Die anhaltende Dürre führt zu erheblichen Ernteausfällen in der deutschen Landwirtschaft, vor allem bei Weizen und Raps. Landwirte fordern staatliche Soforthilfen und einen Umbau der Branche für mehr Klimaschutz.
Dürre und Ernteausfälle: Landwirtschaft fordert staatliche Unterstützung

Die Landwirtschaft in Deutschland sieht sich mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, da die anhaltende Trockenheit zu spürbaren Ernteausfällen führt. Landwirte fordern daher dringend staatliche Soforthilfen, um die negativen Auswirkungen abzufedern.
Die Branche ist stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Gleichzeitig trägt die konventionelle Landwirtschaft durch ihre klimaschädlichen Emissionen zur Erderwärmung bei. Ein möglicher Lösungsansatz wäre ein Umbau der Landwirtschaft, der mehr Wert auf Natur- und Klimaschutz legt. Allerdings wird dieser Prozess in Teilen der Branche nur zögerlich vorangetrieben.
Ernteausfälle – aber die Versorgung ist sichergestellt
In diesem Jahr haben Landwirte aufgrund der anhaltenden Trockenheit bisher nur eine unterdurchschnittliche Ernte eingefahren. Der Deutsche Bauernverband spricht von einer Erntemenge von 41,9 Millionen Tonnen, was einen Rückgang im Vergleich zu 45 Millionen Tonnen im Jahr 2025 darstellt. Besonders betroffen sind die Regionen in Süddeutschland, wo auch Futtermittel wie Gras und Heu für die Rinderhaltung knapp werden.
Nach Angaben des Deutschen Raiffeisenverbands sind seit Mitte Juni etwa drei Millionen Tonnen Getreide und Raps durch die Hitze und Dürre verloren gegangen, was einem finanziellen Verlust von rund 600 Millionen Euro entspricht. Auch bei den Herbstfeldfrüchten sind Ernteeinbußen zu erwarten.
Dennoch ist die Versorgung mit Getreide momentan gesichert. DRV-Vorstand Philipp Spinne betont, dass der Getreideverbrauch in Deutschland bei etwa 40 Millionen Tonnen pro Jahr liegt und somit durch die aktuelle Ernte gedeckt ist. Er erwartet keine Preiserhöhungen für Brot, da die entscheidenden Faktoren für die Preise eher in den Lohn- und Energiekosten zu finden sind.
Opfer und Verursacher: die Doppelrolle der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft nimmt eine doppelte Rolle ein: Sie ist sowohl Opfer des Klimawandels als auch Verursacher von Treibhausgasemissionen. Laut dem Umweltbundesamt verursachte die Landwirtschaft im Jahr 2025 etwa 53,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO₂)-Äquivalente. Zu den bedeutendsten Treibhausgasen zählen Methan und Lachgas, die unter anderem durch den Einsatz von Kunstdüngern und Gülle aus der Tierhaltung entstehen.
Die Herausforderung, klimafreundlicher zu wirtschaften, ist für die Landwirtschaft enorm. Der Deutsche Bauernverband, der konventionell arbeitende Landwirte vertritt, hat in den letzten Jahren jedoch beim ökologischen Umbau eher gebremst. Als Grund wird angeführt, dass Klima- und Naturschutzmaßnahmen die Landwirte belasten. Proteste gegen Einsparungen bei den Subventionen für Agrardiesel und gegen Vorgaben für Tierwohl und Umweltschutz verdeutlichen die Widerstände in der Branche.
Wie die EU-Subventionspolitik Klimaschutz behindert
Die EU-Subventionspolitik für die Landwirtschaft wirkt sich ebenfalls negativ auf den Umweltschutz aus. Jeder förderfähige landwirtschaftliche Betrieb erhält pro Hektar und Jahr eine Basisprämie. Dies führt dazu, dass Betriebe, die umweltfreundliche und klimaresiliente Anbaumethoden anwenden, benachteiligt werden. Milchbauer Ottmar Ilchmann betont, dass eine Landwirtschaft, die Klima- und Naturschutz betreibt, auch finanziell lohnenswert sein muss. Das bestehende Flächenprämien-Prinzip sei für viele dieser Landwirte demotivierend.
Umweltpolitiker kritisieren die Forderungen des Bauernverbands. Schleswig-Holsteins Umwelt- und Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) erklärt, dass die Verbilligung von Agrardiesel langfristig die Klimakrise verschärfen würde. Die Landwirtschaft müsse endlich nachhaltig gestaltet werden.
Was langfristig hilft: Umbau der Landwirtschaft
Der Umbau der Landwirtschaft hin zu mehr Klimaresilienz und klimafreundlichen Methoden stellt eine komplexe Herausforderung dar. Politische Vorgaben zum Umwelt- und Klimaschutz sowie gezielte Förderungen für klimafreundlichen Ackerbau sind dabei entscheidend.
Zu den wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen zählen:
- die Senkung der Stickstoffüberschüsse aus der Düngung
- die Minderung der Methan- und Lachgasemissionen
- eine höhere Energieeffizienz
- der Ausbau des Ökolandbaus
Eine effizientere Wassernutzung ist ebenfalls von großer Bedeutung, da der Wasserbedarf in der Landwirtschaft hoch ist. Verbesserte Bewässerungsmethoden und ein besserer Bodenschutz könnten den Wasserverbrauch reduzieren.
Die Wiedervernässung von Mooren gilt als effektive Klimaschutzmaßnahme, da Moorböden große Mengen an Treibhausgasen speichern können. Landwirte können zudem selbst aktiv werden, indem sie trockenheitsresistentere Sorten anbauen oder durch Humusaufbau CO₂ aus der Atmosphäre entziehen. Diese Maßnahmen zeigen jedoch erst langfristig ihre Wirkung.
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Quellen: deutschlandfunk, Der Spiegel, tagesschau
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