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Deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr geschrumpft

Rezession und Haushaltskrise: Deutschland hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Ob die Konjunktur im laufenden Jahr wieder deutlich in Schwung kommt, ist zunehmend fraglich.

Krisen, Kriege, Konsumflaute: Die deutsche Wirtschaft steckt im Tief (Symbolbild)
Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Laut dem Statistischen Bundesamt ist die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr in eine Rezession geraten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank laut vorläufigen Daten um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Privatkonsum, der als wichtige Konjunkturstütze gilt, wurde durch die hohe Inflation gebremst. Im Jahr 2022 verzeichnete Europas größte Volkswirtschaft immer noch ein Wachstum von 1,8 Prozent. Laut Volkswirten haben sich die Aussichten für das laufende Jahr verschlechtert. Einige befürchten sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im Jahr 2024.

https://x.com/destatis/status/1746819827916816450?s=20

Gemäß einer ersten Schätzung des Bundesamtes schrumpfte die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2023. Laut Behördenchefin Ruth Brand ging das BIP preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zurück. Diese Informationen wurden während einer Pressekonferenz in Berlin bekanntgegeben.

Im Jahr 2023 war der Privatkonsum keine Konjunkturstütze mehr. Angesichts der deutlich gestiegenen Verbraucherpreise griffen viele Menschen zum Rotstift. Die Inflationsrate betrug nach vorläufigen Daten im Durchschnitt des Jahres 5,9 Prozent. Dies war der zweithöchste Wert seit der Wiedervereinigung, nach einer Teuerungsrate von 6,9 Prozent im Durchschnitt des Jahres 2022. Der Außenhandel trug positiv bei, da die Importe noch stärker sanken als die Exporte. Die Bauinvestitionen sanken innerhalb eines Jahres deutlich.

Konjunkturprognosen für 2024 gesenkt

Viele Wirtschaftsexperten erwarten auch in diesem Jahr keine dauerhafte Erholung in der größten Volkswirtschaft Europas. Eine Vielzahl von Wirtschaftsforschern hat kürzlich ihre Prognosen gesenkt und rechnet nun mit einem Wachstum von teils deutlich unter einem Prozent.

Ein erneuter Rückgang des Bruttoinlandsproduktes wird von einigen Ökonomen nicht ausgeschlossen. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung sieht eine der Hauptursachen dafür in der Schuldenbremse, die wichtige Investitionen in Klimaschutz und Infrastruktur erschwert. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. November zwingt die Ampel-Koalition zum Sparen und begrenzt den finanziellen Spielraum.

Mehr Staatsausgaben als Einnahmen

Nach vorläufigen Daten betrug das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung im vergangenen Jahr gut 82,7 Milliarden Euro, wobei der deutsche Fiskus erneut mehr Geld ausgab als einnahm.

Trotzdem hat Deutschland nach zwei Abweichungen in den Jahren 2020 und 2021 im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr die europäische Verschuldungsregel eingehalten: Gemäß den vorläufigen Berechnungen betrug das Defizit im letzten Jahr 2,0 Prozent in Bezug auf das gesamte Bruttoinlandsprodukt. Im Jahr 2022 waren es 2,5 Prozent.

Der europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt gestattet den EU-Mitgliedstaaten ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent und eine Gesamtverschuldung von höchstens 60 Prozent des nominalen BIP. Aufgrund der kostspieligen Corona-Hilfsprogramme wurden die Regeln vorübergehend außer Kraft gesetzt. Kurz vor Weihnachten haben sich die EU-Finanzminister auf Reformpläne geeinigt: Zukünftig soll die jeweilige Situation der Länder stärker berücksichtigt werden.

dpa