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Trump und die Zölle: Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft

Die US-Zölle belasten die deutsche Wirtschaft dreifach und führen zu einem Einbruch im Auto-Export in die USA.

Für ihn sind viele seiner durchgesetzten Zölle eine Freude: US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)
Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Ob aus Gründen der «nationalen Sicherheit» oder als Strafmaßnahme: Kaum ein Druckmittel war und ist für US-Präsident Donald Trump so wichtig wie Zölle, die er wiederholt als sein «Lieblingswort» bezeichnete. Gegen die EU, China, Brasilien oder Kanada: Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit spielten Zölle eine wesentliche Rolle. 

Und das ganz aktuell auch im Grönland-Konflikt: Trump kündigte erst am Samstag Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder an. Die gestaffelten Zölle von 10 Prozent ab 1. Februar und 25 Prozent ab 1. Juni sollen so lange gelten, bis eine Einigung über den «vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands» erzielt sei. Trump besteht darauf, dass das ressourcenreiche Grönland wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse.

Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird deutlich, dass die negativen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft langfristig sind. Obwohl die EU und die USA im Sommer 2025 ein Abkommen geschlossen haben, das einen US-Zoll von 15 Prozent für die meisten europäischen Produkte vorsieht, besteht die Gefahr, dass der Handelskonflikt erneut eskaliert, aufgrund von Trumps neuen Zolldrohungen.

Das Ifo-Institut erwartet, dass die deutschen Wirtschaft durch die US-Zölle jahrelang belastet wird. Es wird analysiert, wie sich dies bereits heute auswirkt.

Dauer-Schock für die Konjunktur 

«Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach», sagte Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. «Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens, weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen Märkten sucht und Waren verstärkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz macht.»

Schwere Last für Exporteure 

Die deutschen Exporteure werden durch die hohen US-Zölle auf ihrem wichtigsten Exportmarkt stark beeinträchtigt. Das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, in die im Jahr 2024 deutsche Waren im Wert von 161 Milliarden Euro exportiert wurden, ist im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Im November lag es laut Statistischem Bundesamt sogar fast ein Viertel unter dem Niveau des Vorjahres. Dieser Rückgang im US-Geschäft belastet den gesamten deutschen Export stark, der im Jahr 2025 bereits das dritte Jahr in Folge geschrumpft ist. Fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt von ihm ab.

Laut dem Ifo dämpften die Zölle unter Trump das Wachstum der deutschen Wirtschaft im Jahr 2025 um 0,3 Prozentpunkte, dieses Jahr sollen es 0,6 Prozentpunkte sein. Dies mag wenig erscheinen, entspricht jedoch etwa dem Effekt, den das Ifo durch die enormen Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie weitere Entlastungen für die Wirtschaft erwartet. Als ob das nicht genug wäre, hat der Dollar seit Trumps Amtsantritt stark an Wert verloren, was deutsche Waren auf den Weltmärkten verteuert.

Autobranche leidet 

Die deutschen Autobauer sind besonders von den Zöllen von Trump betroffen. Die USA sind traditionell wichtige Auslandsmärkte, insbesondere für Porsche, BMW und Mercedes. Die Zölle trafen die Branche härter und früher als andere: Zunächst mit 27,5 Prozent, die im August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Das ist jedoch immer noch sechsmal so viel wie die zuvor geltenden 2,5 Prozent.

In der Folge sank der Auto-Export aus Deutschland in die USA. Noch im Jahr 2024 wurden laut dem Branchenverband VDA fast 450.000 Autos in die Vereinigten Staaten exportiert, was knapp einem Neuntel der Gesamtproduktion entspricht. In den ersten elf Monaten des Jahres 2025 waren es laut VDA acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, während das Minus in den Monaten nach der Zoll-Einführung im April mit 16 Prozent doppelt so hoch war.

«Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen», sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Mit seinen Zöllen verstärke er den Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo sie verkauft werden. «Für unsere exportorientierte Autoindustrie ist das ein völliges Erodieren ihres klassischen Geschäftsmodells. Für die Arbeitsplätze in Europa, in Deutschland, ist das natürlich Gift.»

Maschinenbau und Stahl unter Druck 

Die US-Zölle auf Stahl sind mit 50 Prozent besonders hoch. Laut Branchenangaben sind die Stahlexporte in die USA in den ersten zehn Monaten 2025 um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die Amerikaner berechnen die Stahlzölle auch auf den Stahlanteil in Maschinen, was den deutschen Maschinenbau belastet. Der Branchenverband VDMA gibt an, dass die Produktion im deutschen Maschinenbau das dritte Jahr in Folge geschrumpft ist, was zu Jobabbau und Kurzarbeit in vielen Betrieben führt.

Nur wenige Ausnahmen 

Nur wenige Bereichen bleiben von Trumps Zöllen verschont, sagt Ifo-Ökonomin Flach. Ausnahmen seien etwa Dienstleister, da sie nicht betroffen seien, und der deutsche Agrarsektor. Er profitiere von Vorteilen im Handel mit China, da US-Produkte mit dem Zollstreit zwischen den beiden Großmächten teurer geworden seien. «Diese beiden Effekte auf die deutsche Wirtschaft sind aber minimal.» 

Folgen für Patienten? 

Da Trump die Arzneipreise in den USA senken will, hat er auch den Gesundheitsmarkt ins Visier genommen. Als Zugeständnis haben eine Reihe von Pharmakonzernen angekündigt, Milliarden in den USA zu investieren und Arzneien mit Rabatt über den von Trump initiierten Direktvertrieb «TrumpRX» zu verkaufen. 

Arzneimittelhersteller müssen jedoch die Preise im lukrativen US-Markt senken, wenn sie versuchen würden, höhere Preise anderswo durchzusetzen. Kurzfristige Preissprünge in Deutschland sind jedoch unwahrscheinlich, da der Markt für verschreibungspflichtige Medikamente streng reguliert ist und viele Lieferverträge langfristig angelegt sind.

Konzerne knicken vor Trump ein 

Einige Unternehmen haben auf den Druck von Trump reagiert. Merck, ein Pharmakonzern, hat zugesagt, Behandlungen für künstliche Befruchtungen in den USA deutlich günstiger anzubieten. Im Gegenzug bleibt der Dax-Konzern von Pharmazöllen befreit, unter der Bedingung, dass er in Produktion und Forschung in Amerika investiert. Boehringer Ingelheim schloss sich kürzlich einem ähnlichen Abkommen mit der Trump-Regierung an. VW-Chef Oliver Blume bemühte sich ebenfalls um einen Deal mit den USA und lockte mit Investitionen.

Was die Zölle den USA bringen 

Die USA erzielen durch Zölle auf Importe aus der ganzen Welt enorme Einnahmen. Laut Angaben des Weißen Hauses belaufen sie sich auf etwa 200 Milliarden Euro. Dies liegt jedoch unter den Erwartungen: Im Juli hatte US-Finanzminister Scott Bessent noch prognostiziert, dass bis zum Jahresende 300 Milliarden Dollar eingenommen werden würden.

Wo neue Zölle drohen 

Trotz des Deals mit der EU fühlt sich kaum eine Branche sicher vor Trumps unbeständiger Zollpolitik. Hersteller von Polstermöbeln, Küchenschränken und Waschtischen müssen zittern. Ursprünglich plante Trump eine Zollerhöhung für den 1. Januar 2026, verschob diese jedoch an Silvester um ein Jahr.

Funkt das oberste US-Gericht Trump dazwischen? 

Nicht alle in den USA sind jedoch begeistert von Trumps Zöllen. Diejenigen, die Trump unter Berufung auf ein Notstandsgesetz von 1977 gegen Dutzende Handelspartner verhängte, werden vor dem Obersten Gericht der USA verhandelt. Die Frage ist, ob Trump seine Kompetenz überschritten hat.

Es geht auch um die Zölle auf EU-Produkte, die in die USA exportiert werden. Eine Entscheidung des Supreme Court steht noch aus. Es ist unklar, welchen konkreten Einfluss der Ausgang des Prozesses auf den Zolldeal zwischen der EU und den USA haben wird – beispielsweise ob die US-Zölle dann aufgehoben werden könnten.

Selbst wenn der Supreme Court gegen Trump entscheiden sollte, würde das jedoch nicht unbedingt das Ende seiner Zollpolitik bedeuten, sagt Adam Hersh, Ökonom am Economic Policy Institute in Washington. Denn Trump habe noch andere gesetzgeberische Möglichkeiten, um Zölle durchzusetzen – auch ohne die Zustimmung des Kongresses.

dpa