Schwächstes Ergebnis seit drei Jahrzehnten: Deutsche Warenausfuhren sinken um 1,4 Prozent auf 1562,1 Milliarden Euro im Jahr 2023.
Deutscher Exportmotor gerät ins Stottern

Der deutsche Exportmotor ist im vergangenen Jahr ins Stottern geraten. Der Wert der Warenausfuhren sank nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Rekordwert des Vorjahres um 1,4 Prozent auf 1562,1 Milliarden Euro. «Nach der Finanzkrise 2009 und der Corona-Krise 2020 ist es das schwächste Ergebnis seit drei Jahrzehnten», sagte Carolin Herwig, Außenwirtschaftsexpertin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), am Montag mit Blick auf die Stärke des Rückgangs. Eine geringe Nachfrage aus dem Ausland wegen hoher Inflationsraten und eines hohen Zinsniveaus sowie geopolitische Risiken hätten für das Minus gesorgt. «2023 war ein gebrauchtes Jahr für die deutsche Exportwirtschaft.» Volkswirte rechnen zunächst mit anhaltendem Gegenwind.
Nach Angaben des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) dämpften Krisen im vergangenen Jahr den Welthandel. «Insbesondere fällt auf, dass die Unruhe auf den Weltmärkten die deutschen Exporte in Mitleidenschaft gezogen hat», sagte BGA-Päsident Dirk Jandura. «Die deutschen Ausfuhren in die maßgeblichen Absatzmärkte stagnierten in 2023 im Vergleich zum Vorjahr oder nahmen sogar ab.»
Im Jahr 2022 hatten die Ausfuhren «Made in Germany» auch in Folge von Preiserhöhungen noch einen Rekordwert erreicht. Genau beziffern lassen sich die Preiseffekte allerdings nicht, da die Statistiker keine preisbereinigten Daten zum Außenhandel erheben.
Einfuhren noch deutlicher gesunken
Die Einfuhren nach Deutschland sind im letzten Jahr deutlich stärker gesunken als die Ausfuhren: Die Importe betrugen kalender- und saisonbereinigt 1352,5 Milliarden Euro, was einem Rückgang um 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dadurch hat sich der Exportüberschuss auf 209,6 Milliarden Euro erhöht. Im Vorjahr war der Saldo mit 85,5 Milliarden Euro deutlich niedriger. Europas größte Volkswirtschaft exportiert seit Jahren mehr als sie importiert. Dies hatte in der Vergangenheit für Unmut in anderen Ländern gesorgt.
Der deutliche Rückgang der Importe zeige, dass der private Verbrauch im Inland sehr schwach sei, erläuterte VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel. «Gleichzeitig zeigt es auch, dass die Industrie wenig Waren aus dem Ausland bestellte, da die Auftragsbücher dünn sind.» Aus einer Sicht spricht der Auftragseingang tendenziell für einen weiteren Rückgang der Exporte in den kommenden Monaten. «Wenn keine Bestellungen reinkommen, können auf der anderen Seite auch keine Waren in den Export gegeben werden.» Auch Volkswirt Marc Schattenberg von der Deutschen Bank rechnet zunächst mit weiterem Gegenwind für die deutsche Exportwirtschaft.
Unerwartet starker Dämpfer zum Jahresende
Zum Ende des Jahres 2023 erlebte der deutsche Außenhandel eine unerwartet starke Verlangsamung. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Exporte im Dezember um 4,6 Prozent. Dies ist der größte Rückgang seit Ende 2022. Analysten hatten zwar erwartet, dass die Exporte schrumpfen würden, gingen aber im Durchschnitt nur von einem Minus von 2,8 Prozent aus. Waren im Wert von 125,3 Milliarden Euro wurden ins Ausland geliefert. Dies entspricht ebenfalls einem Rückgang von 4,6 Prozent im Vergleich zu Dezember 2022. Die Einfuhren sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,4 Prozent auf 103,1 Milliarden Euro.
Die Stimmung in der deutschen Exportindustrie hatte sich zuletzt eingetrübt. Die Ifo-Exporterwartungen sanken im Januar auf minus 8,4 Punkte, von minus 7,1 Punkten im Dezember. «Die deutsche Exportwirtschaft startet schlechter ins neue Jahr», sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. «Die Exporteure brauchen neue Impulse.»
Laut der Studie gehen die meisten Branchen davon aus, dass ihre Exporte abnehmen werden. Dies betrifft vor allem die Schlüsselbranchen der Industrie wie den Automobilbau, Maschinenbau oder die Elektrotechnik. Auch die Hersteller von Kunststoff- und Gummiwaren sowie die Metallbranche berichten von rückläufigen Aufträgen aus dem Ausland.








