Deutschland plant eine Verdopplung der Rechenzentrums-Kapazitäten bis 2030, doch der Großteil der neuen Projekte stammt von US-Tech-Konzernen. Eine aktuelle Auswertung zeigt die Herausforderungen und Chancen für die digitale Souveränität des Landes.
Digitalisierung in Deutschland: Herausforderungen beim Ausbau neuer Rechenzentren

Stand: 28.08.2026 • 06:00 Uhr
Um die digitale Souveränität zu erhöhen, plant Deutschland den Bau zahlreicher neuer Rechenzentren. Eine Analyse zeigt jedoch, dass viele dieser Projekte von Unternehmen aus den USA initiiert werden. Diese Erkenntnisse stammen aus einer umfassenden Auswertung von Recherchen des Norddeutschen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung.
Chronologischer Ablauf der Entwicklungen
Am 12. März 2026 fand der Spatenstich für Rechenzentren eines großen US-Technologiekonzerns in Nordrhein-Westfalen statt. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger erklärte:
“Heute setzen wir den Grundstein für eine neue Quelle der Kraft, nämlich für Rechenpower.”
Sechs Tage später wurde die nationale Rechenzentrumsstrategie veröffentlicht, die darauf abzielt, die Kapazität der Rechenzentren in Deutschland bis 2030 zu verdoppeln.
Die Rolle von Rechenzentren in der digitalen Infrastruktur
Rechenzentren sind entscheidend für die Speicherung von Daten, die Nutzung von Cloud-Diensten und das Training von Künstlicher Intelligenz (KI). Sie sind in nahezu jeden digitalen Prozess eingebunden. Bislang gibt es jedoch keinen umfassenden Überblick darüber, wo genau neue Rechenzentren errichtet werden sollen.
Die Untersuchung umreißt 99 neue Rechenzentrumsprojekte in Deutschland, von denen 41 bereits in der Bauphase sind. Erschreckend ist, dass mehr als ein Drittel dieser Initiativen von Unternehmen außerhalb der Europäischen Union geplant wird, wobei US-amerikanische Technologiefirmen die größte Gruppe darstellen. Zudem wird ein Viertel der Projekte in wasserarmen Regionen realisiert.
Größenordnung des Rechenzentren-Baus
Die künftigen Rechenzentren zeichnen sich durch enorme Kapazitäten aus. Während bisherige Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von 5 bis 10 Megawatt als groß galten, streben neue Projekte Leistungen von 200 bis 500 Megawatt an – in einigen Fällen sogar über ein Gigawatt.
Die steigende Nachfrage nach Rechenleistung, insbesondere für KI-Anwendungen, bringt einen enormen Ressourcenverbrauch mit sich. Der Bericht zeigt, dass 36 der neuen Rechenzentren von Unternehmen außerhalb der EU betrieben werden sollen, wobei zwei Drittel aus den USA stammen.
Die Bedenken der Experten
Ralph Hintemann vom Borderstep Institut, der die Bundesregierung bei der nationalen Rechenzentrumsstrategie berät, warnt davor, dass Deutschland sich nicht von großen internationalen Konzernen abhängig machen sollte. Er betont die Bedeutung europäischer und deutscher Unternehmen, die in der Lage sind, im Wettbewerb standzuhalten.
Unternehmen wie Amazon, Google und Microsoft sowie weniger bekannte Anbieter wie EdgeConnex sind für viele der neuen Projekte verantwortlich. Diese entstehen unter anderem in Nordrhein-Westfalen, im Raum Berlin und in der Nähe des bedeutendsten Internetknotens DE-CIX bei Frankfurt.
Die Situation im ländlichen Raum
Im ländlichen Raum, wo Gewerbeflächen günstig sind, sind ebenfalls neue Rechenzentren in Planung. In Schuby, einer Gemeinde in Schleswig-Holstein mit etwa 2.400 Einwohnern, könnte bald ein großes Rechenzentrum mit einer Kapazität von mehreren Hundert Megawatt entstehen. Bürgermeisterin Petra Schulze beschreibt die Situation als
“Goldgräberstimmung”
, da zahlreiche Investoren Interesse gezeigt haben.
Schulze steht jedoch vor Herausforderungen bei der Verhandlung mit multinationalen Konzernen und fragt sich, wie die Gemeinde ihre Interessen wahren kann. Unklar bleibt, wie sich die geplanten Rechenzentren auf Naturschutz und Wasserressourcen auswirken werden.
Wasserknappheit und Nachhaltigkeit
Eine Analyse von NDR und SZ hat gezeigt, dass rund ein Viertel der zukünftigen Rechenzentren in Regionen entstehen, die unter Wasserknappheit leiden. Marina Köhn vom Umweltbundesamt mahnt zur Vorsicht:
“Auch Kommunen ohne Wasserstress sollten die Wasserkonzepte zukünftiger Rechenzentren genau unter die Lupe nehmen.”
Sie hebt hervor, dass Rechenzentren oft lange bestehen und sich die klimatischen Bedingungen schnell ändern können.
In den USA sind bereits riesige Rechenzentren im Einsatz, die viel Wasser für Kühltechniken verbrauchen. Diese Technik, bei der Wasser versprüht wird, um die Server zu kühlen, kann langfristige Umweltauswirkungen haben. Alternativen wie geschlossene Kühlkreisläufe oder natürliche Kältemittel könnten umweltfreundlicher sein.
Kommunale Strategien und Herausforderungen
Die meisten Kommunen geben keine Auskunft über die geplanten Kühltechniken der Rechenzentren, und nur wenige haben nachhaltige Konzepte entwickelt. Das Digitalministerium betont, dass die Verfügbarkeit von Wasser bei der Genehmigung von Rechenzentren immer wichtiger wird und dass an einem Nachhaltigkeitslabel auf EU-Ebene gearbeitet wird.
Die Digitalisierung in Deutschland steht vor der Herausforderung, nicht nur die nötige Infrastruktur zu schaffen, sondern auch ökologische und soziale Aspekte zu berücksichtigen, um eine nachhaltige digitale Zukunft zu gewährleisten.
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Quellen: tagesschau
Bildquelle: Brett Sayles auf Pexels
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.








