Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Bundesnetzagentur: Tausende Beschwerden über verspätete und verlorene Briefe und Pakete

Im vergangenen Jahr haben sich Zehntausende Bürgerinnen und Bürger bei der Bundesnetzagentur über verspätete oder verlorene Briefe und Pakete beschwert. Die meisten Beschwerden richten sich gegen die Deutsche Post und ihre Tochterfirma DHL. Die Bundesnetzagentur hat jedoch nur begrenzte Möglichkeiten, gegen Qualitätsmängel vorzugehen.

41.589 Mal wurde sich über die Post- und Paketbranche beschwert.
Foto: Robert Michael/dpa

Im vergangenen Jahr haben Zehntausende Bürgerinnen und Bürger erneut bei einer Bundesbehörde Beschwerde eingereicht, weil Briefe und Pakete verspätet ankommen oder verloren gehen. Die Bundesnetzagentur in Bonn teilte mit, dass die Anzahl der Beschwerden bei 41.589 lag. Im Jahr 2022 waren es 43.125 Beschwerden gewesen. Das Beschwerdeniveau ist jedoch immer noch sehr hoch im Vergleich zum Jahr 2021, als es nur rund 15.000 waren.

Die gesamte Post- und Paketbranche hat die Möglichkeit zur Kritik, aber 90 Prozent der Beschwerden richten sich gegen den Marktführer Deutsche Post, der Briefe zustellt und unter der Marke DHL Pakete austrägt.

Milliarden Briefe und Pakete pro Jahr

Die vorläufige Zahl für 2023 wurde bereits Mitte Dezember von der Aufsichtsbehörde bekannt gegeben. Nun hat sie die endgültige Jahreszahl bekannt gegeben. In Deutschland werden jedes Jahr mehrere Milliarden Briefe und Pakete verschickt. Im Vergleich dazu ist der Anteil der Beschwerden sehr gering.

Es ist jedoch wahrscheinlich, dass einige Bürger auch negative Erfahrungen mit der Zustellung von Briefen und Paketen gemacht haben, aber sich nicht bei der Behörde in Bonn beschwert haben. Die Post hat in der Vergangenheit die Mängel unter anderem mit einem zeitweise hohen Krankenstand gerechtfertigt. Gewerkschafter bemängeln, dass das Unternehmen an einigen Standorten knapp mit Personal besetzt ist, um Kosten zu senken.

Künftig Buß- und Zwangsgelder?

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, wies darauf hin, dass das Beschwerdeniveau weiterhin hoch sei. Das zeige, wie wichtig den Menschen eine zuverlässige Postversorgung sei. «Leider haben wir bisher nur sehr begrenzte Möglichkeiten, bei Qualitätsmängeln tätig zu werden», sagte der frühere Grünen-Politiker.

Wenn es viele Beschwerden aus einer Region gibt, führt die Netzagentur eine sogenannte Anlassprüfung durch, die jedoch letztendlich nur einer Ermahnung der Post entspricht. Im Jahr 2022 gab es 86 Anlassprüfungen, im Jahr 2023 sank diese Zahl deutlich auf 35. Im Rahmen der aktuellen Postgesetz-Reform soll der Aufsichtsbehörde die Befugnis gegeben werden, zukünftig Buß- und Zwangsgelder zu verhängen und damit den Bonner Konzern finanziell unter Druck zu setzen. Diese Reform soll im April abgeschlossen sein, die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat steht noch aus.

Ein Post-Sprecher wies darauf hin, dass die Zahl der Beschwerden gesunken und die Zahl der Anlassprüfungen deutlich zurückgegangen sei. Er monierte, dass die Netzagentur nur etwa 15 Prozent der Beschwerden an die Post weitergeleitet habe. Daher könne die Firma nicht abschließend beurteilen, ob es sich immer um Qualitätsmängel der Deutschen Post handele. Zugleich betonte er, dass jede Beschwerde eine zu viel sei. «Wir bedauern, wenn Kunden mit unserer Leistung nicht zufrieden sind», sagte der Post-Sprecher. «Wir wollen in diesem Jahr insbesondere daran arbeiten, die immer stärker schwankende Sendungsmenge an Briefen und Paketen noch zuverlässiger zuzustellen sowie weiter gute und rechtskonforme Arbeitsbedingungen für unsere Beschäftigten zu bieten.»

dpa