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Eurobike: Umzug nach Frankfurt ist Quantensprung fürs Rad

In Frankfurts Hochhausschluchten haben es Fahrradfahrer nicht immer leicht. In diesen urbanen Raum will die Messe «Eurobike» vorstoßen, weil dort über die Mobilität der Zukunft entschieden werde.

Die internationale Messe findet vom 13. bis 17. Juli erstmals in Frankfurt statt.
Foto: Arne Dedert/dpa

Mit einem umfassenden Anspruch startet die Fahrrad-Messe Eurobike an ihrem neuen Standort Frankfurt. Die zuvor in Friedrichshafen angesiedelte Ausstellung werde größer, internationaler, politischer als bislang und nehme die Mobilität der Zukunft in den Fokus, sagte der Geschäftsführer des Veranstalters Fairnamic, Stefan Reisinger, am Donnerstag. Der Umzug nach Frankfurt sei für die Eurobike ein «Quantensprung».

Nach 29 Ausgaben am Bodensee findet die internationale Fahrrad-Messe vom 13. bis 17. Juli erstmals in Frankfurt statt. Sie wird begleitet von einem verkehrspolitischen Kongress und einem Mitmachprogramm im öffentlichen Raum. «Wir wollen Frankfurt zur Fahrradhauptstadt Deutschlands machen», sagte Veranstaltungsmanagerin Katja Richarz. Es wird eigene Messe-Radwege, Gratis-Leihräder, Rennen, Touren und zwei Aktionsareale in der Stadt geben. Das Messegelände selbst ist an den letzten beiden Tagen auch für das allgemeine Publikum geöffnet, das dort allerdings keine Fahrräder oder Zubehör kaufen kann.

«Kein Ersatz für nichts»

Frankfurts Messechef Wolfgang Marzin will die Eurobike nicht als Ersatz oder Nachfolger der nach München abgewanderten Internationalen Automobilausstellung (IAA) verstanden wissen. «Die Eurobike ist kein Ersatz für nichts, sondern sie ist die Plattform für eine andere eigenständige Industrie. Wir sind froh über jede Messe, die gut läuft», sagte er. Die Voraussetzung für eine weitere Internationalisierung seien hervorragend. Vor dem Umzug an den Main hatten die Messegesellschaften aus Frankfurt und Friedrichshafen ein gemeinsames Unternehmen gegründet, das die Eurobike künftig veranstaltet. An der Fairnamic GmbH halten die Baden-Württemberger mit 51 Prozent die Mehrheit.

Wie andere Industriezweige auch hat die Fahrradbranche mit gestörten Lieferketten zu kämpfen. Zwar werden hochwertige Räder zunehmend wieder in Europa montiert, auch eine steigende Zahl von Rahmen wird in einer neuen Fabrik in Portugal gefertigt. Die Hersteller wollen sich eigentlich unabhängiger machen. Doch die Masse der Komponenten, Rahmen und Kleinteile kommt weiterhin aus Asien.

Shimano, Marktführer bei Antriebskomponenten und Bremsen, betreibt zwar Fertigungsanlagen in Europa, hat seine Hauptwerke aber in Japan, Malaysia und Singapur. «Ob jemals wieder 100 Prozent der Komponenten in Europa gefertigt werden können, halten wir eher für unwahrscheinlich», sagte Tout.Terrain-Produktmanager Patrick Tepaß dem Pressedienst-Fahrrad.de.

Zwei Tage fürs Publikum

An den Ständen der mehr als 1500 Aussteller (bisheriger Rekord: 1400) können Fachleute wie an den beiden Schlusstagen auch das breite Publikum die neuesten Bike-Trends erleben. In der Halle 8 wollen die Organisatoren nicht weniger als die «Zukunft der Mobilität» vorstellen mit digitaler Vernetzung, Elektro-Antrieben für alle Bike-Arten und besonders nachhaltigen Produktionsmethoden.

Nach Einschätzung des Fahrrad-Experten Gunnar Fehlau deckt die Eurobike die komplette Bandbreite des Themas Fahrrad ab. Die Industrie befinde sich aber in einem «Transferjahr», nachdem es während der Corona-Pandemie allein darum gegangen sei, lieferfähig zu bleiben. 2022 fehle die technische Sprung-Innovation wie vor einiger Zeit die Funkschaltungen oder der breite Einsatz von LED-Leuchten. Die Hersteller böten aber zahlreiche Verfeinerungen und Optimierungen an, so dass sich das Angebot immer weiter differenziere. «Es geht mehr um Evolution», sagte Fehlau. Ein weiteres Thema sei die digitale Einbindung moderner Bikes in Datenanwendungen.

Wachstumstreiber E-Bike

Neueste Marktzahlen will der Industrieverband Zweirad erst zum Messeauftakt präsentieren. In Deutschland wurden nach früheren Angaben im vergangenen Jahr rund 4,7 Millionen Räder verkauft, von denen 2,0 Millionen einen elektrischen Antrieb hatten. E-Bikes und Pedelecs legten im Vergleich zum Vorjahr weiter leicht zu. Beim Verkauf der klassischen Fahrräder gab es hingegen ein deutliches Minus (2,7 Millionen im Vergleich zu 3,09 Millionen). Mit dem rasant wachsenden E-Anteil stiegen die Durchschnittspreise (1395 Euro pro Rad) ebenso wie der Gesamtumsatz auf 6,56 Milliarden Euro. Rein statistisch besitzt jeder Einwohner in Deutschland ein Fahrrad.

Innerstädtische und betriebliche Verkehrskonzepte sind wie die Vernetzung mit anderen Verkehrsträgern die Themen des Start-Kongresses «Eurobike Convention» am 13. Juli. Neben Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) auch Janette Sadik-Khan erwartet, die als Verkehrsbürgermeisterin von New York 600 Kilometer Radwege bauen ließ und ein System mit 12 000 Leihrädern einführte.

dpa