Inflation, hohe Zinsen und Energiepreise belasten die Branche. Sorge besteht auch wegen der geplanten EU-Regulierung zur künstlichen Intelligenz.
Deutsche Elektro- und Digitalindustrie erwartet Wachstumsdelle im Jahr 2024

Nach einem «recht ordentlichen» Jahr 2023 rechnet die deutsche Elektro- und Digitalindustrie im laufenden Jahr mit einer Wachstumsdelle. «Auf Jahressicht erwarten wir, dass die reale Produktion um zwei Prozent nachgeben wird», sagte der Präsident des Branchenverbandes ZVEI, Gunther Kegel, in Frankfurt. Inflation, vergleichsweise hohe Zinsen und hohe Energiepreise seien Gründe für das aktuelle schwierige konjunkturelle Umfeld.
Sorgen bereitet den Unternehmen die geplante EU-Regulierung zum Einsatz künstlicher Intelligenz. «Unser Eindruck ist, dass die EU aktuell beim Einsatz von künstlicher Intelligenz vor allem regulatorisch vorprescht und dabei viel zu wenig präzise ist», beklagte der Vorsitzende der Verbandsgeschäftsführung, Wolfgang Weber, laut Mitteilung. Die vorliegende KI-Verordnung drohe zu einer massiven Innovationsbremse zu werden, die mit unnötigen bürokratischen Kosten und einem hohen Maß an Rechtsunsicherheit für die Industrie einhergehe.
Nach den Novemberzahlen wird erwartet, dass der Industriezweig im Jahr 2023 zum dritten Mal in Folge einen Produktionszuwachs von voraussichtlich 1,4 Prozent verzeichnet. Der nominale Umsatz stieg um 8 Prozent auf die Rekordmarke von 242 Milliarden Euro, während die Beschäftigung um 12.000 auf 910.000 Menschen zunahm. Die Unternehmen sind weiterhin bereit, zu investieren und profitieren von den intakten Megatrends Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung.
Europäischer Binnenmarkt für Export wichtig
Für den Export werde der europäische Binnenmarkt immer wichtiger, betonte Präsident Kegel und warnte trotz deutlicher Kritik an überbordender EU-Bürokratie vor einem Austritt Deutschlands aus der Union. Laut der Mitteilung sagte er: «Wer meint, dass Deutschland auf sich allein gestellt besser fahren könnte, offenbart gefährliche wirtschaftspolitische Ahnungslosigkeit.»
Auch gesellschaftspolitisch stellte sich der Verband gegen Positionen der Rechtsextremen. «Rassismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, jede Facette rechter Ideologie lehnen wir entschieden ab», sagte Präsident Kegel. «Rechtsextremistische Parteien schaden dem Wirtschaftsstandort und damit dem Wohlstand. Dies gilt auch für die AFD.»








