US-Inflationszahlen beeinflussen die Börsen, Zinssenkungsfantasie treibt Kurse weiter nach oben.
Deutscher Aktienmarkt auf Rekordkurs

Die Kauflaune am deutschen Aktienmarkt könnte heute weiter anhalten und dem Dax einen neuen Rekord bringen. Kurz nach dem Xetra-Start lag der deutsche Leitindex um seinen Schlusskurs vom Vortag bei 18.869,77 Punkten. Ein weiterer Höchststand ist in greifbarer Nähe und die Marke von 19.000 Punkten rückt näher.
Die bedeutendsten US-Aktienindizes erreichten am Vortag nach den Inflationszahlen neue Rekordhöhen. Die Inflation in den Vereinigten Staaten hatte sich im April leicht abgeschwächt. Dies ließ die Hoffnung aufkommen, dass die zuletzt unsichere Zinswende in den USA möglicherweise näher rückt. Allerdings hatte Notenbankchef Jerome Powell erst am Dienstag erneut gegensätzliche Signale gesendet.
«Die Zinssenkungsfantasie ist endgültig zurück auf dem Börsenparkett, die Aussicht auf billiges und damit noch mehr Geld treibt die Börsenkurse weiter nach oben», kommentierte der Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. Für den Dax könnten aber die letzten 100 Punkte bis zur nächsten Schallmauer von 19.000 Punkten schwer werden, auch weil das Schwergewicht Siemens eher leisere Töne anschlage mit Blick auf das zukünftige Wachstum, schrieb der Experte. Die Siemens-Aktien sind im Dax schwer gewichtet und verloren am Donnerstag nach dem Quartalsbericht zuletzt 1,7 Prozent.
Der MDax der mittelgroßen Werte stieg um 0,27 Prozent auf 27.525,49 Zähler. Der EuroStoxx 50, das Leitbarometer der Eurozone, notierte knapp im Minus.
Dax-Konzerne in Summe mit schwachem Jahresauftakt
Die großen Unternehmen an der Börse in Deutschland haben insgesamt einen vergleichsweise schwachen Start in das laufende Jahr hingelegt. „Während Banken beflügelt von der Zinswende im ersten Quartal ein deutliches Gewinnplus erzielten, legten etwa Autohersteller nach den Rekordgewinnen aus dem Vorjahr nun schwächere Zahlen vor.“
Zusammenfassend sank der Umsatz der Dax-Konzerne im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,6 Prozent auf etwa 449 Milliarden Euro, wie von dem Beratungsunternehmen EY angegeben. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) der 40 Unternehmen in der ersten deutschen Börsenliga verringerte sich insgesamt um 1,9 Prozent auf knapp 47,3 Milliarden Euro.
«Die schwache weltweite Konjunkturentwicklung hinterlässt zunehmend Spuren in den Bilanzen der Dax-Konzerne», bilanzierte der Vorsitzende der EY-Geschäftsführung, Henrik Ahlers. «Die Industrienachfrage bleibt auf einem niedrigen Niveau. In vielen Branchen sind Überkapazitäten, hohe Kosten und Preiskämpfe zu beobachten.»
Im ersten Quartal mussten 17 Unternehmen einen Rückgang ihres Gewinns verzeichnen, darunter die Autohersteller BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen. 20 Unternehmen verzeichneten einen Anstieg des Gewinns vor Zinsen und Steuern im Vergleich zum Vorjahr. Laut der Auswertung erzielte die Deutsche Telekom den höchsten operativen Gewinn im Deutschen Aktienindex mit rund 5,7 Milliarden Euro.
Für 21 der Unternehmen, deren Zahlen in dieser Kategorie berücksichtigt wurden, sank der Umsatz. Im Vergleich zum ersten Quartal 2023 verzeichneten 16 Unternehmen steigende Erlöse. Die Deutsche Börse verzeichnete das stärkste Umsatzwachstum mit einem Plus von gut 16 Prozent. Die größten Umsatzrückgänge wurden von den Energieversorgern Eon (minus 32,5 Prozent) und RWE (minus 29 Prozent) verzeichnet.








