Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Chatbot-Enthüllung erschüttert Wall Street

Panische Anleger lassen Nvidias Börsenwert um 589 Milliarden Dollar einbrechen. US-Präsident Trump sieht günstigere KI als positiv.

DeepSeek aus China will seine Künstliche Intelligenz sehr günstig entwickelt haben.
Foto: Andy Wong/AP/dpa

Ein Chatbot aus China hat die Wall Street schockiert: Panische Anleger haben den Börsenwert des Chip-Konzerns Nvidia an einem Tag um fast 600 Milliarden Dollar einbrechen lassen.

Der Grund für diese Erkenntnis war, dass Software mit Künstlicher Intelligenz möglicherweise mit viel weniger Rechenleistung – und damit auch Chips von Nvidia – trainiert werden kann als bisher angenommen. Das chinesische Start-up DeepSeek behauptet, sein neues KI-Modell mit Kosten von weniger als sechs Millionen Dollar und auf wenigen abgespeckten Nvidia-Chipsystemen entwickelt zu haben.

Kalte Füße an der Wall Street

Ob das alles exakt so stimmt, weiß man nicht. So wurde in der Branche schon vor Wochen spekuliert, DeepSeek habe möglicherweise Zugriff auf mehr Nvidia-Chips als es angesichts der US-Ausfuhrbeschränkungen zugibt. Doch Investoren, die Nvidias Aktie in Erwartung eines zukünftigen Mega-Geschäfts in den vergangenen Monaten immer höher trieben, bekamen am Montag kalte Füße. US-Präsident Donald Trump sprach von einem Weckruf für amerikanische Unternehmen – und fand es zugleich «positiv», dass KI günstiger zu haben sein könne. 

Die Aktie von Nvidia fiel um fast 17 Prozent und der Börsenwert sank um 589 Milliarden Dollar. Noch nie zuvor hatte ein US-Unternehmen an einem Tag so viel Wert verloren – allerdings war auch keines zuvor so teuer wie Nvidia mit fast 3,5 Billionen Dollar.

Was können die USA mit besseren Chips schaffen?

Aber was bedeutet das alles nun für die Zukunft? Amerikanische Unternehmen haben zuletzt beeindruckende Ankündigungen gemacht, wie viel Geld sie in KI-Infrastruktur investieren wollen. Der Erfinder von ChatGPT, OpenAI, und mehrere Partner haben versprochen, in den nächsten Jahren 500 Milliarden Dollar in Rechenzentren zu investieren. Gründer Mark Zuckerberg von Meta, dem Mutterkonzern von Facebook, hat allein für dieses Jahr 60 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Zeigt DeepSeek nun jedoch, dass man mit deutlich weniger Rechenleistung auskommen wird?

US-Experten wollen es lieber andersherum sehen. Die Frage sei nicht, ob DeepSeek heutige Marktführer in den USA überholen könne, betonte etwa X. Eyeé von der KI-Beratungsfirma Malo Santo. Es gehe viel mehr darum, wie schnell man die Forschungsansätze der Chinesen umsetzen könne. «Wenn DeepSeek das mit alter Hardware entwickeln kann, was können wir dann mit neuerer Hardware schaffen?», fragte sie im US-Sender CNBC.

Zweifel an Kosten von DeepSeek

Die Tech-Industrie werde immer noch «eine Menge Chips brauchen», zeigte sich auch Branchenanalyst Stacy Rasgon überzeugt. «Es ist eindeutig eine Panik heute», betonte er mit Blick auf die Börsenreaktion. Zugleich zweifelte Rasgon die Angaben aus China an: «Sie haben das Modell nicht für fünf Millionen Dollar trainiert, das ist nicht passiert.»

Der Chef der KI-Firma Scale AI, Alexander Wang, sagte bereits vergangene Woche, dass DeepSeek Zugriff auf 50.000 H100-Chipsysteme von Nvidia habe, aber aufgrund von US-Ausfuhrbeschränkungen nicht darüber sprechen könne. Die US-Regierung erlaubt Nvidia, nur Chips nach China zu verkaufen, die weniger leistungsstark sind.

Wer steckt hinter DeepSeek?

Die Firma wurde 2023 vom Hedge-Fonds-Manager Liang Wenfeng gegründet – und hat angeblich ein Paket von Nvidia-Chips gesichert. DeepSeek setzt auf Open-Source-Modelle, bei denen der Quellcode öffentlich einsehbar ist. Die Daten werden auf Servern in China gespeichert. Der chinesischen Regierung nicht genehme Informationen, etwa zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989, werden vom Chatbot unterschlagen. Dass DeepSeek auf Platz eins im US-App-Store für das iPhone aufstieg, hat deswegen angesichts des harten Vorgehens gegen Tiktok eine besondere Ironie.

Nicht nur Nvidia betroffen

Der DeepSeek-Schock hatte auch Auswirkungen auf andere Aktien. Das Papier der Chipfirma Broadcom verlor ebenfalls etwa 17 Prozent. Energieunternehmen wurden noch stärker getroffen, da Investoren seit Monaten auf ein gutes Geschäft mit der Versorgung von Rechenzentren spekuliert hatten. Die Aktie von Constellation Energy fiel um gut ein Fünftel, während der Kurs von Vistra sogar um 28 Prozent einbrach. Die Aussicht auf günstigere KI brachte hingegen den Aktien von Apple und des Facebook-Konzerns Meta ein Kursplus.

dpa