Höhere Zinsen, gestiegene Kosten: Bauherren haben schwierige Zeiten hinter sich. Nun soll es am Bau wieder aufwärtsgehen, dank Milliarden-Staatsausgaben. Wirtschaftsforscher sehen aber ein Risiko.
DIW erwartet Wende am Bau – Hoffnung für Wohnungssuchende

Laut einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) steht die deutsche Baubranche vor einer Trendwende, was auch den stockenden Wohnungsbau betrifft. Dies ist einer der Gründe für die steigenden Mieten in Städten. Die Studie liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.
Demnach wird das Bauvolumen in Deutschland im Jahr 2026 nach fünf Jahren erstmals wieder preisbereinigt um 1,7 Prozent wachsen. Im Jahr 2027 soll es dann um 3,4 Prozent steigen. Der öffentliche Bau profitiert vor allem von staatlichen Milliardenausgaben für Straßen und Brücken, während der Bau von Büros und Fabriken in der Wirtschaftskrise schwächelt.
Lichtblick für angespannte Wohnungsmärkte
«Die Talsohle der Baukonjunktur scheint durchschritten», schreibt Studienautorin Laura Pagenhardt. Vor allem die Stabilisierung der Baupreise und Zinsen, aber auch die Investitionen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität trieben die Erholung an. So erwartet das DIW, dass das Bauvolumen im öffentlichen Tiefbau dieses Jahr um fast ein Zehntel wächst.
Auch der Wohnungsbau erholt sich nach Jahren der Krise wieder. Das DIW prognostiziert für 2026 ein Plus von 2,4 Prozent und für 2027 einen kräftigen Anstieg des Bauvolumens um 6,1 Prozent. Unter Bauvolumen sind sowohl Bauinvestitionen als auch Reparaturen gemeint.
Nach einem starken Zins- und Kostenanstieg infolge des Ukraine-Kriegs geriet die Baubranche in eine Krise. Private Bauherren konnten sich die eigenen vier Wände nicht mehr leisten, Investoren legten Pläne auf Eis. Dadurch erhöhte sich der Druck auf die Wohnungsmärkte, insbesondere in Städten, wo die Mieten Ende 2025 um gut vier Prozent stiegen – doppelt so stark wie die Inflation. Durch verstärkten Bau finden die Menschen tendenziell leichter Wohnungen.
Die Krise in der Baubranche, die durch das Ende des Immobilienbooms im Jahr 2022 verursacht wurde, trägt zur wirtschaftlichen Flaute in Deutschland bei. Eine Erholung im Baugewerbe würde daher die Konjunktur ankurbeln. Laut DIW wird das Bauvolumen im Jahr 2027 voraussichtlich erstmals über 600 Milliarden Euro liegen und somit fast ein Achtel der Wirtschaftsleistung in Deutschland ausmachen.
Risiko steigender Preise
Jedoch sieht das DIW das Risiko, dass die staatlichen Fördermilliarden zu «unangemessenen Preisanstiegen» am Bau führen. «Sollten durch die vielen Investitionen die sehr spezialisierten Baufirmen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, könnte dies den Preisauftrieb erneut befeuern – und die Dynamik bremsen», sagt Studienautor Martin Gornig. Damit die öffentlichen Investitionen nicht mit steigenden Preisen verpufften, müsse die zuletzt gesunkene Produktivität in der Bauwirtschaft dringend steigen, etwa über Initiativen von Politik und Unternehmen. Er plädiert für eine Taskforce zur Koordination der öffentlichen Investitionen.








