Die Falschgeldzahlen sind erneut sprunghaft gestiegen. Die Bundesbank betont: In der Regel seien Fälschungen leicht zu erkennen. Eine seit Jahren bekannte Masche funktioniert allerdings nach wie vor.
Deutlich mehr Falschgeld – Qualität nicht besser geworden

Der Arbeitsauftrag der Lehrerin wirkt harmlos: Banknoten-Imitationen für einen Videodreh besorgen. Der Vater des Schülers wird schnell im Internet fündig: Spielgeld mit Aufdrucken wie «MovieMoney» oder «Prop copy» sind bei diversen Anbietern zu haben. Doch als das Kind bei einem späteren Klassenausflug einen der Scheine an einem Bahnhofskiosk zum Bezahlen nutzen will, wird das Schulprojekt zum Problem.
«Auch banknotenähnliche Drucksachen, die mit echtem Geld verwechselt werden können, sind illegal», mahnt Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz. Seit Jahren haben als Spielgeld oder Filmrequisite angebotene Scheine auch bei Kriminellen Hochkonjunktur: Geldfälscher machen sich zunutze, dass diese Scheine echt aussehen – zumindest auf den ersten Blick.
In Deutschland sind fast ein Fünftel (17 Prozent) aller sichergestellten Blüten solche mit Aufschriften wie «MovieMoney« und «Prop copy» – vor allem 10- und 20-Euro-Scheine.
Falschgeldzahlen erneut sprunghaft gestiegen
Im letzten Jahr wurde in Deutschland so viel Falschgeld beschlagnahmt wie seit 2017 nicht mehr: 72.413 gefälschte Banknoten wurden von Polizei, Handel und Banken aus dem Verkehr gezogen. Dies entsprach einem Anstieg von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bereits von 2022 auf 2023 hatte es einen ähnlichen Anstieg gegeben.
«Wir verzeichnen einen Anstieg der Falschgeldzahlen sowohl in Deutschland als auch im Euroraum», bilanziert Bundesbank-Vorstand Balz. «Das heißt aber nicht, dass die Fälschungen besser geworden sind: Die meist primitiven Fälschungen sind eindeutig als solche erkennbar.»
In Europa insgesamt erhöhte sich die Zahl der sichergestellten Euro-Blüten im Jahresvergleich um 18,6 Prozent auf 554.000 – auch hier ein Faktor: Spielgeld. Ende Oktober fing Europol bei einer koordinierten Polizeiaktion in 18 europäischen Ländern 174 Pakete mit Falschgeld ab, zumeist «Movie Money» – Nominalwert: 14 Millionen Euro.
Fühlen – Sehen – Kippen: Falsche Euro-Scheine leicht zu erkennen
Im vergangenen Jahr landeten weniger gefälschte 200- und 500-Euro-Scheine im Zahlungsverkehr, was zu einem Rückgang der Schadenssumme durch Falschgeld in Deutschland führte. Trotz gestiegener Falschgeldzahlen sank der Betrag von 5,1 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 4,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr.
«Wenn man sich die Jahre anschaut, sind die Falschgeldzahlen im Vergleich zu den Vorjahren auf höherem Niveau. Insgesamt sind die Zahlen aber nach wie vor moderat», ordnet Balz ein. Die Schadenssumme durch Falschgeld in Deutschland ist jedoch die vierthöchste der vergangenen 20 Jahre. In Europa erhöhte sich der Schaden durch Falschgeld im vergangenen Jahr sogar von 25 Millionen Euro auf 26,2 Millionen Euro.
Bundesbank sieht für den Einzelnen geringes Risiko
Trotz des erneuten Anstiegs von Falschgeld im Umlauf sieht die Bundesbank ein relativ geringes Risiko, eine gefälschte Banknote untergeschoben zu bekommen: Im Jahr 2024 gab es durchschnittlich neun gefälschte Banknoten pro 10.000 Einwohner in Deutschland, europaweit waren es 16 pro 10.000 Einwohner.
Falschgeld wird nicht erstattet. Wer es akzeptiert, trägt den Schaden. Die Bundesbank warnt nachdrücklich davor, die gefälschten Scheine an jemand anderen weiterzugeben, da dies eine Straftat darstellt. Stattdessen sollten die Falschgeldscheine bei der Bundesbank oder der Polizei abgegeben werden.
Vor allem falsche 50-Euro-Scheine
Am meisten gefälscht werden die Banknoten, die im Alltag häufig verwendet werden: 50- und 20-Euro-Scheine. Der Fünfziger war sowohl in Deutschland mit einem Anteil von 40 Prozent als auch in ganz Europa (43,3 Prozent) die am häufigsten gefälschte Euro-Banknote. In Deutschland entfallen zwei Drittel aller gefälschten Banknoten auf Fünfziger und Zwanziger.
Münzfälschungen sind aufgrund des niedrigen Nennwerts für Kriminelle eher uninteressant. Trotzdem wurden im vergangenen Jahr in Deutschland auch viele gefälschte Münzen entdeckt, hauptsächlich Zwei-Euro-Stücke. Insgesamt waren es 141.332 gefälschte Münzen im deutschen Zahlungsverkehr, was einem Anstieg um gut ein Fünftel (22 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Die Bundesbank erklärt den Anstieg damit, dass einige Unternehmen im Laufe der Jahre verdächtige Münzen gesammelt und diese dann gebündelt im Jahr 2024 bei der Bundesbank eingereicht haben.








