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Prämie hebt Interesse an E-Autos stark und sorgt für Kritik

Das Förderprogramm für Stromer zeigt erste Wirkung: Das Interesse ist groß. Branchenexperte Dudenhöffer spricht dennoch von einer «Vergeudung von Steuergeldern», die den falschen nützen könnte.

Ferdinand Dudenhöffer sieht die neue Elektroautoprämie kritisch. (Archivbild)
Foto: Johannes Neudecker/dpa

Die Ankündigung der neuen Förderung für Elektroautos hat das Kundeninteresse bereits kurz danach stark erhöht. Meinauto.de und Carwow sowie der Präsident des Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Thomas Peckruhn, bestätigen dies auf Anfrage der dpa. Die Anzahl der Anfragen auf den Plattformen hat sich teilweise vervielfacht. Es gibt jedoch auch Kritik, unter anderem von Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.

«Wir sehen derzeit ein sehr hohes Interesse. Ich denke, es kommt bei den Privatkunden sehr gut an», sagt Peckruhn über das Förderprogramm. Die Erfahrung zeige, dass solche Aktionen des Staats immer eine deutliche Reaktion bei den Kunden erzeugten. Das sei schon bei der Abwrackprämie 2009 so gewesen und dann auch bei der ersten Elektroautoförderung. Leider habe deren abruptes Ende aber auch einen sehr starken Effekt in die andere Richtung gezeigt.

Viele Kunden haben Fragen 

Peckruhn sagt, dass viele Kunden auch mit Fragen kommen. Besonders kompliziert wird es bei Leasingverträgen, wenn die Prämie vorfinanziert werden muss – schließlich kann sie erst nach der Zulassung beantragt werden. Dies führt dazu, dass ein Teil der Kunden derzeit noch abwartet, wie die Regelungen konkret ausfallen. Der ZDK hat daher bereits die Bundesregierung aufgefordert, bei der Umsetzung des Programms keine Zeit zu verlieren.

Ein weiterer Teil der Kunden hat jedoch bereits bestellt, teilweise noch im alten Jahr, nachdem klar wurde, dass der Zeitpunkt der Zulassung für die Förderung entscheidend ist. Aufgrund der Lieferzeiten von Neuwagen vergehen in der Regel Monate zwischen Bestellung und Zulassung. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich die Auswirkungen der Förderung bei den Zulassungszahlen erst in einigen Monaten vollständig zeigen werden. Dann wird auch deutlich werden, ob die Prämie nur Interesse und Informationsbedarf geweckt hat oder auch zu konkreten Kaufabschlüssen geführt hat.

Sprunghafte Anstiege im Netz 

Auch im Internet zeigt sich das hohe Interesse sehr deutlich: Bei Meinauto.de hat sich der Traffic auf den Seiten zu Elektroautos, Plug-in-Hybriden und Prämien im Vergleich zum Dezember mehr als verzehnfacht, wie ein Sprecher sagt. Interessanterweise ist allerdings auch das Interesse an anderen Antriebsarten gestiegen, wenn auch in sehr viel geringerem Maß. «Die Förderung hat bei vielen wohl den Wunsch auf Neuwagen geweckt.» 

Nach der offiziellen Ankündigung der Förderung verzeichnete Carwow einen Anstieg der Anfragen zu Elektroautos auf mehr als das Dreifache im Vergleich zur Vorwoche. Elektrofahrzeuge machten dadurch fast drei Viertel der Anfragen aus.

1.500 bis 6.000 Euro Förderung 

Das Bundesumweltministerium kündigte letzte Woche an, dass Privatkunden, die reine Elektroautos, Plug-in-Hybriden und Elektroautos mit Range Extender kaufen, wieder eine staatliche Förderung erhalten können. Die Höhe variiert je nach Fahrzeugtyp und individuellen Umständen zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Es gibt jedoch Einkommensgrenzen – zum Beispiel 90.000 Euro für eine Familie mit zwei Kindern. Diese Familie erhält die maximale Förderung von 6.000 Euro nur bei einem Haushaltseinkommen von höchstens 45.000 Euro.

Unter anderem hier setzt Dudenhöffers Kritik an: «Familien mit Kindern, die über ein Jahreseinkommen von 45.000 Euro und weniger verfügen, kaufen üblicherweise Gebrauchtwagen und haben, wenn sie in Städten wohnen, üblicherweise keine Möglichkeit eine Wallbox zu installieren», sagt der Branchenexperte. Insgesamt sei die Prämie «ein steuerfinanziertes Förderprogramm», das der Markt nicht brauche. Schließlich hätten schon vor ihrer Einführung steigende Rabatte auf Elektroautos deren Absatz angetrieben. 

Prämie könnte Importe aus China fördern

Es werde nun spannend, ob mit Unterstützung der Prämie der Anteil billiger Importe – insbesondere aus China – steige, sagt er. «Die Voraussetzungen dazu hat das Umweltministerium mit der Förderprämie geschaffen.» Insbesondere die deutschen Premiumhersteller Audi, BMW, Mercedes und Porsche mit ihren vergleichsweise teuren Autos könnten nur zusehen. «Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie wird durch eine kleine Sonderkonjunktur E-Auto nicht geholfen.» 

Zumindest im Januar hat die Ankündigung der Prämie bisher nicht zu starken Ausschlägen bei Rabatten wichtiger Modelle geführt. Im Vorfeld hatte es Bedenken gegeben, dass die Hersteller weniger eigenen Rabatt geben, wenn der Staat dafür sorgt, dass die Autos billiger werden. Im Schnitt der wichtigsten von Dudenhöffer beobachteten Fahrzeuge ist der Rabatt auf Stromer im vergangenen Monat aber sogar leicht angestiegen. «Bis auf einige Lockvogel-Angebote konnten wir wenig systematische Veränderungen im Markt durch die Prämienankündigung erkennen», sagt Dudenhöffer.

dpa