Die Europäische Zentralbank (EZB) beschließt, den Leitzins vorerst bei 4,5 Prozent zu belassen, obwohl die Konjunktur im Euroraum schwächelt.
Keine Zinssenkung trotz Konjunktursorgen

Trotz wachsender Konjunktursorgen geben die Euro-Währungshüter vorerst nicht nach und halten den Leitzins bei 4,5 Prozent. Dies wurde bei der ersten Sitzung des EZB-Rats im neuen Jahr in Frankfurt beschlossen.
Im Juli 2022 beendete die EZB die Ära der Null- und Negativzinsen, um die hohe Inflation unter Kontrolle zu bringen. Die Notenbank erhöhte die Zinsen zehn Mal in Folge. Durch höhere Zinsen werden Kredite teurer, was die Nachfrage dämpfen und der hohen Inflation entgegenwirken kann. Allerdings stellen teurere Kredite auch eine Belastung für die Wirtschaft dar, da sich kreditfinanzierte Investitionen verteuern.
Spielraum für Zinssenkungen
Die Möglichkeit, die Geldpolitik wieder zu lockern, ergibt sich aus der Tatsache, dass die Inflation in letzter Zeit tendenziell rückläufig war. Sowohl die schwächelnde Konjunktur im Euroraum als auch in der größten Volkswirtschaft Europas, Deutschland, könnten von Zinssenkungen profitieren.
Die EZB hat als oberstes Ziel, den Euro stabil zu halten. Dies wird erreicht, indem die Preise nicht zu stark steigen. Die Notenbank strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von zwei Prozent an, um Preisstabilität zu gewährleisten. Wenn die Inflationsrate höher ist, verringert sich die Kaufkraft der Verbraucher, da sie sich dann für einen Euro weniger leisten können.
Im Dezember hat sich die Inflation im Euroraum wieder beschleunigt: Laut vorläufigen Berechnungen von Eurostat lagen die Verbraucherpreise um 2,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im November 2023 hatte die Inflationsrate im Währungsraum mit 2,4 Prozent den niedrigsten Stand seit Sommer 2021 erreicht.
Zinsschritt nach unten im Sommer erwartet
Die Kernteuerung, die Preise für Energie und Nahrungsmittel, die starken Schwankungen unterliegen, nicht berücksichtigt, ist im Dezember gesunken: Sie ist von 3,6 Prozent auf 3,4 Prozent gesunken. Viele Ökonomen sind der Meinung, dass die Kernteuerung die grundlegende Inflation besser darstellt als die Gesamtrate.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußerte beim Weltwirtschaftsforum in Davos Mitte Januar, dass es durchaus wahrscheinlich sei, dass eine Zinssenkung in diesem Sommer stattfinden werde. Gleichzeitig dämpfte sie die Erwartungen und wies auf die Abhängigkeit der Geldpolitik von der Konjunktur hin.
Nach der Entscheidung des EZB-Rates vom Donnerstag bleibt der Einlagenzins, den Banken für geparkte Gelder erhalten, unverändert bei 4,0 Prozent. Dies stellt das höchste Niveau seit Bestehen der Währungsunion im Jahr 1999 dar.








