millionen Beschäftigten enthalten. Dadurch bietet er einen ausführlichen Einblick in Kleinstunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen. Datev ist ein genossenschaftlicher IT-Dienstleister, der sich hauptsächlich auf Steuerberater und Wirtschaftsprüfer spezialisiert hat.

«Je kleiner, desto schwieriger die Lage»

Mayr sagte, dass der gesamte Mittelstand unter Bürokratie und steigenden Kosten leide. Gleichzeitig seien die Löhne im Kampf um Fachkräfte in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Kleinstunternehmen könnten aber Bürokratielasten schwerer schultern und sich oft schlechter gegen Konkurrenz wehren. «Je kleiner, desto schwieriger die Lage», sagte Mayr. «Ein lokaler Einzelhändler, der gerade ein maues Weihnachtsgeschäft erlebt hat, kann mit dem Online-Handel nicht mithalten und ein örtlicher Bäcker nicht mit den Preisen in Supermärkten konkurrieren.» Ein Schreiner oder Bäcker könne auch nicht seinen Standort verlagern, «der ist regional gebunden und gibt irgendwann einfach auf».

Einzelne Lichtblicke

Dennoch zeige der Mittelstandsindex von Datev einzelne positive Entwicklungen. So hätten sich die Gastronomie und das Baugewerbe auf niedrigem Niveau weitgehend stabilisiert. «Dagegen sind die Umsätze und Beschäftigung in staatsnahen Bereichen zuletzt überdurchschnittlich gewachsen.»

Mit Blick auf die Bundestagswahl sieht Mayr an mehrere Stellen Entlastungsbedarf für den Mittelstand. «Viele Unternehmen wünschen sich schnellere Prozesse und mehr Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung.»

dpa