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Europas Industrie unter Druck: Strategien gegen Chinas expansive Wirtschaftspolitik

Die europäische Industrie sieht sich zunehmend der Herausforderung gegenüber, die durch Chinas aggressiven Exportkurs entsteht, der durch umfassende staatliche Subventionen gefördert wird. Im Angesicht dieser Situation muss die EU geeignete Maßnahmen entwickeln, um ihre Wirtschaft zu schützen, da allein höhere Zölle nicht ausreichen werden.

China-Schock 2.0 - wie sich Europas Industrie schützen kann
KI-generiert

Die europäische Industrie sieht sich zunehmend der Herausforderung gegenüber, die durch Chinas aggressiven Exportkurs entsteht, der durch umfassende staatliche Subventionen gefördert wird. Im Angesicht dieser Situation muss die EU geeignete Maßnahmen entwickeln, um ihre Wirtschaft zu schützen, da allein höhere Zölle nicht ausreichen werden.

Subventionen und ihre Auswirkungen auf den Wettbewerb

Edgar Walk, der Chefvolkswirt des Bankhauses Metzler, beschreibt die gegenwärtige Lage als alarmierend. Er weist darauf hin, dass die chinesische Regierung eine Politik verfolgt, die darauf abzielt, die industrielle Basis in Europa und den USA zu schädigen. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist der Rückgang der deutschen Solarindustrie, der sich in einem größeren Kontext wiederholen könnte.

Laut einer aktuellen Untersuchung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft hat China in einer Vielzahl von Sektoren, in denen Europa historisch stark ist, zunehmend Marktanteile gewonnen. Der Anteil dieser Branchen ist von etwa 25 Prozent in den frühen 2000er Jahren auf nahezu 40 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind hierbei die Automobil- und Chemieindustrie sowie der Maschinenbau. Die Forscher sprechen von einem “China-Schock 2.0”, der durch den Druck auf technologisch anspruchsvolle Sektoren gekennzeichnet ist.

Innovationen und staatliche Förderung in China

Walk betont, dass chinesische Unternehmen in den letzten Jahren viel vom Westen gelernt haben. Peking hat frühzeitig auf Bereiche wie Innovation, Bildung und Infrastruktur gesetzt. Diese Strategie hat dazu geführt, dass China über hochgradig wettbewerbsfähige und innovative Unternehmen verfügt. Im Gegensatz dazu sehen sich europäische Unternehmen mit Herausforderungen wie Bürokratie, unzureichender Infrastruktur und ungenügenden Investitionen in Forschung und Entwicklung konfrontiert.

Eine Studie der OECD belegt, dass große chinesische Industrieunternehmen zwischen 2005 und 2024 im Durchschnitt drei- bis achtmal mehr staatliche Unterstützung erhalten haben als vergleichbare Unternehmen in OECD-Staaten. Es wird geschätzt, dass fast 60 Prozent der weltweiten Marktanteilsgewinne dieser Firmen auf die erhaltenen Subventionen zurückzuführen sind, was eine konservative Schätzung darstellt, da nicht alle Hilfen erfasst werden können.

Wechselkursproblematik und deren Einfluss auf den Handel

Ein weiterer Aspekt ist die Bewertung der chinesischen Währung, des Yuan. Brad Setser, ein Fachmann für internationale Finanzströme, schätzt, dass der Yuan etwa 30 Prozent unterbewertet ist. Dies führt dazu, dass chinesische Exporte wettbewerbsfähiger werden. Im deutschen Außenhandel zeigt sich die zunehmende Konkurrenz aus China deutlich: In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 sanken die deutschen Exporte nach China um 12,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während die Importe aus China um 10,1 Prozent anstiegen.

EU-Strategien zur Abwehr der Herausforderungen

Die EU verfolgt die Strategie der “dualen Zirkulation”, die darauf abzielt, den Binnenmarkt und eigene Technologien zu stärken, um weniger von Importen abhängig zu sein. Gleichzeitig möchte China weiterhin vom Welthandel profitieren. Walk warnt, dass jedes deutsche Unternehmen, das nach China exportiert, sich der chinesischen Politik bewusst sein muss, die darauf abzielt, diese Exporte in der Zukunft zu begrenzen.

Nach einem kürzlichen Gipfel plant die EU-Kommission, neue Instrumente zu entwickeln, um die europäische Industrie besser vor unfairen Handelspraktiken zu schützen. Dazu gehört die Möglichkeit, den Zugang zum Binnenmarkt schneller zu beschränken. Johannes Gernandt, Chefvolkswirt des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), kritisiert die langsame Reaktionszeit der EU und fordert ein starkes Drohpotenzial, um den Chinesen klarzumachen, dass Europa ebenfalls reagieren kann.

Risiken von Handelszöllen und möglichen Konflikten

Walk schlägt vor, für die Automobil- und Maschinenbauindustrie Einfuhrzölle von mindestens 30 Prozent zu erheben, um die Wechselkursverzerrungen auszugleichen. Experten warnen jedoch, dass solche Zölle auch negative Auswirkungen auf den Wettbewerb innerhalb Europas haben könnten. Im extremsten Fall könnten “sklerotische Zombie-Unternehmen” entstehen, die sich hinter Handelsbarrieren behaupten, jedoch nicht wettbewerbsfähig sind.

Die Kieler Forscher sehen ebenfalls die Begrenzungen klassischer Schutzzölle und plädieren dafür, den Zugang zum EU-Binnenmarkt für strategisch wichtige Produkte an eine Produktion in Europa zu knüpfen. Dies erfordert eine neue Rechtsgrundlage, ähnlich der US-Regelung “Section 232”, die Einfuhrbeschränkungen aus Gründen der nationalen Sicherheit gestattet.

Handelskonflikte und die Perspektive der EU

China könnte auf neue Handelsbeschränkungen mit Gegenmaßnahmen reagieren. Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, erwartet jedoch keine umfassende Eskalation, da China bereits in einen Handelskonflikt mit den USA verwickelt ist. Er glaubt, dass der Handelskonflikt zwischen der EU und China eher auf kleiner Flamme gekocht werden wird, um eine Überlastung durch mehrere Handelskriege zu verhindern.

Die EU hat wiederholt auf die unfairen Wettbewerbspraktiken Chinas hingewiesen. Es ist jedoch offensichtlich, dass Handelsbeschränkungen allein nicht ausreichen werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie langfristig zu erhalten. Sie könnten jedoch Zeit schaffen, um den technologischen Rückstand aufzuholen und den Standort Europa zu stärken. Die EU muss zudem entscheiden, welche Schlüsselindustrien und Produktionskapazitäten aus Sicherheitsgründen erhalten bleiben sollten, da eine bloße Verteuerung von Importen nicht die Lösung sein wird.


Quellen: tagesschau, nd

Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.

TS