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Neues Förderprogramm für Familien: «Jung kauft Alt» startet in Deutschland

Familien mit Kindern können alte Immobilien kaufen und sanieren, um Förderungen in Anspruch zu nehmen.

Alte Häuser können echte Juwelen sein - wenn man aufwendige Sanierung nicht scheut. (Archivbild)
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Fast zwei Millionen alte Wohnhäuser stehen in Deutschland leer. Auch weil es bisher oft günstiger war, neu zu bauen, statt aufwendig zu sanieren. Das soll sich mit einem neuen Förderprogramm der Bundesregierung für Familien ändern. «Jung kauft Alt» geht am Dienstag an den Start. Es richtet sich an Familien mit Kindern, die eine alte Immobilie kaufen und sich zur Sanierung verpflichten. Doch schon jetzt sorgen die Anforderungen auch für Kritik.

Was das Programm bewirken soll

Gerade in kleinen Städten und Gemeinden stehen viele ältere Häuser zum Verkauf oder leer. Wenn hier junge Leute einziehen, so die Idee von Bauministerin Klara Geywitz (SPD), spart das gleichzeitig Ressourcen, belebt Dorfkerne wie Innenstädte und hilft Familien, sich den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen. «Familien können so zum Beispiel in die alte Heimat ziehen, dort ein bestehendes Haus sanieren und gleichzeitig andere Sanierungsförderungen in Anspruch nehmen», sagt Geywitz. Gerade in ländlichen und dünn besiedelten Regionen vermeide man so, dass die historische Bausubstanz im Dorfkern leer steht und die Menschen drumherum im Neubau wohnen.

Wer die Förderung beantragen kann

Die Zielgruppe besteht aus Familien mit minderjährigen Kindern und niedrigen bis mittleren Einkommen. „Wer ein Kind hat, darf maximal ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von 90.000 Euro haben. Mit jedem weiteren Kind erhöht sich diese Schwelle um 10.000 Euro.“ Personen, die bereits Baukindergeld beziehen oder Eigentum besitzen, sind von der Förderung ausgeschlossen.

Klare Rahmenbedingungen für Projekte

Die Familie muss ein Haus oder eine Wohnung kaufen und selbst darin leben. Es gibt also keine Förderung, wenn man ein altes Haus zu einer Ferienwohnung umbaut oder vermietet. Die Zweckbindung gilt für fünf Jahre.

Zusätzlich muss die Immobilie in einem relativ schlechten energetischen Zustand sein. Im Energieausweis sollte sie in die schlechtesten Kategorien F, G oder H eingestuft werden. Laut Ministerium betrifft dies etwa 45 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland.

Innerhalb von 54 Monaten muss das Haus so renoviert werden, dass es mindestens Energieeffizienzklasse 70 EE erreicht. Das heißt, es muss 30 Prozent weniger Energie verbrauchen als ein Gebäude mit den gesetzlichen Mindeststandards. Zusätzlich muss die Wärmeerzeugung zu mindestens 65 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt werden – was normalerweise auch einen Austausch der Heizung bedeutet.

So sieht die Förderung genau aus

Man kann über die KfW staatliche Förderbank Kredite zu besonders günstigen Konditionen erhalten. Der Zinssatz beträgt zum Start bei einer Kreditlaufzeit von 35 Jahren und einer Zinsbindung von zehn Jahren 1,51 Prozent.

Die Kreditobergrenzen variieren je nach Anzahl der Kinder: „Bei einem Kind werden maximal 100.000 Euro gefördert, bei zwei Kindern 125.000 Euro, bei drei oder mehr Kindern bis zu 150.000 Euro.“ Es können Kreditlaufzeiten von 7 bis 35 Jahren sowie Zinsbindungen von bis zu 20 Jahren gewählt werden.

Laut Geywitz könne eine Familie mit zwei Kindern durch die zinsverbilligten Kredite bis zu 18.000 Euro sparen. Darüber hinaus könne man auch für Maßnahmen wie gedämmte Fassaden und Dächer, neue Fenster oder den Austausch einer alten Heizung andere Fördermittel des Staates beantragen.

350 Millionen Euro sind im Topf

In diesem Jahr sind 350 Millionen Euro verfügbar. Jedoch wird das Geld nicht direkt weitergegeben, sondern zur Zinsverbilligung der Förderkredite verwendet. Dadurch erhöhen sich die geförderten Kreditsummen erheblich.

Darum sehen manche das Programm kritisch

Das liegt vor allem an den strengen Anforderungen. So meinen zum Beispiel die Landesbausparkassen, dass es vielen Familien auch mit Förderung schwerfallen wird, das nötige Geld für eine so umfangreiche Sanierung aufzubringen. Immobilien mit so viel Energieverbrauch innerhalb von viereinhalb Jahren so weit zu modernisieren, «das wird entweder am Zeitrahmen oder am Geld scheitern», erklären sie. 

Schon jetzt plädiert der Verband dafür, bei mangelnder Nachfrage die zeitlichen Vorgaben zu strecken. «Zudem könnten auch bessere Energieeffizienzklassen in die Förderung aufgenommen werden, damit der Sprung zum angestrebten Niveau kleiner und günstiger wird.» Für den Klimaschutz sei jede Sanierung besser als keine Sanierung – und auch im Kampf gegen den Wohnungsmangel wäre mehr gewonnen, wenn möglichst viele ältere Immobilien einen Käufer fänden. 

dpa