Die stille Abwanderung bedroht ein Fünftel der industriellen Wertschöpfung. Dringende Veränderungen sind notwendig für die Zukunftsfähigkeit.
Industrie in Deutschland unter Druck: Wirtschaftsstandort in Gefahr

Laut einer Studie der Strategieberatung Boston Consulting Group und dem Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) steht die Industrie in Deutschland mehr denn je unter Druck. Etwa 20 Prozent der industriellen Wertschöpfung in Deutschland sind gefährdet.
BDI-Präsident Siegfried Russwurm sprach am Dienstag in Berlin von einem «lauten Weckruf» der Industrie für dringend notwendige Veränderungen in Deutschland. «Das Risiko einer De-Industrialisierung durch die stille Abwanderung und Aufgabe gerade vieler Mittelständler nimmt kontinuierlich zu und ist teils schon eingetreten.»
Es sei vor allem die Summe struktureller Probleme, die den Wirtschaftsstandort ausbremse. Schnelle Konjunkturprogramme seien keine Lösung dafür. Bemängelt werden unter anderem hohe Energiepreise, aufwändige bürokratische Berichtspflichten, Defizite im Glasfaserausbau, dem Bildungsniveau und der Verkehrsinfrastruktur. «Politisches Mikromanagement und fehlender marktwirtschaftlicher Reformwillen lähmen die Unternehmen.»
Laut Studie sind bis 2030 private und öffentliche Mehrinvestitionen in Höhe von 1,4 Billionen Euro erforderlich, um auch zukünftig international wettbewerbsfähig zu bleiben. Über zwei Drittel dieser Investitionen entfallen auf private Investitionen, die jedoch größtenteils noch nicht oder nicht ausreichend angereizt sind.
Industriestandort «am Scheideweg»
Russwurm forderte einen «großen Wurf», um Deutschland im internationalen Wettbewerb wieder nach vorne zu bringen und Ziele bei der klimafreundlichen Transformation der Wirtschaft erreichen zu können. Der Industriestandort Deutschland stehe am Scheideweg und vor Jahren der Entscheidung, heißt es in der Studie. Deutschland müsse sich als Industrienation neu erfinden.
Die deutsche Wirtschaft steckt mitten in einer Wachstumsschwäche. Die Bundesregierung arbeitet an der Umsetzung einer «Wachstumsinitiative». Geplant sind zum Beispiel Verbesserungen bei Abschreibungen von Investitionen und bei der Forschungszulage. Außerdem will die Ampel Bürokratie abbauen. Der BDI hält die Pläne aber für nicht ausreichend.








