Fed wird Kurswechsel einschlagen, aber Zinsen vorerst unverändert lassen, trotz nachlassender Inflation.
US-Notenbank Fed vor Kurswechsel – Analysten erwarten Zinspause

Die Entscheidung zur weiteren Geldpolitik wird heute von der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bekanntgegeben. Aufgrund der abnehmenden Inflation wird erwartet, dass die Fed in diesem Jahr eine Änderung des Kurses vornehmen wird. Trotzdem gehen Analysten davon aus, dass es zu einer weiteren Zinspause kommen wird.
Trotz der Ankündigung der Notenbank bei ihrer letzten Sitzung im Vorjahr, Zinssenkungen für 2024 zu erwarten, blieb der Leitzins unverändert in einem Bereich von 5,25 bis 5,5 Prozent – der höchste Stand seit über 20 Jahren. Experten werden jedoch gespannt darauf achten, welchen Zeitplan Notenbankchef Jerome Powell während seiner Pressekonferenz vorgeben wird.
Kampf gegen die Inflation
Seit März 2022 hat die Fed ihren Leitzins um mehr als fünf Prozentpunkte erhöht, um gegen die Inflation anzukämpfen. Die schnelle Teuerung wurde unter anderem durch den Anstieg der Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verursacht. Es wird erwartet, dass die US-Notenbank bald die Zinsen senken könnte, da die Inflation nachlässt.
Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums wird sie jedoch wahrscheinlich nicht allzu schnell handeln. Bisher scheint es der Fed gelungen zu sein, den Preisanstieg zu dämpfen, ohne die Wirtschaft zu bremsen. Aktuelle Konjunkturdaten zeigen, dass die US-Wirtschaft im Herbst stärker gewachsen ist als erwartet.
Die klassische Aufgabe der Notenbanken besteht darin, die Inflation unter Kontrolle zu halten. Die Fed strebt mittelfristig eine Preisstabilität an, bei einer Inflationsrate von 2 Prozent. Sie passt die Zinssätze an, um gegen hohe Verbraucherpreise anzukämpfen. Wenn die Zinsen steigen, müssen Privatpersonen und Unternehmen mehr für Kredite bezahlen oder sich weniger Geld leihen. Dies führt zu einem Rückgang des Wachstums, da Unternehmen nicht unbegrenzt höhere Preise verlangen können – und idealerweise sinkt die Inflationsrate. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr einer Rezession. Die größte Herausforderung für Zentralbanker besteht darin, das richtige Gleichgewicht zu finden.
Experten: Zinssenkung frühestens im März
Die Währungshüter in den USA haben nun etwas Spielraum aufgrund der rückläufigen Inflation. Fed-Chef Powell hat jedoch in der Vergangenheit betont, dass die Daten mit Vorsicht zu genießen seien und man abwarten müsse, ob der Rückgang dauerhaft sei. Im Dezember rechneten die Entscheider der Fed im Durchschnitt mit einem Leitzins von 4,6 Prozent für dieses Jahr. Das deutet darauf hin, dass es im Jahr 2024 etwa drei Zinssenkungen geben wird.
Dennoch gehen Experten davon aus, dass eine erste Zinssenkung frühestens bei der nächsten Sitzung im März zu erwarten ist. Die aktuellen Wirtschaftsdaten dürften die Fed darin bestätigen, vorerst an ihrer restriktiven Geldpolitik festzuhalten.
Sorge über das Lohnwachstum
Auch die Euro-Währungshüter haben im Sommer 2022 die Jahre der Null- und Negativzinsen beendet, um die hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) schraubte die Zinsen nach oben. «In den USA und im Euroraum ist ein Teil der Inflationsdynamik auf den Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise zurückzuführen», sagte der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Pierre-Olivier Gourinchas, bei der Vorstellung des jüngsten Konjunkturberichts am Dienstag. Doch in der Eurozone sei dieser Schock viel größer gewesen als in den USA. «Das führt zu einer etwas anderen Diagnose, wenn man darüber nachdenkt, was in den USA in Bezug auf die Inflation passieren könnte», so Gourinchas weiter.
Er betont, dass die Verbraucherpreise in den USA aufgrund der hohen Nachfrage und eines besonders starken Arbeitsmarkts deutlich gestiegen sind. Ein starker Arbeitsmarkt erschwert der Fed grundsätzlich den Kampf gegen die Inflation, da er die Löhne antreibt. Gourinchas warnte davor, dass die Inflation hartnäckiger sein könnte, wenn die Nachfrage in den USA nicht zurückgeht. Die Europäische Zentralbank ist eher besorgt über das Lohnwachstum und ob die Löhne, die hinter den Preisen zurückgeblieben sind, aufholen können, ohne dass es zu einem weiteren Preisanstieg kommt.








