Lohnungleichheit hält an: Gleichwertige Bezahlung von Männern und Frauen bleibt Zukunftsmusik, sagt Wirtschaftsexperte Fratzscher. Warum bleibt die Gender Pay Gap bestehen und welche Lösungen gibt es?
Experte: «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit» weit entfernt

Der Wirtschaftsforscher Marcel Fratzscher sieht eine gleichwertige Bezahlung von Männern und Frauen in Deutschland noch in weiter Ferne. «Gleichen Lohn für gleiche Arbeit wird es also auf absehbare Zeit nicht geben», sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung der «Zeit» (Samstag/Sonderausgabe).
«Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist heute das größte ungehobene wirtschaftliche Potenzial. Eine bessere Bezahlung und damit eine höhere Beschäftigung von Frauen könnten helfen, Fachkräftelücken zu verkleinern», sagte Fratzscher.
Etliche Frauen wollten gerne mehr arbeiten, es mangele jedoch an ausreichenden Betreuungsangeboten für Kinder. Außerdem setzten das Ehegattensplitting und Minijobs «wenig Anreize für Frauen, nach der Familiengründung überhaupt oder deutlich mehr Stunden zu arbeiten».
Auch in Vollzeit große Unterschiede
Auch in Vollzeit gibt es jedoch nach Angaben des Statistischen Bundesamts von März weiterhin große Unterschiede: Drei von vier Frauen in Vollzeit verdienen weniger als Männer – und zwar teils sehr deutlich. Der Verdienst von 40 Prozent der betroffenen Frauen liegt um mindestens 30 Prozent niedriger. Diese Informationen stammen von der Bundestagsabgeordneten Sahra Wagenknecht, die sie beim Statistikamt abgefragt hatte. Insgesamt erhalten 34 Prozent der betroffenen Frauen bis zu 30 Prozent weniger. 26 Prozent der Frauen in Vollzeit verdienen genauso viel oder mehr als Männer.
Das Ungleichgewicht wird auch in den offiziellen Angaben zu den durchschnittlichen Bruttoverdiensten je Stunde deutlich. Im Jahr 2023 lag der Durchschnittswert bundesweit bei 26,63 Euro für Männer und bei 22,54 Euro für Frauen. Die Differenzen lassen sich unter anderem damit erklären, dass viele Berufe, die häufig von Frauen ausgeübt werden, niedrige Stundenlöhne haben. Anders ausgedrückt: Männer arbeiten öfter in besser bezahlten Jobs.
Gemäß den EU-Regeln sollte der Lohn bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit tatsächlich gleich sein. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die für das Jahr 2023 vereinbart wurde, zielt darauf ab, die sogenannte Gender Pay Gap zu verringern.








