Wasserstoff soll im künftigen Wirtschaftssystem eine zentrale Rolle spielen. Der Weg für Beihilfen ist jetzt frei. Experten aber haben die Sorge, dass die Wasserstoffwirtschaft nicht in Gang kommt.
EU genehmigt drei Milliarden für deutsches Wasserstoffnetz

Die EU-Kommission hat Deutschland genehmigt, etwa drei Milliarden Euro in seine Wasserstoffinfrastruktur zu investieren. „Damit würden Fernleitungen errichtet, um die Verwendung von umweltfreundlichem Wasserstoff in Industrie und Verkehr zu steigern“, teilte die Brüsseler Behörde mit. „Die positiven Auswirkungen der Beihilfen überwiegen mögliche Schäden, die beispielsweise durch Wettbewerbsverzerrungen entstehen könnten“, so die Kommission.
Wenn der Staat ein Unternehmen mit Geld oder Steuervorteilen unterstützen möchte, gelten in der EU sehr strenge Regeln dafür. Dies soll sicherstellen, dass der Wettbewerb zwischen den Konkurrenten nicht durch staatliche Eingriffe verzerrt wird. Insbesondere soll grüner Wasserstoff, der auf Basis erneuerbarer Energien aus Wind und Sonne hergestellt wird, in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, um fossile Brennstoffe zu ersetzen.
Die erste große Leitung wird voraussichtlich im Jahr 2025 in Betrieb genommen. Bis zum Jahr 2032 soll ein vollständiges Kernnetz fertiggestellt sein. Unternehmen sollen konkret durch staatliche Garantien unterstützt werden, um günstige Darlehen zu erhalten. Dadurch könnten Verluste abgedeckt werden, die zu Beginn des Projekts erwartet werden.
Expertengremium mahnt mehr Tempo an
Der Nationale Wasserstoffrat dringt auf einen schnelleren Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Vier Jahre nach der Formulierung der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) stocke der Wasserstoffhochlauf, heißt es in einer Stellungnahme. Der Standort laufe Gefahr, im internationalen Vergleich den Anschluss zu verlieren. «Ohne wirksame Maßnahmen drohen die in der NWS verankerten Ziele verfehlt zu werden – trotz der (…) in jüngster Zeit angestoßenen Projekte und Initiativen.» Die Stellungnahme richtet sich vor allem an politische Entscheidungsträger aller Ebenen.
Zwar gebe es viele Bekenntnisse zu Wasserstoff als wichtige Säule zur Dekarbonisierung der Wirtschaft. «Allerdings klafft eine immer größere Lücke zwischen dem politisch definierten Ambitionsniveau auf nationaler und europäischer Ebene und dessen praktischer Umsetzung.» Diese Lücke spiegele sich unter anderem in der Differenz zwischen geplanten Wasserstoffprojekten und finalen Investitionsentscheidungen wider.
Verlässliche Rahmenbedingungen angemahnt
In energieintensiven Unternehmen wächst die Unsicherheit darüber, ob Wasserstoff und Wasserstoffverbindungen in ausreichenden Mengen und zu geeigneten Konditionen verfügbar sein werden, so der Wasserstoffrat. «Die Deindustrialisierung ist keineswegs eine Drohkulisse – sondern eine reale Gefahr», sagte die Vorsitzende des Wasserstoffrats, Katherina Reiche. «Nur mit Wasserstoff können wir Wertschöpfungsketten stärken, Schlüsselindustrien in Deutschland halten und unsere Klimaschutzziele erreichen.»
Der Rat forderte neben anderen Maßnahmen flankierende Fördermaßnahmen der öffentlichen Hand sowie staatliche Bürgschaften. Ohne solche Maßnahmen könne die Kostenlücke für Wasserstoff im Wettbewerb zu den heutigen fossilen Energieträgern nicht geschlossen werden. Dringlich sei auch eine zeitnahe Veröffentlichung der Importstrategie der Bundesregierung.
Dem Wasserstoffrat, der von der Bundesregierung berufen wurde, gehören 26 Fachleute aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft an.








