Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Drei Aurubis-Vorstände müssen Kupferhersteller verlassen

Ein tödlicher Stickstoff-Unfall, eine Diebstahlsserie und ein lange verborgener Betrug: Für das Metallunternehmen Aurubis war das Geschäftsjahr 2022/23 ein «annus horribilis» – mit Folgen nun auch für die Chefetage.

Beim Hamburger Metallunternehmen Aurubis müssen drei Vorstände vorzeitig gehen.
Foto: Marcus Brandt/dpa

Nach lange unentdeckten Millionenschäden durch Betrug und Diebstahl bei der Hamburger Aurubis AG müssen Vorstandschef Roland Harings und zwei weitere Vorstände das Unternehmen vorzeitig verlassen. Das gab der Kupfer- und Recyclingspezialist am Dienstag nach einer Sitzung des Aufsichtsrates bekannt. «Die drei Vorstandsmitglieder tragen damit den besonderen Herausforderungen der Aurubis im abgelaufenen Geschäftsjahr Rechnung, insbesondere mit Blick auf die schwerwiegenden Betrugs- und Diebstahlsfälle im Werk Hamburg und Vorkommnisse im Bereich der Arbeitssicherheit.» Im vorigen Jahr waren drei Mitarbeiter bei einem Stickstoff-Austritt bei Aurubis ums Leben gekommen.

Die Fälle von Diebstahl und Betrug waren lange unentdeckt geblieben. Das hatte bei den Mitgliedern des Kontrollgremiums Zweifel am Risikomanagement der Unternehmensführung geweckt. Eine Anwaltskanzlei hatte im Auftrag des Aufsichtsrates daraufhin die Verantwortung des Vorstands im Zusammenhang mit den Straftaten untersucht. Harings, dessen Vertrag eigentlich bis Mitte 2027 lief, hatte sich Mitte Dezember noch zuversichtlich gezeigt, «dass die Untersuchungen ergeben, dass wir hier mit allen Sorgfaltspflichten und mit aller Verantwortung das Unternehmen geführt haben». Nun verlässt der 60 Jahre alte Manager Aurubis schon Ende September.

Produktionsvorstand Heiko Arnold verlässt das Unternehmen bereits zum 29. Februar, während Finanzvorstand Rainer Verhoeven seinen Posten zum 30. Juni aufgibt. Einzig die erst Anfang 2023 bestellte Vorständin Inge Hofkens (53), die für das aufstrebende Recyclinggeschäft zuständig ist, behält ihr Vorstandsmandat.

Aurubis wurde mehrmals von Kriminellen angegriffen. Zusammenfassend berichtete das Unternehmen im Dezember bei der Vorstellung der Jahresergebnisse für 2022/23 (30. September) von einem Metallmangel im Wert von 169 Millionen Euro. Das vergangene Geschäftsjahr wurde außerdem von einem tödlichen Chemieunfall überschattet. Dabei trat Stickstoff aus, und drei Männer im Alter von 24, 49 und 53 Jahren starben infolgedessen.

Das Unternehmen wurde durch einen umfangreichen Betrug finanziell stark geschädigt. Der Betrug wurde bei regelmäßigen Überprüfungen des Metallbestands entdeckt. Dabei wurden erhebliche Abweichungen vom erwarteten Bestand sowie Unterschiede bei speziellen Proben bestimmter Recycling-Lieferungen festgestellt. Aurubis vermutet, dass manipulierte Proben mit hohen Gehalten an wertvollen Metallen abgegeben wurden, die tatsächlichen Lieferungen jedoch deutlich weniger wertvolle Metalle enthielten. Dadurch wurden letztendlich überhöhte Rechnungen bezahlt.

dpa