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DIHK-Umfrage: Deutsche Konjunktur kommt nicht in Schwung

Redet die Wirtschaft die Lage in Deutschland schlecht? Die DIHK verweist auf Fakten und sagt: Schönreden hilft auch nicht.

Nur knapp drei von zehn Unternehmen bewerten laut Umfrage die aktuelle Geschäftslage als gut.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Unternehmen in Deutschland erwarten keine baldige kräftige Erholung der Wirtschaft. «Die Konjunktur schmiert nicht ab, aber nach oben geht es auch nicht», sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Martin Wansleben, in Berlin bei der Vorstellung einer neuen Konjunkturumfrage.

Geschäftslage bleibt getrübt

Laut einer Umfrage bewerten nur noch knapp drei von zehn Unternehmen die aktuelle Geschäftslage als gut, ein Viertel hingegen als schlecht. Die DIHK wies erneut auf strukturelle Probleme hin: Hohe Energie- und Personalkosten, Fachkräftemangel und eine überbordende Bürokratie belasten die Betriebe. Hinzu kommt eine im internationalen Vergleich hohe Steuerlast.

Zwar hellen sich der Umfrage zufolge die Geschäftserwartungen der Firmen auf – es überwiegen aber weiterhin die pessimistischen Einschätzungen. «Die Hoffnung der letzten Monate, dass ein gutes Auslandsgeschäft oder eine wieder anziehende Inlandsnachfrage als Motor der heimischen Unternehmen wirken könnten, hat sich nicht bestätigt», sagte Wansleben.

Laut Umfrage plant nur ein Viertel der Unternehmen mit erhöhten Investitionen. Wansleben sprach von „alarmierenden Anzeichen einer schrittweisen Deindustrialisierung“. Die DIHK sagt für dieses Jahr höchstens eine Stagnation des Wirtschaftswachstums voraus. Sowohl die Bundesregierung als auch Wirtschaftsinstitute erwarten nur ein Mini-Wachstum.

Lage in einzelnen Branchen

Die Situation in der Industrie hat sich seit Jahresbeginn 2024 weiter verschlechtert. „Neuaufträge verharren auf niedrigem Niveau, während die Kosten für Energie und Rohstoffe, Vorleistungen, Kredite oder Löhne hoch geblieben oder gestiegen sind“, so die DIHK. Die Zurückhaltung beim Konsum belastet das Geschäft der Verbrauchsgüterproduzenten. Auch der Handel spürt eine gedämpfte Nachfrage. Im Baugewerbe hingegen entspannt sich die Geschäftslage leicht, da die Preise für Baumaterialien gesunken sind.

«Schönreden hilft nicht»

Zwischen den Spitzenverbänden der Wirtschaft und Kanzler Olaf Scholz (SPD) gibt es Unstimmigkeiten. Der Kanzler wirft der Wirtschaft vor, die Situation schlechtzureden – er verweist auf eine sinkende Inflation, sinkende Energiekosten, eine hohe Beschäftigung sowie Fortschritte zum Beispiel beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Wansleben sagte: «Schönreden hilft auch nicht.» Die Bundesregierung müsse nun handeln, dies müsse bei den Verhandlungen über den Haushalt 2025 sichtbar werden. «Der Spirit muss gedreht werden.»

Die DIHK fordert konkret vor allem steuerliche Entlastungen, um Anreize für Investitionen zu schaffen. Zudem soll die Bürokratie reduziert und der Soli vollständig abgeschafft werden. Die FDP strebt Letzteres an, doch dies ist innerhalb der Koalition umstritten.

Der FDP-Wirtschaftspolitiker Reinhard Houben sagte: «Stagnation kann nicht der Anspruch der deutschen Wirtschaft sein. Die Bundesregierung muss die Weichen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit stellen.» Ein Baustein sei Bürokratieabbau. Houben wies zudem auf die Bedeutung hin, die Neuverschuldung zu begrenzen.

Warnung vor Handelsstreit

Eine Eskalation des Handelsstreits mit China könnte negative Auswirkungen haben. US-Präsident Joe Biden hat 100-prozentige Sonderzölle auf Elektroautoimporte aus China verhängt. China könnte darauf mit Gegenmaßnahmen reagieren. Die EU prüft derzeit, ob der Markt für E-Autos durch China verzerrt wird. Es steht noch aus, ob die EU Strafzölle einführt.

Wansleben sagte mit Blick auf die Bedeutung der deutschen Exportwirtschaft, aus deutscher Perspektive würden Zölle keine Gewinner kennen. Politisch brächen die Dämme, dies sei «brandgefährlich». Deutschland würde die Zeche zahlen.

dpa