Die Börse in Paris und Frankfurt leiden unter Europawahl-Ergebnissen, Handelskonflikten und Zinsfantasie. Stabilisierung in Sicht, aber keine Kaufgründe.
Deutscher Aktienmarkt erleidet Kursabschläge, Analysten pessimistisch

Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag erneut deutliche Kursverluste verzeichnet. Der Dax verlor letztendlich 1,44 Prozent auf 18.002,02 Punkte. Somit blieb er knapp über der Marke von 18.000 Punkten, unter die er zeitweise erstmals seit 6 Wochen gefallen war. Der Verlust von 3 Prozent in dieser Woche war der größte seit August des letzten Jahres.
Die Kursentwicklung des MDax mit den mittelgroßen deutschen Unternehmen wies zum Handelsschluss ein Tagesminus von 1,36 Prozent auf 25.719,43 Punkte auf.
«Der Schock über das Ergebnis der Europawahl und die nun anstehenden Neuwahlen in Frankreich sitzt nicht nur an der Börse in Paris, sondern auch in Frankfurt tief», kommentierte Analyst Konstantin Oldenburger vom Handelshaus CMC Markets. Dazu belaste der mögliche Handelskonflikt mit China nach der Androhungen von Strafzöllen auf chinesische Elektrofahrzeuge. «Die nächste Woche dürfte damit ganz im Zeichen des Versuchs einer Stabilisierung stehen, mehr sollte in der aktuellen Situation nicht drin sein.»
Pessimistisch zeigte sich auch Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets: «Aktuell ist die Chance für eine erfolgreiche Vorrunde der deutschen Fußball-Nationalmannschaft höher als für einen positiven Stimmungsumschwung an der Frankfurter Börse», urteilte er mit Verweis auf die am Freitagabend beginnende Europameisterschaft. Auch angesichts der Zurückhaltung der US-Notenbank Fed mit Blick auf Zinssenkungen, der schon wieder erloschenen Zinsfantasie in Europa und der geopolitischen Krisenherde «gibt es derzeit nicht wirklich einen triftigen Grund, Aktien zu kaufen».
Auch andere europäische Handelsplätze spürten am Freitag die Auswirkungen. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss das Wochenende mit einem Rückgang von knapp 2 Prozent ab. In Paris fiel der Index noch stärker, während London mit einem moderaten Minus davonkam. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial gab zum europäischen Börsenschluss leicht nach, während der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 ein knappes Plus verzeichnete.
Eine Welle von Gewinnmitnahmen traf die Aktien von Rheinmetall und anderen deutschen Rüstungswerten. Rheinmetall konnte die Kursverluste von zeitweise 9 Prozent zwar begrenzen und schloss 5,3 Prozent niedriger, blieb jedoch einer der schwächsten Dax-Titel. Hensoldt im MDax und die nicht in einem wichtigen Index gelisteten Renk-Titel verloren am Ende jeweils noch 2,9 Prozent.
Die Thyssenkrupp-Papiere, die sich nach dem gestrigen Fall auf ein Dreieinhalbjahrestief kaum verändert haben, zeigten sich bestenfalls stabilisiert. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters verstärkt der US-Investor Carlyle seine Bemühungen um die Rüstungstochter Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Demnach könnte Carlyle die Mehrheit an TKMS erwerben und die deutsche Staatsbank KfW eine Sperrminorität halten. Thyssenkrupp würde dann nur noch eine Minderheitsbeteiligung behalten.
Der Euro fiel am Devisenmarkt zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Anfang Mai, erholte sich jedoch mit zuletzt 1,0695 Dollar etwas. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor den Referenzkurs auf 1,0686 Dollar festgelegt.
Die Umlaufrendite am Rentenmarkt fiel von 2,61 Prozent am Vortag auf 2,44 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,91 Prozent auf 125,31 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,88 Prozent auf 133,01 Zähler an.








