Einer der größten Hersteller von Solarmodulen in Europa will sich aus Deutschland zurückziehen. Die Konkurrenz aus China arbeite mit Dumpingpreisen. Droht erneut das Ende des Solar Valley?
Deutschland: Solarhersteller droht mit Produktionsrückzug

Das Solarunternehmen Meyer Burger warnt davor, dass seine Solarmodulproduktion in Deutschland geschlossen werden könnte, wenn die Bundesregierung nicht schnell handelt. Geschäftsführer Gunter Erfurt sagte, dass der Produktionsstandort in Freiberg mit 500 Arbeitskräften möglicherweise geschlossen werden müsse, aufgrund der Konkurrenz vor allem aus China.
Wegen des sich verschlechternden europäischen Marktumfelds sei die Produktion in der Region in vollem Umfang vorerst nicht weiter tragbar, hieß es. Das Schweizer Unternehmen stellte einen Plan vor, um die «unhaltbaren Verluste» in Europa zu verringern und sich auf die USA zu konzentrieren. Ein Teil des Plans wäre die Schließung des Werkes in Freiberg bereits Anfang April 2024, hieß es.
Endgültige Entscheidung steht noch aus
Meyer Burger besitzt mit der Fabrik in Freiberg nach eigenen Angaben den größten Betrieb für Solarmodulproduktion in Europa. Eine endgültige Entscheidung müsste bis Mitte Februar getroffen werden, betonte das Unternehmen – «sofern keine ausreichenden Maßnahmen zur Herstellung fairer Wettbewerbsbedingungen in Europa, etwa durch Resilienzmaßnahmen, ergriffen werden».
Laut eigenen Angaben führt die Bundesregierung Gespräche mit dem Unternehmen angesichts der drohenden Abwanderung. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Robert Habeck (Grüne), betonte, dass das Ressort sich der schwierigen Lage des Unternehmens und der Solarindustrie in Deutschland sehr bewusst sei. Das Ziel bestehe darin, einen bedeutenden Anteil der Technologien in Deutschland und Europa herzustellen.
Meyer-Burger-Manager Erfurt sagte, es müsse Anpassungen bei der Einspeisevergütung geben. «Wir befinden uns in einem Verteilkampf.» Der Bund müsse daher in diesem Jahr rund 50 Millionen Euro in die Erhöhung der Einspeisevergütung geben. Davon sollten dann Nutzer von Solaranlagen profitieren, die Anlagen aus europäischer Produktion nutzen. Je europäischer ein Produkt sei, desto mehr Boni solle es geben. Dadurch sollen Anreize zum Kauf entsprechender Produkte geschaffen werden. Dies sei kein Konzept des Unternehmens, sondern werde unter anderem vom Bundesverband der Solarwirtschaft gefordert.
Der energiepolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Michael Kruse, schrieb im sozialen Netzwerk X: «Den Strom für die Deutschen noch weiter zu verteuern, indem die sehr üppige Förderung für #PV-Strom noch weiter ausgeweitet wird, ist der falsche Weg.» Die FDP werde dies nicht unterstützen.
Kretschmer fordert Rettungspaket
Der Ministerpräsident von Sachsen, Michael Kretschmer (CDU), verlangte von der Bundesregierung und der Europäischen Union ein Rettungspaket für die Solarindustrie. Die Branche ist von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Stärke und Souveränität Deutschlands und Europas. Vor kurzem hatten Politiker aus Sachsen aller Parteien eine klare Unterstützung der deutschen Solarindustrie durch den Bund gefordert. Sie warnten davor, dass Tausende von Arbeitsplätzen, insbesondere in Ostdeutschland, verloren gehen könnten.
Meyer Burger habe 2023 ein sehr schlechtes Jahr gehabt, das wegen der niedrigen Preise der Konkurrenz völlig neben den Erwartungen gelegen habe, sagte Geschäftsführer Erfurt. Staatliche Subventionen bei der Solarmodulherstellung in China hätten zu einer gravierenden Marktverzerrung geführt. «In Europa werden wir chinesischem Handeln zum Fraß vorgeworfen.» Die Windbranche leide unter dem gleichen Problem. Auch der Autobranche drohe ein ähnliches Schicksal.
Der Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens betonte, dass es jetzt ein entscheidender Zeitpunkt sei. «Es wird eine Entscheidung sein über Wohl und Wehe der gesamten Industrie in den kommenden Jahren.» Erfurt sagte, dass sich die deutsche Politik vor zehn Jahren dazu entschieden habe, das fallen zu lassen. Das habe vor allem in Ostdeutschland Träume und Hoffnungen zerstört.
Weitere Standorte wären nicht betroffen
Im Jahr 2018 meldete Deutschlands einst größter Solarmodulhersteller Solarworld endgültig Insolvenz an und schloss den Standort in Freiberg mit rund 600 Mitarbeitern. Es gab neue Hoffnung, als der Maschinenbauer Meyer Burger in die Modulherstellung einstieg und eine neue Produktion in den früheren Solarworld-Hallen startete.
Bei einer Verlagerung der Produktion in die USA würden weitere Standorte des Unternehmens in Deutschland jedoch nicht betroffen sein, betonte der Geschäftsführer. Die Zellproduktion in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) und der Forschungsstandort in Hohenstein-Ernstthal (Sachsen) seien von dieser Verlagerung ausgenommen. Diese Standorte seien unter anderem für den Hochlauf der Modulproduktion in den USA erforderlich.








