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Dieselüberraschung: Tanker ändern plötzlich ihre Route nach Afrika anstatt Europa zu beliefern.

Mehrere Tanker, darunter die „Elka Delphi“, ändern auf dem Weg nach Europa abrupt ihren Kurs und steuern nun afrikanische Häfen an. Diese Umleitungen deuten auf hohe Kaufangebote aus Asien hin, die die Lieferungen nach Europa gefährden.

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Diesellieferungen umgelenkt: Tanker auf dem Weg nach Europa drehen plötzlich ab
Calistemon via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Deutschland und Europa sind nicht nur auf den Import von Rohöl angewiesen, sondern auch auf die Einfuhr von fertig raffiniertem Diesel. Die Situation hat sich durch den Iran-Krieg erheblich verschärft, da wichtige Exporteure ausfallen. In diesem Kontext werden nun ganze Schiffsladungen des letzten verbliebenen Lieferanten vor den Augen Europas umgeleitet.

Der Tanker „Elka Delphi“ hatte auf seiner Route von New Orleans nach Amsterdam bereits einen Großteil der Strecke zurückgelegt. Er sollte mehrere Hunderttausend Fass Diesel aus US-amerikanischen Raffinerien nach Europa transportieren. Doch nordwestlich von Spanien änderte das Schiff vor wenigen Tagen abrupt seinen Kurs und meldete über das automatische Schiffsidentifikationssystem AIS den Hafen von Durban in Südafrika als neues Ziel.

Wie Berichte zeigen, ist die „Elka Delphi“ kein Einzelfall. Innerhalb weniger Tage haben mindestens vier Tanker mit insgesamt 1,2 Millionen Fass (etwa 190 Millionen Liter) Diesel ihren Kurs von den USA nach Europa geändert. Auch von einem Flüssiggastanker wird berichtet, der mit einer für Europa bestimmten Ladung auf dem Atlantik umgeleitet wurde. Die afrikanischen Häfen, die diese Schiffe nun ansteuern, scheinen nur Zwischenstationen zu sein, um den Treibstoff nach Asien zu bringen, wo viele Länder aufgrund des Öl- und Gasschocks infolge des Iran-Kriegs noch stärker betroffen sind als Europa. Käufer in Asien haben offenbar so hohe Preise geboten, dass die ursprünglichen Besitzer der Diesellieferungen ihre Ladung unterwegs verkauft und umgeleitet haben.

Änderungen in den Handelsbeziehungen

Anders als beim Benzin decken Deutschland und Europa einen erheblichen Teil ihres Dieselbedarfs durch Importe von fertig raffiniertem Treibstoff und vom Vorprodukt Gasoil. Diese Lieferungen stammen größtenteils aus den USA, der Golfregion und asiatischen Ländern wie Indien. Der Iran-Krieg hat jedoch diese Handelsbeziehungen erheblich durcheinandergebracht. Die Diesellieferungen von Raffinerien in den Golfstaaten sind aufgrund der Blockade der Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gekommen. Asiatische Raffinerien, die zuvor Diesel nach Europa exportierten, haben nun selbst einen Mangel an Rohöl aus dem Golf für die Produktion.

Asiatische Länder im Dieselbedarf

Indien und andere asiatische Länder müssen nun dringend Diesel importieren, anstatt ihn nach Europa zu liefern. In normalen Zeiten liegt der Großhandelspreis für Diesel und Gasoil in Asien unter dem in Europa. Aktuell kostet eine Tonne Gasoil an der Leitbörse in Singapur jedoch rund 230 Dollar mehr als an der europäischen Terminbörse ICE. Solche Preisunterschiede machen es offensichtlich attraktiv, den langen Transportweg aus dem Golf von Mexiko über den Atlantik und rund um Afrika nach Asien auf sich zu nehmen, obwohl die Frachtraten für Tanker seit Kriegsbeginn stark gestiegen sind, da ein erheblicher Teil der weltweiten Tankerflotte im Persischen Golf praktisch eingeschlossen ist.

Warnungen der Mineralölindustrie

Die Vorfälle mit den umgelenkten Tankern verdeutlichen, dass Europa bei der Dieselversorgung vor mehreren Herausforderungen steht. Der Iran-Krieg hat nicht nur den Rohstoff Erdöl stark verteuert, sondern auch die Lieferungen von Gasoil und Diesel selbst beeinträchtigt. Zudem werden nun auch ganze Schiffsladungen des verbleibenden Hauptlieferanten vor den Augen Europas umgeleitet.

Die Mineralölindustrie hat bereits in der vergangenen Woche gewarnt, dass die Versorgungslage insbesondere beim Diesel angespannt ist. Aktuell drohen keine physischen Lieferengpässe bei Benzin, Diesel oder Heizöl. „Die globale Versorgung ist jedoch aufgrund des Nahostkonflikts bereits deutlich komplizierter geworden“, erklärte ein Sprecher des Branchenverbands Fuels und Energie. Besonders bei Diesel wird das Angebot zunehmend knapper.

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Bildquelle: Calistemon via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

TS