Chatbots wie ChatGPT können ein Gewinn für den Untersicht sein, davon sind Bildungsexperten überzeugt. Doch sie nennen mehrere Voraussetzungen.
Experten: Großes Potenzial für ChatGPT und Co. an Schulen

Laut der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK/Bonn) der Kultusministerkonferenz hat der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wie ChatGPT in Schulen ein hohes Potenzial aus Sicht führender Bildungsexperten. Es gibt jedoch viele Voraussetzungen und Bedingungen für eine förderliche und verantwortungsbewusste Nutzung dieser Instrumente, wie in einem veröffentlichten Papier betont wurde.
Das Gremium empfahl kurzfristig eine Übergangsphase zur systematischen Erprobung solcher KI-Tools «bei offener Fehlerkultur». Auch auf Risiken und Hürden wies die SWK hin.
Ein zentraler Satz lautet: «KI kann und sollte Lehr-Lernprozess unterstützen, die finale Entscheidung beziehungsweise Bewertung und die Verantwortung für das Endprodukt muss bei Menschen liegen.» Lehrkräfte müssten dafür qualifiziert sein, Fortbildungsangebote rasch ausgebaut werden.
Für wen sind die Tools sinnvoll?
Gemäß der Kommission sollte in der Grundschule vollständig auf texterstellende KI-Instrumente wie ChatGPT verzichtet werden, während in den ersten Jahren der weiterführenden Schule weitgehend darauf verzichtet werden sollte. Der Schwerpunkt sollte hier auf dem Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen der Kinder liegen. Ab dem achten Jahrgang kann eine regelmäßige Nutzung als Schreibunterstützung erfolgen, während weiterhin auch Texte ohne diese Hilfsmittel erstellt werden sollten. Die Verwendung von KI sollte sorgfältig überwacht werden.
Die KI-Programme können nach SWK-Angaben vor allem dann unterstützen, «wenn Lernende über hohe fachliche, Schreib-, Lese- und digitale Kompetenzen verfügen». Sie sollten daher bei älteren Schülern wie auch in Hochschulen zum Einsatz kommen. Es gehe um eine «produktive Nutzung» dieser Technologie. Der Aufbau der Lese- und Schreibkompetenz in den ersten Schuljahren solle ohne sogenannte Große Sprachmodelle (Large Language Models/LLM) wie ChatGPT und Co. erfolgen.
Gemäß der Kommission gehen aktuelle Schätzungen davon aus, dass mindestens 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland bereits ChatGPT als Informationsquelle, für Textproduktion und -übersetzung nutzen. Die Bildungsexperten sehen auch für Lehrkräfte viele Möglichkeiten, die oft noch unterschätzt werden. Zum Beispiel für die Unterrichtsplanung, das Erstellen von Wissenstests mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden oder die Entwicklung von Unterrichtsmaterial, das nach der Leistungsstärke der Schüler differenziert ist. Allerdings kann KI das didaktische Fachwissen einer Lehrkraft nicht ersetzen.
Worin bestehen laut SWK Risiken und was ist zu tun?
Chatbots reagieren auf Spracheingaben und generieren Texte, die auch erfundene Informationen und Fehler enthalten, jedoch dennoch glaubwürdig wirken. Die Schüler müssen in der Lage sein, die Qualität, Korrektheit und Vertrauenswürdigkeit der Inhalte zu bewerten und den Prozess durch ihre Spracheingaben zu steuern, wie das Gremium betont. Kritisches und analytisches Denken sowie fachliches Wissen sind erforderlich. Bei schwächeren Lernenden kann man diese Kompetenzen nicht unbedingt voraussetzen.
Ein versierter Umgang der Schülerinnen und Schüler mit den KI-Instrumenten solle als neues Lernziel geübt und auch geprüft werden. Entsprechend müssten Lehrkräfte qualifiziert sein. «Die dynamische Entwicklung der Tools fordert die Lehrkräfte besonders.» Die Verantwortung für eine Verwendung der KI – etwa zur Aufgabenerstellung oder Leistungsbeurteilung – soll laut Empfehlung bei den Lehrerinnen und Lehrern liegen.
Derzeit gebe es Unsicherheiten auch mit Blick auf Prüfungsformate, hier müsse die Prüfungskultur weiterentwickelt werden. Die Kommission rät in Prüfungen zur Unterscheidung zwischen hilfsmittelfreien Teilen und solchen, in denen KI-Tools genutzt werden dürfen. Kommen solche Instrumente zum Einsatz, «sollte nicht nur der letztendliche Text, sondern auch die reflektierte Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit der Erstellung und dem Ergebnis Gegenstand der Beurteilung sein». Es sei davon auszugehen, dass eine gekonnte «Koaktivität» mit ChatGPT und Co. eine wichtige Zukunftskompetenz darstellen werde.
To-Do-Liste für die Bildungspolitik
Das SWK-Papier verweist auch auf «technologische, ethische und rechtliche Probleme», die einen rechtmäßigen Einsatz im Schulbereich in Frage stellten. Der Einsatz kommerzieller Tools sei marktwirtschaftlichen Interessen unterworfen, sie seien nicht für die Schulen gemacht worden. Der Bildungspolitik komme die Aufgabe zu, KI-Instrumente in geeignete Lernplattformen zu integrieren. «Eine besonders große Herausforderung besteht derzeit noch darin, Tools für den Einsatz im Bildungskontext und in speziellen Fächern zu entwerfen», erläuterte die Direktorin des Leibniz-Instituts für Wissensmedien, Ulrike Cress.
Allen Lernenden und Lehrenden sollte dem Gremium zufolge ein kostenfreier oder günstiger Zugriff auf diese Tools ermöglicht werden. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Saarlands Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD), betonte in einer Mitteilung: «Technologischer Fortschritt darf nicht zu stärkerer sozialer Ungleichheit führen, sondern die Chancen müssen für alle zugänglich sein.»








