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Erwartungen vor EM: Zwischen Umsatz-Boom und Zurückhaltung

Die Fußball-EM im eigenen Land ist nicht nur für viele Fans ein Höhepunkt. Auch der Handel hofft auf Schwung fürs eigene Geschäft. Aber nicht alle Branchen sind so optimistisch.

Fans feuern die deutsche Mannschaft an: Besonders gefragt sind vor der Heim-EM Fanartikel.
Foto: Arne Dedert/dpa

Vor dem Beginn der Fußball-EM in Deutschland schauen Branchenverbände mit gemischten Erwartungen auf das Großereignis, das in weniger als vier Wochen beginnt. Während der Handel einen positiven Schub erwartet, gibt es bei Hotels und Gaststätten noch einige Zurückhaltung.

Die Händler erwarten zusätzliche Umsätze in Höhe von 3,8 Milliarden Euro, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) am Dienstag in Berlin bekannt gab. Die Schätzung basiert auf einer repräsentativen Umfrage von HDE und dem Marktforschungsunternehmen Appinio.

Umsatzentwicklung vom Turnierverlauf abhängig

Besonders begehrt sind daher neben Lebensmitteln Fanartikel. Fast ein Drittel zeigt Interesse an Fanartikeln wie Schals, Fahnen und Dekorationsartikeln. Ebenfalls beliebt sind Sportartikel sowie Produkte aus den Bereichen Wohnen und Garten, Spielwaren und Elektronik. 60 Prozent planen Einkäufe im Wert von 51 bis 200 Euro, jeder Fünfte sogar mehr. Die Fußball-EM findet vom 14. Juni bis 14. Juli statt.

«Im Einzelhandel sorgen große Sportereignisse immer wieder für Umsatzimpulse. Die diesjährige Heim-EM könnte den Konsum in einzelnen Branchen und Warengruppen ankurbeln», sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die Entwicklung der Umsätze hänge auch mit dem Turnierverlauf und dem Abschneiden der deutschen Elf zusammen.

Gemischtes Bild bei Hotel und Gaststätten

Ungeachtet des Erfolgs der deutschen Mannschaft richten Hotels und Gaststätten im Land vor der EM ihren Fokus hauptsächlich auf ihre Buchungssituation. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) zeige sich bisher jedoch ein eher gemischtes Bild in Bezug auf die Zahlen, erklärte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges.

Während 29,4 Prozent der Betriebe in den Ausrichterstädten einen besseren Buchungsstand im EM-Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen, meldeten 34,6 Prozent eine Verschlechterung. Bei 36 Prozent sei der Buchungsstand konstant. «Auch wenn nicht alle Gastgeber unmittelbar von einem sportlichen Mega-Ereignis wie der EM profitieren, sind die möglichen positiven Effekte für eine Stimmungsaufhellung im Land sowie für die Stärkung des Tourismusstandortes Deutschland nicht zu unterschätzen», so Hartges.

Viele Suchanfragen bei Airbnb

Laut eigenen Angaben verzeichnet der Plattformbetreiber Airbnb einen signifikanten Anstieg bei der Suche nach Unterkünften an den Austragungsorten während des EM-Zeitraums. Die Suchanfragen nach Airbnb-Unterkünften in diesen Städten während der Turniermonate sind im Vergleich zum Sommer 2023 um mehr als 100 Prozent gestiegen.

Während der EM betrug der durchschnittliche Preis für eine Unterkunft pro Nacht 178 Euro, während Airbnb-Privatzimmer bei 88 Euro lagen, wie das Portal mitteilte. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt drei Tage. Die meisten Buchungen wurden in Berlin (42 Prozent) und München (14 Prozent) getätigt. Gäste aus Deutschland haben die meisten Buchungen vorgenommen, gefolgt vom Vereinigten Königreich sowie den USA und Frankreich.

Viele Buchungen aus Vereinigtem Königreich

Auch bei Booking.com werden Reisende aus Deutschland bei Buchungen am meisten bevorzugt, gefolgt vom Vereinigten Königreich, Spanien, den USA und den Niederlanden. Laut dem Portal hat sich die Suche nach Unterkünften für Reisende aus dem Vereinigten Königreich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (+140 Prozent).

Gemäß den eigenen Daten sind Berlin, München, Hamburg, Köln und Frankfurt die am häufigsten gesuchten Austragungsorte für einen Aufenthalt während der EM. Unter den zehn Austragungsorten verzeichnen Düsseldorf (+ 50 Prozent) und Gelsenkirchen (+ 32 Prozent) den größten Anstieg der Suchanfragen von Reisenden im Vergleich zum Vorjahr.

«Langfristig haben Großveranstaltungen wie Fußballturniere positive Auswirkungen auf den deutschen Tourismussektor, die Beherbergungsbetriebe und die Verbraucher», hieß es von Booking.com. Das führe nicht nur im Beherbergungsgewerbe, sondern in der gesamten Tourismusbranche zu einem Anstieg der Ausgaben.

dpa