Trotz der aktuellen militärischen Eskalation im Nahen Osten reagieren die Märkte erstaunlich gelassen. Experten sehen eine mögliche kurzfristige Auseinandersetzung, während Anleger vorerst moderate Kursverluste einkalkulieren.
Eskalation in Nahost: Warum der Börsencrash bislang ausbleibt

Am 24. Februar 2022 führte der russische Angriff auf die Ukraine zu einem dramatischen Rückgang der globalen Börsenkurse. Der Dax fiel an diesem Tag um mehr als fünf Prozent. Im Gegensatz dazu blieben die Reaktionen auf die militärischen Angriffe Israels und der USA auf den Iran vergleichsweise ruhig, obwohl die Kurse ebenfalls nachgaben.
Dennoch sieht sich der deutsche Aktienmarkt gegenwärtig einem erheblichen Druck ausgesetzt. Die Besorgnis über steigende Öl- und Gaspreise belastet zahlreiche Unternehmen und wirkt sich negativ auf die Kurse aus. Zu Beginn der Woche verlor der Dax deutlich und fiel zeitweise um 3,7 Prozent auf 23.603 Punkte, nachdem er bereits am Vortag 2,4 Prozent verloren hatte. Aktuelle Berichte wie Börse aktuell: Dax und europäische Aktien-Kurse fallen wegen Iran-Krieg verdeutlichen die angespannten Marktbedingungen.
Wie wird sich die Situation entwickeln?
Die Frage bleibt, ob es sich lediglich um eine kurzfristige militärische Eskalation handelt oder ob die Märkte mit einem größeren Rückschlag rechnen müssen.
Die Kursentwicklung des Dax in den letzten Tagen zeigt folgende Werte:
- 25. Februar: 25.289,02
- 26. Februar: 25.289,02
- 27. Februar: 23.811,90
- 02. März: 23.811,90
- 03. März: 23.811,90
Die Anleger zeigen sich jedoch erstaunlich gelassen. An den US-Börsen blieben die ersten Kursverluste ebenfalls begrenzt, und die wichtigsten Indizes an der Wall Street stabilisierten sich sogar. Experten weisen darauf hin, dass viele Investoren mit einer Eskalation gerechnet hatten. Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, betonte, dass der Dax trotz der geopolitischen Spannungen in einer zentralen Ölregion ohne Panik in die Woche gestartet sei.
Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners, erklärte, dass die Reaktionen der Anleger darauf hindeuten, dass sie von einer kurzen militärischen Auseinandersetzung ausgehen. Angesichts der möglichen Tragweite seien die ersten Kursverluste als moderat einzustufen. Mit anderen Worten: Die Börsen berücksichtigen das Risiko, rechnen jedoch bislang nicht mit einem umfassenden Konflikt. Ein weiterer Bericht, der die aktuelle Situation beleuchtet, ist DAX verliert 2,6 Prozent: Iran-Krieg trifft Stimmung hart.
Ein Rückblick auf 2022
Es ist jedoch Vorsicht geboten: Nach dem Überfall auf die Ukraine schien die Lage zunächst ebenfalls beherrschbar. Der Dax verlor am Tag des Angriffs bis zu 5,5 Prozent, fiel jedoch in den folgenden Wochen weiter ab – von etwa 16.000 Punkten im Januar auf rund 12.400 Punkte Anfang März, was einem Rückgang von über 15 Prozent entsprach.
Hohe Gaspreise, steigende Inflation und Ängste vor einer Rezession drückten die Kurse über Monate hinweg. Das Jahrestief des Dax wurde am 28. September 2022 bei genau 12.414,75 Punkten erreicht – knapp sieben Monate nach Kriegsbeginn.
Marktanalysten betonen, dass derzeit ein vergleichbares Systemrisiko nicht vorhanden ist. Europa ist weniger abhängig vom Iran als 2022 von russischem Gas, und die direkte Bedrohung für die europäische Energieversorgung wird als geringer eingeschätzt. Dies trägt zur Stabilisierung der Märkte bei. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu beachten, dass Iran: Öl springt zweistellig – Märkte nervös, Gold gefragt die Unsicherheiten auf dem Markt verstärken könnte.
Historisch betrachtet zeigen Kriegsausbrüche in wirtschaftlich weniger relevanten Regionen oft nur moderate Rückgänge, wie Christian Stubbe, Chief Investment Officer von HQ Trust, anmerkt. In der Regel kam es anschließend häufig zu schnellen Erholungsbewegungen.
Dennoch bleibt festzuhalten: Sollte der Konflikt länger andauern oder sich ausweiten, könnten steigende Energiepreise erneut Druck auf die Konjunktur und die Unternehmensgewinne ausüben – und damit auch auf die Aktienkurse.
Branchenreaktionen an der Börse
Die Reaktionen an der Börse variieren stark zwischen den einzelnen Branchen. Zu den Gewinnern zählen Rüstungsunternehmen. Rheinmetall und Hensoldt verzeichneten zeitweise Zuwächse von bis zu sechs beziehungsweise mehr als acht Prozent, gaben jedoch ihre Gewinne wieder ab.
In den USA stieg der Kurs von Lockheed Martin um rund fünf Prozent, da Anleger auf steigende Verteidigungsausgaben spekulieren, die das Geschäft ankurbeln könnten.
Auch Reedereien profitierten von der Situation. Maersk verzeichnete zeitweise einen Anstieg von mehr als sieben Prozent, während Hapag-Lloyd um rund sechs Prozent zulegte. Beide Unternehmen meiden mittlerweile die Straße von Hormus sowie andere Routen im Nahen Osten und leiten ihre Schiffe um Afrika herum. Anleger erwarten steigende Frachtraten aufgrund längerer Transportwege und knapper Kapazitäten.
Im Gegensatz dazu gerieten Fluggesellschaften deutlich unter Druck. Die Lufthansa verlor in der Spitze mehr als elf Prozent, während auch Air France-KLM, IAG und Ryanair kräftig nachgaben. Höhere Kerosinpreise und gesperrte Lufträume belasten die Branche.
Tourismuswerte litten ebenfalls. TUI fiel zeitweise um fast zehn Prozent. Analysten von Oddo BHF und MWB wiesen darauf hin, dass TUI mit Kreuzfahrtschiffen im Persischen Golf aktiv ist und stark auf Flugrouten durch den Nahen Osten angewiesen ist.
Kapitalströme in Krisenzeiten
Für Anleger bedeutet dies, dass sich Kapitalströme in Krisenzeiten oft schnell zwischen den Branchen verschieben. In unsicheren Zeiten suchen viele Investoren nach sicheren Anlagen, sogenannten „sicheren Häfen“. Der Goldpreis stieg um über zwei Prozent auf 5.388 Dollar je Feinunze, da Gold als Krisenwährung gilt, die nicht von der Zahlungsfähigkeit eines Staates abhängt.
Auch der US-Dollar konnte zulegen. Der Dollar-Index, der den Wert der US-Währung gegenüber einem Korb anderer Währungen misst, stieg zeitweise um ein Prozent. Der Schweizer Franken erreichte gegenüber dem Euro den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt, da Anleger in die als besonders stabil geltende Währung umschichteten.
Die Kursentwicklung des Goldpreises in den letzten Tagen zeigt folgende Werte:
- 25. Februar: 5.322,97
- 26. Februar: 5.322,97
- 27. Februar: 5.159,99
- 28. Februar: 5.159,99
- 01. März: 5.144,01
- 02. März: 5.144,01
Marktentwicklungen in Asien
Während die US- und europäischen Märkte relativ stabil blieben, erlebte Südkorea einen deutlichen Rückgang. Der Leitindex KOSPI verlor nach der Eskalation des Konflikts mehr als sieben Prozent – der stärkste Rückgang seit über zwei Jahren. Samsung Electronics büßte knapp zehn Prozent ein, während der Chipkonzern SK Hynix sogar 11,5 Prozent verlor.
Die Anleger sorgen sich, dass steigende Ölpreise die energieintensive Halbleiterindustrie belasten könnten. Trotz des Rückgangs liegt der KOSPI seit Jahresbeginn jedoch noch immer über 34 Prozent im Plus. Der japanische Nikkei 225 gab rund drei Prozent nach, während der Hang Seng in Hongkong etwas mehr als ein Prozent verlor.
Die Märkte zeigen sich weiterhin erstaunlich stabil. Experten empfehlen, defensiv und breit gestreut zu investieren. Dies bedeutet, weniger riskante Titel in das Portfolio aufzunehmen und das Geld auf verschiedene Branchen und Regionen zu verteilen, um Risiken zu minimieren.
Für Anleger gilt: Panikverkäufe sollten vermieden werden. Wer in Krisenzeiten überstürzt verkauft, realisiert Verluste. Sollte der Konflikt jedoch eskalieren und die Energiepreise dauerhaft steigen, könnte es an den Börsen ungemütlich werden.
- Iran: Öl springt zweistellig – Märkte nervös, Gold gefragt (Hamburger Echo)
- Iran-Konflikt heizt sich auf (thecryptonist.io)
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Bildquelle: ai-generated-gemini








