Ausländische Investoren stecken derzeit Milliarden in riesige Fabriken im Osten. Das sei zu begrüßen, sagt der Dresdner Wirtschaftsforscher Joachim Ragnitz. Die Wirkung insgesamt sei aber begrenzt.
Experte: Begrenzter Schub für Wirtschaft im Osten

Die Milliardeninvestitionen von Tesla, Intel oder TSMC werden nach Einschätzung des Ifo-Instituts der ostdeutschen Wirtschaft insgesamt nur begrenzten zusätzlichen Schub geben. «Grundsätzlich ist es natürlich gut, wenn es Großansiedlungen gibt», sagte der Dresdner Ifo-Experte Joachim Ragnitz der Deutschen Presse-Agentur. «Aber ich warne vor der Vorstellung, dass Großansiedlungen die Produktivität in ganz Ostdeutschland retten könnten.»
Ragnitz betont in einem Aufsatz über den Produktivitätsrückstand im Osten, dass die Auswirkungen auf die Beschäftigung nicht überbewertet werden sollten. Laut ihm sind zwar bereits 10.000 Menschen im Elektroautowerk des US-Herstellers Tesla in Grünheide bei Berlin beschäftigt, aber das entspricht lediglich 0,9 Prozent aller Beschäftigten in Brandenburg. Die erwarteten Arbeitsplätze im geplanten Chipwerk des US-Konzerns Intel in Magdeburg und des taiwanischen Chiperstellers TSMC in Dresden sind im Vergleich zur Gesamtbeschäftigung in Sachsen-Anhalt oder Sachsen ebenfalls eher unbedeutend.
Wichtig ist die Ansiedlung von Zulieferfirmen
Selbst mit Blick auf die industrielle Wertschöpfung dürften «die positiven Auswirkungen überschaubar bleiben», analysiert der Wirtschaftswissenschaftler. Breitere Wirkung wäre zu erwarten, wenn sich auch Zulieferfirmen ansiedeln. Das sei aber bei global tätigen Unternehmen nicht notwendigerweise der Fall.
Ragnitz erwartet jedoch einen Effekt: Aufgrund der Tatsache, dass die großen Industrieanlagen Arbeitsplätze mit guten Löhnen bieten, dürfte auch das Einkommen in der Umgebung steigen – andernfalls könnten bestehende Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht halten. Allerdings könnten einige kleinere Firmen in diesem Fall nicht mithalten und würden verschwinden, erklärte Ragnitz im Gespräch mit dpa.
Strategisches Ziel ist Unabhängigkeit von China
Auf die Frage, ob sich die milliardenschwere staatliche Förderung für Intel und TSMC lohne, sagte Ragnitz, Grund der Subventionen sei nicht regionale Wirtschaftspolitik, sondern das strategische Ziel, unabhängiger von der Chipproduktion in China zu werden. «Das kann man machen», sagte Ragnitz. Er selbst sei allerdings eher «skeptisch, ob diese Industriestrategie klug ist». Es erhielten möglicherweise Unternehmen Subventionen, die so oder so investieren würden. In jedem Fall sei es sinnvoll, die Zuschüsse an die Bedingung zu knüpfen, dass die hier produzierenden Chipwerke auch an Europa lieferten.
Im März 2022 kündigte Intel an, dass ab 2027 in Magdeburg Chips produziert und zwei Halbleiterwerke gebaut werden sollen. Für dieses Projekt sind 30 Milliarden Euro vorgesehen, wobei der Bund etwa zehn Milliarden Euro beisteuert. Für ein Werk des taiwanischen Konzerns TSMC in Dresden sind fünf Milliarden Euro staatliche Förderung vorgesehen. Auch hier soll ab 2027 produziert werden. Tesla hat in seine Fabrik in Grünheide geschätzte 5,8 Milliarden Euro investiert und produziert dort seit März 2022 Elektroautos.








