Knapp 30 Prozent der Fahrgäste mussten im laufenden Jahr Verspätungen im Fernverkehr der Deutschen Bahn hinnehmen. Ein Grünen-Verkehrspolitiker fordert mehr Beachtung für stark ausgelastete Züge.
Fast jeder dritte Bahn-Reisende verspätet am Ziel

Etwa ein Drittel der Fahrgäste im Fernverkehr der Deutschen Bahn wurde im aktuellen Jahr von Verspätungen betroffen. Dies entspricht in etwa der Anzahl im Gesamtjahr 2022, wie aus einer Antwort der Bahn auf eine Anfrage des Grünen-Verkehrspolitikers Matthias Gastel hervorgeht. Diese Antwort liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Demnach erreichten etwa 69,6 Prozent der Bahnreisenden zwischen Januar und November dieses Jahres ihr Ziel pünktlich. Alle anderen waren mit Verspätung unterwegs.
Die Reisendenpünktlichkeit, wie sie von der Bahn monatlich online veröffentlicht wird, unterscheidet sich von der Pünktlichkeitsstatistik. Die Pünktlichkeitsstatistik zeigt lediglich die Anzahl der Züge, die im jeweiligen Monat mit mindestens sechs Minuten Verspätung am Ziel ankamen. Im November traf das auf fast jeden zweiten Fernzug zu. Die Bahn ist weit entfernt von ihrem Ziel einer Zugpünktlichkeit von mehr als 70 Prozent im Gesamtjahr 2023.
Die Pünktlichkeit der Reisenden misst dagegen, wann die einzelnen Fahrgäste ihr Ziel erreichen. Sie berücksichtigt auch Zugausfälle oder Ersatzverkehre. Ein Fahrgast wird in dieser Statistik als verspätet betrachtet, wenn er mindestens 15 Minuten später als der Fahrplan vorsieht am Ziel ankommt. Zwischen 2017 und 2020 lag die Pünktlichkeit der Fahrgäste laut der Bahn immer über 80 Prozent. Seitdem hat sie stark abgenommen. Diese Zahlen werden von der Bahn bisher nur einmal im Jahr im Geschäftsbericht der Tochter DB Fernverkehr veröffentlicht.
Marodes Schienennetz und zahlreiche Baustellen
Der Abgeordnete Gastel fordert deshalb eine regelmäßigere Auskunft. «Diese Angabe sagt über das Ausmaß an Betroffenheit unter den Fahrgästen mehr aus als das bloße Zählen von Zügen», teilte er mit. «Wenn 30 Prozent der Fahrgäste zu spät an ihrem Ziel ankommen, dann waren allein im November weit über drei Millionen Menschen betroffen.» Es brauche eine klar erkennbare Strategie. Die Bahn müsse sich etwa im täglichen Betrieb darum kümmern, dass Züge mit hoher Auslastung oder solche mit knappen Anschlüssen mehr Beachtung fänden.
Die Bahn ist besonders unzuverlässig aufgrund des seit Jahrzehnten vernachlässigten Schienennetzes, das an vielen Stellen marode, veraltet und völlig überlastet ist. Der Zugverkehr wird bundesweit durch zahlreiche Baustellen beeinträchtigt. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung zusätzliche Milliarden Euro zugesagt, um das bestehende Netz in den kommenden Jahren umfassend zu sanieren. Dutzende stark belastete Korridore sollen nun bis 2030 angegangen, für jeweils etwa ein halbes Jahr komplett gesperrt und umfassend saniert werden.
Der Start der Generalsanierung ist im kommenden Sommer auf der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim geplant. Bereits ab Neujahr wird die Strecke für einige Wochen vollständig gesperrt, um vorbereitende Maßnahmen für die Sanierung in der zweiten Jahreshälfte durchzuführen.








