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Die wichtigsten Fragen zur Straße von Hormus

Nach der Waffenruhe zwischen Iran und den USA bleibt die Situation in der Straße von Hormus angespannt. Der Iran verlangt Maut von Schiffen und könnte die Passage militärisch sichern, was weitreichende Folgen für den globalen Handel hat.

Die wichtigsten Fragen zur Straße von Hormus
KI-generiert

Nach der Waffenruhe: Situation in der Straße von Hormus bleibt angespannt

Teheran

Am 9. April 2026 um 17:02 Uhr wurde eine fragile Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA verkündet, doch die Lage in der Straße von Hormus bleibt angespannt. Der Iran plant, von einigen kommerziellen Schiffen eine Maut zu erheben. Die Fragen, die sich hieraus ergeben, sind: Ist dies rechtlich zulässig und wird die Bundeswehr künftig die Passage militärisch absichern?

Aktuelle Schiffsbewegungen in der Straße von Hormus

Berichten zufolge haben seit Inkrafttreten der Waffenruhe nur wenige Schiffe die Straße von Hormus passiert. Die Mehrheit der Reedereien wartet weiterhin auf eine Verbesserung der Sicherheitslage. Verbände raten von einer nicht abgesprochenen Durchfahrt ab, was erhebliche Auswirkungen auf den internationalen Handel hat. Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean und ist eine wichtige Handelsroute für die großen Ölförderländer der Region. Laut der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wurden im Jahr 2023 fast 30 Prozent des weltweit transportierten Öls über diese Route verschifft. Alternative Routen, wie Pipelines durch Saudi-Arabien, sind nicht in der Lage, einen längeren Ausfall der Seeroute zu kompensieren.

Rechtliche Aspekte der iranischen Mautforderung

Nach Informationen des Fachmediums „Lloyd’s List“ hat der Iran ein Mautsystem in der Straße von Hormus eingeführt. Schiffe müssen Dokumente vorlegen, Freigabecodes einholen und eine von den Revolutionsgarden begleitete Durchfahrt durch einen kontrollierten Korridor akzeptieren. Experten sind sich einig, dass dieses Vorgehen völkerrechtlich nicht gedeckt ist. Nele Matz-Lück, Seerechtsexpertin an der Universität Kiel, betont, dass der Iran verpflichtet ist, die Durchfahrt für die zivile Schifffahrt gebührenfrei zu gewährleisten. Auch Valentin Schatz von der Universität Lüneburg sieht das so.

Internationale Gewässer und rechtliche Herausforderungen

Schatz erklärt, dass der zentrale Teil der Straße von Hormus als internationales Gewässer behandelt werden muss. Selbst der küstennahe Abschnitt, über den der Iran Souveränität hat, darf rechtlich befahren werden. Es bleibt jedoch fraglich, ob sich das Recht auf freie Fahrt gerichtlich durchsetzen lässt, da der Iran nicht an den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg und den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gebunden ist.

Bewertung der Lage durch Reedereien

Deutsche Reedereien beobachten die Situation aufmerksam und warten darauf, ihre Schiffe in Sicherheit zu bringen. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) berichtet, dass mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien im Persischen Golf feststecken. Insgesamt sind es laut VDR mehr als 2000 Schiffe. Die betroffenen Unternehmen geben keine Einzelheiten bekannt und verweisen auf die unsichere Lage.

Risiken einer Passage ohne Absprache

Die Revolutionsgarden, die Eliteeinheit des Iran, haben die Kontrolle über die Meerenge übernommen. An ihrer engsten Stelle ist die Straße von Hormus nur etwa 33 Kilometer breit, während die eigentlichen Schifffahrtsrouten nur wenige Kilometer in jede Richtung umfassen. Aufgrund der Enge können bereits begrenzte militärische Aktionen oder Drohungen den Schiffsverkehr erheblich beeinträchtigen, was zu steigenden Versicherungsprämien und höheren Energiepreisen weltweit führen kann.

Zu Beginn des Konflikts wurden Öltanker und Frachtschiffe mit Kamikazedrohnen, Marschflugkörpern und Sprengbooten angegriffen. Nach iranischen Angaben richteten sich diese Angriffe vor allem gegen Reedereien aus den USA und Israel. Schiffe, die ohne Koordination mit Teheran die Passage durchfahren, riskieren Angriffe.

Warnungen vor Seeminen und zukünftige Entwicklungen

Die Revolutionsgarden haben kürzlich vor Seeminen in der Straße von Hormus gewarnt. Am späten Mittwochabend wurde eine Karte veröffentlicht, die eine Gefahrenzone in den üblichen Schifffahrtswegen zeigt. Vor dem Hintergrund der Kriegslage im Persischen Golf wird Schiffen geraten, eine nördlichere Route zu wählen, um möglichen Kontakt mit Seeminen zu vermeiden.

Ob tatsächlich Minen in den engen Korridoren liegen, ist unklar. Die USA hatten im Krieg nach eigenen Angaben einen Großteil der iranischen Marine zerstört, während die Revolutionsgarden über eine Vielzahl kleiner, schneller Boote verfügen, die für solche Einsätze geeignet sind und in gut versteckten Küstenstützpunkten stationiert sein sollen.

Ausblick auf die zukünftige Situation

Eine nachhaltige Entspannung der Lage hängt von einem dauerhaften Frieden in der Region ab. Am Freitag wollen Vertreter aus Washington und Teheran in Islamabad darüber sprechen. US-Präsident Donald Trump sieht die Blockade zunehmend auch als innenpolitisches Problem und könnte sich eine Zusammenarbeit mit dem Iran vorstellen. Er äußerte, dass die Sicherung der Straße von Hormus als gemeinsames Projekt organisiert werden könnte, um die Route auch vor anderen Akteuren zu schützen. Details hierzu wurden jedoch nicht genannt.

Unklar bleibt, ob sich auch EU-Länder künftig an Marinemissionen vor der iranischen Küste beteiligen werden. Trump hatte die NATO-Verbündeten aufgefordert, die USA bei der Sicherung der Straße von Hormus zu unterstützen, doch diese hielten sich zuletzt mit Zusagen zurück. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte am Mittwoch, Deutschland werde in geeigneter Weise zur Gewährleistung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus beitragen, was jedoch noch unklar bleibt.

Bildquelle: ai-generated-gemini

Ronny Winkler